Fotolinktipp

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Eines der zahlreichen seltsamen Phänomene im Internet ist es, dass sich viele Menschen ohne mit der Wimper zu  zucken als “Künstler” bezeichnen.

Gerade bei Fotografen ist es überaus beliebt, irgendwas mit Kunst in den Nom de Guerre zu packen, am besten auf Englisch und/oder in CamelCase, weil’s dann noch progressiver daherkommt. Und so tummeln sich auf den Fotografen- und Modellplattformen dieses Netzes allerlei Leute mit so wohlklingenden Namen wie “Digital Dreams ART” oder “BeautyPortrait-FotoKUNST” oder “Markus Hummer’s GothicArt” oder wie auch immer. Und wem das nicht peinlich genug ist, der erklärt auf seinem Blog anderen Leuten was Kunst ist und was nicht, oder er schreibt über sich im Impressum, dass er Kunst lebt und atmet.

Vielleicht bin ich einfach nur zu altmodisch, aber ich war immer sehr vorsichtig und zurückhaltend mit der masturbatorischen Anwendung des Kunstbegriffs, sowohl bei der Fotografie als auch bei der Musik. Ob ich ein Künstler bin, das sollen andere entscheiden; ich mache einfach was ich mache.

Dummerweise belohnt das Internet vorzugsweise diejenigen, die am lautesten schreien und sich am grellsten präsentieren… dazu braucht es keine Kunst. Und deshalb ist es auch oft so, dass wahre Kunst gnadenlos untergeht.

Ich möchte mich an dieser Stelle wirklich nicht zum Sachverständigen darüber aufspielen, was wahre Kunst ist. Aber wenn es irgendeinen meiner Kontakte gibt den ich in Bezug auf Fotografie als Künstler bezeichnen würde, dann ist es Klaus Baum.

Was er an Ausdruck, Tiefe und Emotion in seine Portraits packt, das ist schlicht und ergreifend einzigartig. Es ist mitnichten die millionenfach gesehene Art von Ausdruck und vermeintlicher Tiefe, die nur effekthaschend an der Oberfläche vorhanden ist und bei näherer Prüfung ganz schnell verpufft… sondern es ist die Art von Ausdruck und echter Tiefe, die erst wirkt, wenn man das Bild mal eine zeitlang betrachtet hat. Dann aber mal so richtig.

Klaus’ Bilder berühren einen, lassen einen nicht mehr los… und verführen dazu, in ihnen zu suchen… nach einem Echo, nach einer Geschichte, nach einer Konsonanz.

Im Vergleich zu Klaus bin ich ein elender Stümper und unwürdig, überhaupt nur diesen Artikel hier zu schreiben.

Trotzdem ist es so, dass er kaum mal Kommentare auf seinem Blog bekommt. Und drüben bei Facebook war es genau so… er konnte noch so geniale Dinge posten, mit ein paar traurigen ‘Likes’ und null Shares war immer ganz schnell das Ende der Fahnenstange erreicht (ich weiss nicht, ob es irgendwann besser wurde… ich bin ja nicht mehr auf Facebook).

Sein Fotoblog hat Klaus seit 2013 nicht mehr weitergeführt… ich weiss nichts über die Gründe, aber ich weiss dass es kriminell wenige Leute interessiert hat.

Ein Grund, dort jetzt sofort vorbei zu schauen.

P.S.: Ich bin Klaus Baum bisher nur einmal begegnet, das war vor Jahren in Kassel auf einer Wohnzimmer-Vernissage eines Künstlerpaares. Ich habe keine Ahnung ob er das gut findet was ich hier schreibe, und ob es ihn überhaupt stört, nicht das Publikum zu haben, was er haben sollte, oder ob er das überhaupt so sieht. Egal. Ich musste das jetzt einfach mal loswerden.

P.P.S.: OCOLOY geht wie geplant am 1. Februar los.

White Wedding

White Wedding

Die Erwähnung von Hochzeiten in einem Kommentar auf mein letztes Posting hat tatsächlich dazu geführt, dass ich noch ein paar bisher unveröffentlichte Bilder auf meiner Festplatte ausgegraben habe (daher: Danke, Bettina ;-)).

Es ist nämlich so, dass wir 2015 auf einer Hochzeit waren, und da haben wir auch Bilder gemacht. Allerdings weniger von der Hochzeit selbst, als vom Drumherum.

Ich bin wirklich nicht der Mensch für Hochzeiten, und die Hochzeit an sich war für mich und meine Begleiter aus diversen Gründen zeitweise eine eher unangenehme Angelegenheit (ich habe schon hier mehr darüber geschrieben, deshalb möchte ich meine Ausführungen über sich-schick-machen und jemand-darstellen-müssen-der-man-nicht-ist hier nicht nochmal zum Besten geben…)

Aber das Drumherum, die Fotos, die ich davor bei einer Exkursion um unsere Unterkunft herum gemacht habe, die erzählen für mich irgendwie eine eigene, durchaus interessante Geschichte… die ich jetzt auch gar nicht mit mehr Worten kommentieren möchte.

Hier sind die Bilder:

Guten Morgen…

Guten Morgen...

…frohes neues Jahr, und:

Massenbelichtungswaffen wird heute 6 Jahre alt.

Yayyy :-)

(wie’s mit meinem OCOLOY-Projekt weiter geht, bzw. wann ich hier loslege und mit welcher Kamera und mit welcher Linse… das erfährt der geneigte Leser demnächst ;-))

OCOLOY: Warum?

OCOLOY: Warum?

Sony ILCE-7 + FE 55mm f1.8 ZA

Die letzten drei Jahre waren alles andere als leicht für mich.

Ich habe Vater und Mutter verloren (letzteres ist gerade mal einen Monat her, und es lässt sich noch immer nicht in Worte fassen, wie sich das anfühlt, weswegen ich es hier auch gar nicht versuchen werde), ich habe durch eine Firmenpleite meinen absoluten Traumjob verloren, ich habe eine Band verloren die mir unendlich viel wert war, und ich habe einen kleinen schwarzen Hund verloren den ich über alles liebte…

Wenn mir das Leben so einen enormen Haufen Scheißdreck hinwirft, dann reagiere ich – unter anderem – leider oft damit, dass ich mich zum Trost wildem und ungehemmtem Konsum hingebe. Und so wuchs in den letzten drei Jahren meine Photographica-Ausstattung auf bis dahin ungeahnte Ausmasse an. Continue reading

Machen!

Machen!

Sony Alpha 850 + Minolta AF 28mm/2.8

Drei Rückmeldungen hier im Blog und ganze zwei auf Twitter (yayy, mein persönlicher Twitter-Rekord, wenn es um Kunst™ geht)… ok, das reicht mir schon.

Ihr habt es geschafft.

Ihr werdet dieses Fotoblog nicht los.

Aus organisatorischen Gründen wird das neue Projekt (von dem ich schon sehr bald mehr erzählen werde) hier auf dem Blog erst im Februar 2016 starten.

Aber bis dahin gibt’s jetzt schon mal ein neues, einfacheres Design… und neue Bilder.

Viel Spaß damit.

Ein Projekt, ein Projekt?

Ein Projekt, ein Projekt?

 

Tja, jetzt ist mein letzter Eintrag schon wieder ein halbes Jahr her. Und in diesem halben Jahr ist mehr passiert, als man in einem Blogeintrag zu berichten nachholen könnte.

Tatsächlich ist dieses Fotoblog ziemlich im Dornröschenschlaf. Was auch nicht wirklich wundert… menschliche Modelle fotografiere ich (aus Gründen) kaum noch, und für meine anderen fotografischen Aktivitäten habe ich mit meinem flickr-Account und dem 7gebirge-Blog (das ich zusammen mit Frau K. betreibe) genügend andere Outlets.

Jetzt spiele ich allerdings mit dem Gedanken an ein neues fotografisches Projekt, das ich 2016 gerne machen würde. Das heisst, ich spiele nicht wirklich mit dem Gedanken, ich werde es definitiv machen.

Die Frage ist nur, ob ich das Projekt auch hier im Fotoblog stattfinden lassen werde. Von der Struktur her würde es passen, und es hätte auch das Zeug dazu, im neuen Jahr hier wieder Leben in die Bude zu bringen!

Das würde sich für mich aber nur lohnen, wenn hier noch ein paar Leute mitlesen. Daher bitte ich jetzt mal kurz diejenigen, die noch dabei sind, um ein kurzes Handzeichen. Je nachdem was da kommt werde ich mich dann für die eine Richtung entscheiden, oder für die andere. ;-)

Vielen Dank.

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Mehr Hunde

Mehr Hunde

Nachdem ich mich nun nach über einem Jahr Pause wieder etwas häufiger hier im Photoblog betätige, wird sicher dem einen oder anderen Leser schon bald auffallen, dass sich der Fokus in meiner Fotografie etwas verändert hat. Diejenigen, die mir drüben auf flickr folgen, haben es schon lange gemerkt: Ich fotografiere jetzt wesentlich mehr Hunde als Menschen. Tatsächlich ist es sogar so, dass ich kaum noch Menschen fotografiere.

Bevor sich also jemand wundert, möchte ich hier nur kurz feststellen, dass das keine bewusste Entscheidung war, sondern dass es gewissermassen einfach so geworden ist. Oder, präziser ausgedrückt: Mehrere voneinander unabhängige Vorkommnisse haben dazu geführt, dass die Bereiche Landschaft und Hunde jetzt einen größeren Stellenwert bei mir einnehmen. Continue reading

Fortschritte und Rückschläge

Fortschritte und Rückschläge

Also um das mal gleich vorweg zu nehmen:

Der Samstag war ein Tag für die Götter. So ein richtig schöner, genialer Frühlingstag, an dem einfach alles stimmte. Obwohl wir einiges auf dem Plan hatten (morgens: Hundeschule, abends: Fototour in der Bonner Altstadt und die ersten Kirschblüten einsammeln), verlief alles prima, unkompliziert, friedvoll und ohne Probleme.

Buba gewöhnt sich allmählich ein bisschen mehr an das Auto… sie hat immer noch Stress darin, aber mittlerweile sind wir gottseidank so weit, dass sie nicht bei jeder Fahrt reinkotzt. Und in der Schule machen wir und sie große Fortschritte. Ja, es ist noch ein langer Weg, aber wir gehen ihn gerne, und wir lernen gerne immer wieder etwas dazu.

So große Fortschritte, dass wir es Buba am Nachmittag gar zum ersten Mal erlaubten, unsere Terrasse (und den Garten) ohne Schleppleine zu betreten. Es lief erstklassig, sie war die aufmerksamste Hündin der Welt, wich kaum mal von unserer Seite, und lernte die Terrasse als neues Lieblingsplätzchen kennen.

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Wie gesagt – es war ein Tag für die Götter.

Frau K. und ich konnten uns richtig toll entspannen, und ich denke tatsächlich, wenn wir jetzt noch 3472 solche Tage direkt hintereinander hätten, dann würde das all den Scheiß der letzten zweieinhalb Jahre allmählich wieder gutmachen.

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Abends ging es dann in die Altstadt. Ein Kollege hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Kirschblüte schon in vollem Gange ist, und dass man da unbedingt hinmüsste um das fotografisch festzuhalten.

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Nun ja, in vollem Gange ist sie nicht. Es blühen vielleicht 20 von 200 Kirschbäumen in der Bonner Altstadt. Trotzdem war es sehr nett, mal wieder raus zu kommen und ein bisschen Stadtluft zu schnuppern. Und bei der Gelegenheit gelangen uns sogar ein paar sehr nette Streets, von denen ich zu gegebener Zeit hier ein paar ausstellen werde.

Tja, wenn der Samstag schon so toll ist, was soll am Sonntag dann groß schiefgehen? Nee, weit gefehlt, leider. Denn schon früh morgens ging es damit los, dass wir mit Buba wieder in den Garten rausgingen… nur war sie dieses Mal nicht so sehr interessiert an uns, sondern viel mehr an einem kleinen Trampelpfad im Gebüsch, das offensichtlich von allen möglichen Mäusen, Katzen, Mardern, Igeln, Füchsen, Wildschweinen und sonstigem Getier (nicht lachen, all die gibt’s tatsächlich bei uns) als Schnellstraße in Nachbars Garten benutzt wird, inklusive dem riesigen Loch im Zaun, das sich für uns bisher unbemerkt dahinter befand.

Lange Rede, kurzer Sinn, Bubas Jagdtrieb war geweckt, und dieser ist mit der Hauptgrund warum wir die Hundeschule machen – denn ist es erst mal so weit, so existieren wir für sie nicht mehr. Es existiert nur noch das Loch im Zaun und die andere Seite und all die begehrenswerten Gerüche, und schwupps war also Buba bei den Nachbarn und wir glotzten blöd aus der Wäsche.

Wehe, wenn sie losgelassen :-)

Wehe, wenn sie losgelassen :-)

Was dann also passierte: Herr K. lernte flugs mal alle Nachbarn kennen, die er bislang nicht kennengelernt hatte (es sind große Häuser mit großem Garten hier, und alle liegen sie am Berg bzw. Waldrand… teilweise ist gar nicht so einfach, rauszukriegen, wem welches Grundstück gehört), während Frau K. die unangenehme Erfahrung machen musste, dass ihr Hund auf nichts mehr reagierte, was man ihm vorher in mühsamer Kleinarbeit beigebracht hatte… und schließlich selbst über den Zaun kletterte, um Buba wieder zu bekommen.

Mit gemeinsamen Kräften und netter Hilfe der Nachbarn fingen wir also unseren Hund wieder ein, und ich trug ihn den Berg zum Haus hoch. Hatte ich schon erwähnt dass ich in letzter Zeit Rückenprobleme habe? Hatte ich schon erwähnt, dass es 300m tüchtige Steigung bis zu unserem Haus sind? Hatte ich schon erwähnt, dass Buba 18kg wiegt und sich beim Tragen doppelt so schwer macht?

Oben angekommen hatte ich also keinen Rücken mehr, prima Sache. Tja, und Buba wurde wohl oder übel wieder zur Schleppleine verdonnert, bis sie besser und zuverlässiger hört. Was ihr allerdings glücklicherweise nicht viel ausmacht.

Dann eben doch wieder so.

Dann eben doch wieder so.

Noch ein Foto von dieser Konstellation möchte ich gerne teilen, weil es damit etwas sehr Besonderes auf sich hat:

Gleich passiert es...

Gleich passiert es…

Was das Besondere sei, wird sich der geneigte Leser an dieser Stelle vielleicht fragen. Nun ja, ganz einfach. Just nachdem ich, vor Buba auf der Terrasse liegend, dieses Foto machte, löste sich der Sonnenschirm aus seiner Verankerung (zu sehen im Foto oben drüber) und bohrte sich 3cm neben meinem rechten Auge in den Terrassenboden. Ähem. Buba war ein wenig erschrocken, ich tatsächlich noch mehr.

Es war an dieser Stelle (bzw. ein wenig später, als auch noch einer meiner geliebten antiken Computer in meiner antike-Computer-Sammlung den Geist aufgab), dass ich vom Tag durchaus genug Warnschüsse abbekommen hatte, um mich vorsichtig zu stimmen und meine Bereitschaft für Unternehmungen deutlich zu dämpfen.

Trotzdem folgten wir später am Abend der Einladung einer Bekannten, doch mal wieder vorbeizuschauen (wir hatten uns lange nicht gesehen).

Und so nahm das Unglück zum vierten Mal seinen Lauf…

Die Ruhe vor dem Sturm...

Die Ruhe vor dem Sturm…

Denn dort befand sich zu Besuch ebenfalls ein Pärchen mit einem kleinen Hund. Ich will jetzt nicht weiter in die Tiefe gehen was da passierte und wer “schuld” war (es waren beide) – auf jeden Fall gab es eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Hunden, und das wäre eigentlich der Punkt gewesen, an dem ich normalerweise dazwischen gehe und Buba sehr bestimmt in eine andere Richtung bewege.

Nur dass ich in diesem Fall nicht die Chance dazu hatte, denn der Besitzer des anderen Hundes tat etwas, womit ich nicht gerechnet hatte, und was mich eine zeitlang ziemlich perplex zurück ließ (in der Tat brauchte ich bis heute morgen, um mir darüber klar zu werden, dass es vollkommen daneben war).

Nämlich dieses: Er brüllte wie am Spieß, drosch mit dem Karabinerhaken seiner Hundeleine wie ein Besessener auf den Boden, verjagte somit Buba ins andere Zimmer, und, damit nicht genug, rannte ihr auch noch hinterher und brüllte und schrie und zeterte weiter, während seine Frau die ganze Zeit beschwörend auf ihn einredete (was mich vermuten lässt, dass so was öfter vorkommt und nicht auf Hunde beschränkt ist).

Hm ja.

Auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, dass man seinen Hund liebt und irgendwie gerne beschützen möchte, so ist mir nicht im geringsten klar, wozu so ein Verhalten gut sein soll, wie man überhaupt nur auf die Idee kommen kann so was sei in irgend einer Weise zielführend, und wo man so einen Mist im 21. Jahrhundert noch lernt. Vielleicht in “St. Brutus Extra-Aggro-Schule für unnötige Gewalt und Vollpfosten-Erziehungsmethoden, jetzt mit instant Hundetraumatisierungs-Garantie!”

Und ja, ich nehme alles zurück: Das mit dem Sachkundetest für die Hundehaltung (den ich machen musste um Buba halten zu dürfen) ist vielleicht doch keine so bescheuerte Idee. Vielleicht sollte man den sogar verpflichtend machen, für alle Hundehalter, und zwar EU-weit. So schnell kann man seine Meinung ändern. Und wäre meine Stimmung nicht eh schon im Eimer gewesen, spätestens jetzt hätte sie den absoluten Nullpunkt erreicht.

Naja, wir lernen daraus, dass Buba und wir noch viel zu lernen haben. Und dass man nicht übermütig werden sollte, nur weil das Leben mal einen Tag lang alles wie am Schnürchen laufen lässt.

A Day In The Life

A Day In The Life


tl;dr: Wir haben es gut zu dritt hier oben, Herrn K.’s erwähnenswerte MK-Bekanntschaften lassen sich nunmehr nur noch an einer einzigen Hand abzählen, und wir brauchen keine Shootings um glücklich zu sein.

Am Samstag wurde ich so gegen 8.00h wach.

Was daran liegt, dass das die Zeit ist, zu der ich inzwischen eh wach werde, wenn man mich ausschlafen lässt.

Dass ich dann tatsächlich aufstand und mal nach dem rechten schaute liegt daran, Continue reading

Lieber Papa,

Lieber Papa,

jetzt bist Du schon seit über einem Jahr nicht mehr da.

Am 2.12 wäre es ein Jahr gewesen, aber Du warst nie einer für das Feiern von Jubiläen, und genau so wenig bin ich es. Vor allem nicht dieses Jubiläum.

Überhaupt bin ich Dir ziemlich ähnlich, ähnlicher als ich es lange Zeit zugeben wollte.

Gerade passiert in meinem Leben wieder Einiges, was mir das ganz deutlich zeigt. Ehemalige Mitstreiter wenden sich ab und gehen neue, eigene Wege… und ich kann mich nur allzu deutlich erinnern, wie das bei Dir immer war, wenn so etwas passierte. Wie fürchterlich enttäuscht Du warst, wie bitter, und wie Du tage-, monate- und jahrelang vor Dich hingrummeln konntest, dass ihnen das irgendwann schon noch leid tun wird und dass sie irgendwann schon kapieren werden dass mit Dir zusammen zu arbeiten das Allergrößte war, und dass sie schon merken würden, dass einem so etwas vom Leben nicht zweimal geschenkt wird…

Sie haben es nie gemerkt.

Und Du wurdest unglücklicher und unglücklicher.

Ich merke deutlich, ganz entfernt und im Ansatz habe ich Tendenzen dazu, so ähnlich zu reagieren. Und dann denke ich an Dich, denke traurig daran, was es aus Dir gemacht hat, und wie es alles endete. Wie Dich Idealismus und Kompromisslosigkeit einsam machten… so einsam, wie ich es nie, nie, nie werden möchte.

Und deshalb werde ich die Freude am eigenen Leben und Wirken und Tun ganz weit über die schmerzhafte Einsicht stellen müssen, dass andere Menschen von mir überhaupt nicht geteilte Vorstellungen von der Welt haben oder eben selbst die heiße Herdplatte anfassen werden, ohne sich jemals dafür zu bedanken dass ich jahrelang vor heißen Herdplatten gewarnt habe. Das ist ganz natürlich, ja, aber für einen Kleinert hin und wieder echt schwer zu packen.

Du weisst es, Du konntest es bis zum Schluss nicht packen.

Doch war alles nur schlecht? Natürlich nicht. Und, kann ich darüber überhaupt urteilen? Nö, kann ich nicht. Ich lebe ein ganz anderes Leben als Du es gelebt hast; Deine Schuhe hätte ich mir niemals anziehen können, und auch wenn ich mir sehr viele Scheiben von Dir abgeschnitten habe, ab und zu hätten es gerne noch ein paar mehr sein können.

Weisst Du noch, wie mein Ex-Vermieter mich hat ausbluten lassen mit der alten Wohnung? Wie er drei Monatsgehälter von mir wollte, nur weil die Wohnung nach vier Jahren in exakt dem gleichen Zustand war, wie ich sie übernommen hatte? Du hättest das alles ganz anders gelöst. Du hättest gleich am Anfang Fotos von der Wohnung gemacht, hättest ihn mit deutlichen Worten damit konfrontiert und wenn er sich nicht benommen hätte, dann hättest Du ihm, wenn’s sein muss über Jahre hinweg, die Beine unter dem Arsch weggeklagt. Ich wurde erst stinksauer und drohte mit dem Anwalt, als er auch noch seine (selbstverständlich ebenfalls schon immer kaputte) Fensterbank von mir erneuert haben wollte. Da war es aber zu spät, und die andere Kohle war schon weg. Ich hätte mir gewünscht, da ein bisschen mehr von Dir gehabt zu haben.

Oder weisst Du noch, dieser Job, den ich mal hatte? Wo ich mir Tag für Tag den Arsch bis zum Anschlag aufgerissen habe ohne jemals ein Wort des Dankes oder der Anerkennung zu bekommen, nein, im Gegenteil? Wo ich zum Schluss nur noch krank und kaputt war? Du hättest das nicht mit Dir machen lassen, Du hättest schon bei den ersten Anzeichen von ungerechter Behandlung getobt und gezetert und infolgedessen wohl auch schon nach spätestens zwei Jahren gekündigt… aber nicht ich. Ich klemmte den Arsch zusammen und hielt weitere drei Jahre aus, bis ich mir selbst nicht mehr sicher war, ob ich überhaupt noch zu irgendwas gut war.

Du siehst, es ist nicht nur so dass Du mir jetzt fehlst. Du hast mir schon gefehlt, als Du noch gelebt hast.

Schade, dass ich das damals nicht gemerkt habe

Das Problem hätte man verdammt leicht und verdammt viel, viel öfter lösen können.