Ich bin stinksauer

Ich bin stinksauer

In den letzten Monaten vor seiner schweren Krankheit und seinem darauf folgenden Tod arbeitete mein Vater wie ein Besessener an einem letzten, ehrgeizigen Projekt – ein Bildband über Karlsruhe, früher und heute.

Aber nicht so kitschpostkartenhaft wie man jetzt vielleicht denken möchte, sondern, in seinen eigenen Worten:

Als Kind hatte ich den Wiederaufbau erlebt. In den 70er Jahren dann mußte ich zusehen, wie markante Gebäude abgerissen wurden, die den Krieg glücklich überstanden hatten, eins nach dem andern. Nicht genug: Man vernichtete uralte gewachsene Strukturen, verlegte Flußläufe, bastelte künstliche Landschaften zusammen. Was ich als meine Heimat angesehen hatte, wurde unwiederbringlich zerstört und ich konnte nichts dagegen tun! Wenigstens mit Bildern wollte ich mir eine Erinnerung erhalten. Und so zog ich los und fotografierte alles, was mir wichtig erschien. Manchmal kam ich zu spät.
40 Jahre danach habe ich die damals fotografierten Örtlichkeiten noch einmal aufgesucht und den heutigen Zustand aus möglichst gleicher Perspektive aufgenommen. Manchmal hatte ich Tränen in den Augen.

Er arbeitete Tag und Nacht daran, mit einer unglaublichen Energie… obwohl er schon deutlich spürte, wie seine Kräfte schwanden.

Alle möglichen Verzögerungen und Komplikationen sorgten dafür, dass er die Veröffentlichung seines Werkes nicht mehr miterleben würde. Aber wir Angehörigen hatten zumindest den Trost, dass das Buch, das ihm so viel bedeutete und für das er seine letzte Kraft gab, posthum erscheinen würde. Man konnte es sogar noch zu seinen Lebzeiten vorbestellen (auch wenn er davon nichts mehr mitbekam).

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir gibt. Tausend Dank an Katja dafür.

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir gibt. Tausend Dank an Katja dafür.

Heute nun erreicht mich die Nachricht vom zuständigen Verlag, dass man sich dazu entschlossen habe, das Buch nicht zu veröffentlichen.

Aber gütigerweise bietet man meiner Mutter 500 (in Worten: fünfhundert) Euro als Quasi-Schmerzensgeld.

Ich kann gerade gar nicht in Worte fassen, wie wahnsinnig sauer ich bin… was für ein unglaublicher, erbarmungsloser Schlag ins Gesicht das ist… sowohl für das Andenken an meinen Vater (der sein Leben lang um Anerkennung kämpfen und immer wieder Enttäuschungen dieser Art verkraften musste, während andere, die sich besser verkaufen konnten, ganz groß rauskamen… vor ein paar Monaten schrieb ich mehr darüber drüben auf dem Botany Bay Blog) als auch für seine Angehörigen, die dieses letzte Aufraffen, seine Besessenheit und seine Hoffnung hautnah miterlebt haben.

Ich bin viel zu sauer als dass ich gerade wüsste, was ich jetzt machen soll. In meinem momentanen Zustand bei den verantwortlichen Menschen vorzusprechen und ihnen zu sagen, in welcher Geschwindigkeit sie sich ihre beschissenen 500 Euro bitteschön Cent für Cent anal einführen dürfen, das empfiehlt sich wohl nicht… zumindest so schlau bin ich.

Aber eins ist sicher: So geht es nicht. Überhaupt nicht.

Liebe NSA,

Liebe NSA,

(und natürlich liebe Briten, Franzosen, und wer uns noch so alles abschnorchelt)

Es war irgendwann im Jahre 2006. Wie Du weisst (ich hoffe, ‘Du’ ist ok – Du weisst so viel von mir, da erscheint mir das richtig) lebte und arbeitete ich damals noch im schönen Heidelberg am Neckar. Und wie Du sicherlich auch weisst, war ich zu jener Zeit oft und gerne mit der wunderbaren Freckle unterwegs, die damals zu so etwas wie meinem Lieblingsmodell geworden war.

Eines Tages beschlossen wir, mal wieder schöne Fotos zu machen und zu diesem Zweck meine “alten Jagdgründe” in Karlsruhe zu besuchen, in diesem speziellen Fall: Der Epple-See und die darum gelegene wildromantische Steppe und Einöde.

Wir kamen also gegen Nachmittag dort an, hatten uns ein paar Brote gestrichen und vertilgten die erst mal, während wir am Himmel beobachten konnten, wie ganz allmählich ein Gewitter aufzog. Als wir uns schließlich vom Parkplatz aus auf den Weg machten, hatten die Wolken die gesamte Szenerie bereits in ein vollkommen unwirkliches grau/grün/blau getaucht. Netterweise bekamen wir aber nur die Ausläufer des Gewitters mit, die Hauptvorstellung fand wohl ein paar Kilometer entfernt in Neuburgweier statt.

Auf halbem Weg zum See erwischte uns dann ein leichter Regenschauer, der genau so schnell wieder vorbei war wie er gekommen war, während uns der warme Sommerwind fortwährend um die Ohren pustete. Schließlich ließ Freckle ihre Hüllen fallen, weil a) wir schließlich Outdoor-Akt machen wollten, und b) zu dem Zeitpunkt eh schon alles nass war.

Ausgerüstet mit meiner guten alten Dynax 5D begann ich also, wild draufloszuknipsen, und ein Bild ums andere wurde der totale Oberhammer, ohne dass wir dazu viel tun mussten. Ein Bild, das Titelbild dieses Beitrags, war besonders denkwürdig: Freckle hatte sich zum Trocknen auf einer Anhöhe in den Wind gestellt, und während über Neuburgweier am Rhein die Apokalypse tobte, posierte Freckle auf der Anhöhe, ihre dunkle Silhouette gegenüber den Wolken von der Rest-Feuchtigkeit des Sommerschauers perfekt in Szene gesetzt.

Nun ja, wir machten zig Bilder, und jedes einzelne davon war etwas Besonderes. Dann fuhren wir wieder zurück nach Heidelberg, unter anderem, weil ich dort noch ein bisschen zu arbeiten hatte.

Freckle nach dem Regen

Freckle nach dem Regen

Wie Du ja weisst, liebe NSA, arbeitete ich damals als wissenschaftliche Hilfskraft und Dozent am Lehrstuhl für Computerlinguistik. Freckle war so nett, mich direkt dort abzusetzen, und bevor ich mit der Arbeit loslegte, lud ich an diesem Tag die RAW-Bilder, um die 150 Stück, runter auf meinen Mitarbeiter-Account, schaute kurz darüber und widmete mich dann der Korrektur von 60 “Einführung in die Programmierung in C”-Klausuren, die ich auf meinem Schreibtisch liegen hatte.

Am Abend ging ich dann heim, übertrug die Bilder auf meine Festplatte zuhause, und löschte irgendwann bald darauf die Dateien auf meinem Uni-Account.

Schwerer Fehler.

Denn nur ein paar Wochen danach erlitt eben diese Festplatte zuhause einen Headcrash, und alles war flöten. Natürlich hatte ich viele Backups von vorher, aber keines von diesem Shooting. Alles was mir blieb waren die bereits bearbeiteten und auf 800×600 Punkte runtergerechneten Versionen von zwei Bildern, die ich in der Woche auf flickr veröffentlicht hatte.

Du ahnst schon, liebe NSA, worauf ich hinaus will: Ich war damals (und bin es immer noch, nur hab ich ein neues Auto) eine langhaarige, linke Bazille, die alle vier Tage von der Polizei angehalten wurde, nur weil auf der Heckscheibe meines Wagens ein “NO WAR FOR OIL”-Aufkleber angebracht war und ich einen Pferdeschwanz trug. Ferner war ich auf mehreren Demonstrationen gegen Faschismus, gegen Atomenergie und nicht zuletzt gegen euren tollen Krieg, den ihr unter dem erstunkenen und erlogenen Vorwand von “Massenvernichtungswaffen” im Irak angezettelt hattet. Ich bin also ziemlich sicher, ich war in Deinem Visir, und auch in dem von den deutschen Kollegen.

Deshalb jetzt meine Frage: Hast Du meine Bilder vielleicht noch irgendwo? Ich weiss, es klingt doof, aber wenn ich jetzt daran zurückdenke, dann muss ich feststellen, dass dieses Shooting am Epple-See eines der genialsten Shootings war, die ich jemals machen durfte. Ich weiß nicht ob es an der großartigen Freundschaft liegt, die Freckle und mich damals verband… oder an dem surrealen Wetter, oder an der Landschaft… vermutlich lag es an allem gleichzeitig, und diese Bilder zu verlieren ist ein ganz enormer Verlust für mich.

Daher… wenn Du die Dinger noch irgendwo hast, liebe NSA, bitte zögere nicht und schick sie rüber. Auf Anfrage per eMail geb ich Dir gerne den Zugang zu meinem Dropbox-Folder… ach, was rede ich, den hast Du ja eh schon! Also leg sie bitte einfach rein wenn Du was findest, das wäre echt total schnafte von Dir!

Liebe Grüße
Dein Stephan

P.S.: Liebe Angela, lieber Hans-Peter und liebe deutsche Kollegen vom BND…: Ich weiß, ihr leugnet, damit irgendwas zu tun zu haben oder irgendwas davon zu wissen. Aber seien wir mal ehrlich, wen wollt ihr damit verarschen? Mich auf jeden Fall nicht, es ist sonnenklar dass ihr wisst was Sache ist. Deshalb gilt diese freundliche Frage selbstverständlich auch für euch: Solltet ihr noch etwas von den Daten haben wäre es echt freundlich, wenn ihr euch meine Dropbox oder meinen iCloud-Account nochmal genauer anschauen und mir dort was hinterlassen könntet. Vielen tausend Dank!
S.

P.P.S.: Ich hab auch ein paar keywords für euch in den Artikel getan, damit ihr ihn auch sicher findet. Küsschen :-*

Es gibt Hoffnung

Es gibt Hoffnung

Vor ein knapp einem Monat berichtete ich unter dem Titel “Ich bin stinksauer” über das Buchprojekt, an dem mein Vater bis zum Schluss gearbeitet hatte, und von dem der Verlag beschlossen hatte, es nicht zu veröffentlichen.

Was danach passierte war, dass ich mir erst mal den ganzen Schriftverkehr und den Vertrag anschaute und dann, nachdem ich mich wieder einigermaßen abgeregt hatte (was dieses Mal ziemlich lang ging), dem Verlag einen ausführlichen Brief zukommen ließ, in dem ich lange und in die Tiefe gehend über das Leben meines Vaters und seinen verzweifelten Kampf um Anerkennung und Unterstützung berichtete, und darüber, wie erbarmungslos das Leben ihm mitgespielt hatte.

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Ich schloss mit der Feststellung, dass ich der Verlagsleitung zugute halten muss, dass sie weder die Situation noch meinen Vater persönlich kannte, und dass ich vor dem dargestellten Hintergrund darum bitte, die Entscheidung noch mal zu überdenken und das Projekt wieder zu starten; ansonsten würde ich halt dafür sorgen, dass es woanders veröffentlicht wird.

Am Samstag erreichte mich Post vom G. Braun Verlag, mit u.a. folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr Kleinert,

Ihr Brief vom 4.7.2013 hat uns sehr bewegt. Wir möchten unsere Entscheidung, den Verlagsvertrag für das Werk Ihres Vaters aufzulösen, rückgängig machen. Bitte betrachten Sie unseren Brief [...] als hinfällig und lassen Sie uns im Sinne des Vertrages [...] das Werk fertigstellen und publizieren.

[...]

Ich muss sagen, Hut ab. Auf eine solche Antwort hatte ich nicht zu hoffen gewagt.

Es ist jetzt noch Einiges zu tun und zu klären, und ich werde jetzt eine aktivere Rolle in der Veröffentlichung des Buches übernehmen; so werde ich beispielsweise einige Bilder nachliefern, die mein Vater zu photographieren nicht mehr in der Lage war. Selbstverständlich werde ich hier im Blog über die Fortschritte berichten.

An dieser Stelle möchte ich mich von ganzem Herzen bei allen bedanken, die mir nach meinem Original-Posting auf vielfältige Weise ihre Unterstützung zugesagt und gezeigt hatten. Das hat mir wirklich enorm viel gebracht und gut getan, und ich werde es nicht vergessen! Und natürlich bedanke ich mich auch beim G. Braun Verlag, der den Mut hatte, eine Entscheidung noch mal zu überdenken.

Näheres demnächst hier.

Liebe Model-Kartei…

Liebe Model-Kartei...

Liebe Model-Kartei,

wir wissen es beide… es war nie einfach zwischen uns. Und inzwischen finde ich, es trennen uns einfach zu viele fundamentale Unterschiede, als dass es noch länger Sinn hätte, unsere Beziehung weiterhin aufrecht zu erhalten. Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, nach Absetzen dieses Postings mein Profil bei Dir endgültig zu löschen.

Schluss machen ist meistens für den einen der beiden Beteiligten schwieriger als für den anderen. Und da es für mich gerade sehr leicht, schön und befreiend ist, nehme ich an, dass es für Dich schwieriger sein muss und ich Dir ein paar Erklärungen schuldig bin.

(Natürlich ist es für Dich nicht schwieriger, denn Du bist nur ein gesichtsloses und in der neuen Version an jeglichen Usability-Erwägungen konsequent vorbei programmiertes Computerprogramm, das eine Plattform für eine Gemeinschaft bietet, deren überwiegender Mehrheit meine Abmeldung noch mehr vollkommen scheißegal nur schwerlich sein könnte. Aber tun wir für dieses Posting trotzdem mal, als seist Du mehr als das…)

Du wirst Dich vielleicht fragen, was den endgültigen Ausschlag für meine Entscheidung gab. Das ist leicht zu beantworten, es handelt sich um eine junge Frau mit dem Alias “Dove*” (Name ein bisschen geändert, aber nicht wirklich viel), die bei Dir “VIP-Status” hat und die sich, soweit ich das ihrer Sedcard entnehmen kann, unter den “TOP 300 MK MODELS” befindet, oder zumindest in der zugehörigen Gruppe ist.

Trotz dieser Top-300-Geschichte, was auch immer das bedeuten mag, ist diese Frau ein Model wie viele andere auch auf der MK: Sie lässt Männer mit sündhaft teurem fotografischem Equipment viel zu viel Geld dafür bezahlen, damit diese ebenso technisch perfekte wie einfallslose Bilder von ihr machen, von denen sich die meisten in einem eng abgegrenzten Bereich zwischen den Sujets Softporno-Vorspielbildchen, Bildzeitungs-Erotik und dem, was Otto Normalverbraucher unter S/M versteht, bewegen.

Die durchschnittlichsten dieser Bilder werden dann genommen und auf der “Sedcard” des Models ausgstellt, woraufhin sich darunter hunderte von Kommentare wie “…..schöner bildschnitt,passender schärfenverlauf und echt voll cool die idee”, “Gefällt mir sehr gut :) HEISS!” oder auch “Oh ja das ist einfach Großes Kino Wow” einfinden (alles Orginalzitate).

An der Art wie ich das beschreibe, liebe MK, kannst Du natürlich schon ablesen, dass ich von derartigen Bildern nicht so wahnsinnig viel halte. Manche davon widern mich sogar richtiggehend an.

Jetzt kannst Du natürlich vollkommen zurecht einwerfen, dass die Geschmäcker halt verschieden sind, und dass ich auch künstlerisch wertvolle Bilder auf Dir finde, wenn ich nur lange genug suche. Das Problem ist nur: Erstens muss man diese mit der Lupe oder besser dem Mikroskop suchen, und dazu ist mir meine Zeit einfach zu schade.

MK live

MK as MK can…

Und zweitens, und das ist das wirklich Schlimme, bist Du, liebe MK, als Multiplikator für den oben beschriebenen Photographie-”Stil” und der Leute die sich daran erfreuen, richtig gehend gefährlich: Du verdummst die Leute.

Vor ein paar Jahren lernte ich über die MK eine Frau kennen, die sich gerade erst angemeldet hatte und die ihre ersten Shooting-Erfahrungen sammelte. Ich war einer der ersten Fotografen, die sie auserkoren hatte, und so veranstalteten wir an einem schönen Sommertag unser erstes und einziges Shooting. Sie war sehr schön, hatte eine ganz eigene, natürliche und besondere Ausstrahlung, und wir machten an diesem Tag ebenso eigene, natürliche, besondere und außergewöhnliche Aufnahmen.

Natürlich bekam ich mehrfach das übliche “aber ich zieh mich auf keinen Fall aus!!!” zu hören, obwohl ich weder danach gefragt hatte noch danach fragen wollte. Und natürlich war sie teilweise noch sehr unsicher und aufgeregt, aber trotzdem gelangen uns mit der Zeit Aufnahmen von einer ganz eigenen Emotionalität.

Das traurige Ende der Geschichte ist, dass sie so richtig Lust aufs Modeln bekommen hatte, und bald schon Shootings mit allen möglichen MK-Alumni machte. Und mit der Zeit nahm sie die gruselige Vorstellung von Ästhetik und Schönheit, die Du, liebe Model-Kartei, in ganz großem Stil propagierst, vollständig in sich auf.

Inzwischen arbeitet sie nur noch gegen Bezahlung, kommuniziert nicht mehr mit Fotografen wie mir, hat sich eine Brustvergrößerung machen lassen (Original-MK-Kommentare: “Wow, kommt voll gut, Gratulation“, “wirklich toll und gute größe kannst mir ja mal per pn den macher schicken ganz toll“, etc. pp.) und hat mich aus ihrer MK-Freundesliste gekickt, damit dort mehr Platz für die wirklich wichtigen Leute ist. Auf ihrer Sedcard befindet sich kein einziges Bild mehr von mir, und davon abgesehen ist ihre gesamte Fotosammlung nur noch eine ganz schwache und traurige Ahnung dessen, was hätte sein können, wenn es nicht so gekommen wäre wie es nun mal leider gekommen ist.

Du kannst mir nun unterstellen, dass ich ja nur eingeschnappt bin weil sie nichts mehr mit mir machen möchte. Aber ich versichere Dir, das stimmt nicht, mein Seelenheil liegt nicht darin ob ein Mensch mit mir shooten mag oder nicht.  Ich bin eingeschnappt weil Du, liebe Model-Kartei, dieses Model verhunzt hast, und es war nicht das erste, und es wird nicht das letzte sein.

Naja, aber ich bin endlos abgeschweift, zurück zu “Dove*”: Diese schrieb mich also tatsächlich an, ob ich Lust hätte, Fotos von ihr zu machen. Und ich dachte mir, au weia, was möchte jemand mit so einem Gruselkabinett der hundertprozentigen MK-ness auf der Sedcard wohl von mir?

Und so sah ich es als Herausforderung an, zu dieser Sedcard endlich mal was, nun ja, anderes beisteuern zu dürfen. Natürlich war ich da ziemlich naiv. Ich war nicht der einzige, der eine exakt gleich lautende Mail bekommen hatte, sondern ich war, wie ich inzwischen herausfand, einer von zig Empfängern einer Massenmail.

Die darauf entstehende Diskussion habe ich bereits an anderer Stelle ausführlich dokumentiert; erstmal wurde viel zu viel Geld von mir verlangt – für einen Dienst (nämlich: Rettung ihrer Sedcard), für den mich eigentlich das Model hätte bezahlen müssen. Und nachdem klar wurde, dass ich andere Vorstellungen von einem Shooting hatte, wurde kurzerhand nicht mehr geantwortet und die Kommunikation wurde abgebrochen.

Und genau das ist das zweite große Problem, das ich mit Dir, liebe MK, habe: Deine Models können sich einfach nicht benehmen. Elementare Grundsätze der Kommunikation zwischen zwei Menschen? Absolute Fehlanzeige.

Wäre “Dove*” die erste mit der es so läuft, so würde ich gar nichts sagen. Aber “Dove*” ist nach letzter Zählung die siebzehnte mit der es so läuft, und die Frage, die ich in letzter Zeit sehr oft von befreundeten Fotografen gestellt bekomme, ist: “Warum tust Du Dir das überhaupt an?” – eine berechtigte Frage.

Es ist wahr, ich habe durch Dich, liebe MK, über die letzten vier Jahre hinweg einige Menschen kennengelernt, mit denen das Fotografieren eine wahre Freude war (und in einem Fall entstand daraus sogar eine Freundschaft)…  aber diese lassen sich an weniger als einer Hand abzählen, es sind nämlich insgesamt derer vier. Und irgendwie, das wirst Du sicher einsehen, lohnt sich das im Endeffekt nicht, wenn man den Ärger mit all den Doves und sonstigen MK-Mausis in Betracht zieht. Die Bilder, die ich bei Dir hoch lade, werden auch kaum angeschaut und noch weniger kommentiert (wobei mir letzteres irgendwo auch recht ist, denn auf “wow, geiler Körper” oder “super Schärfeverlauf, klasse, schau auch mal bei mir vorbei” kann ich gut verzichten), und Perlen vor die Säue werfen war noch nie so meine bevorzugte Freizeitbeschäftigung.

Deshalb: Es war ein nettes Experiment, es hat nicht geklappt.

Mach’s gut und viel Glück für die Zukunft,

Dein
Herr K.

(Modell ganz oben: Anne K., die mit der MK nichts zu tun hat)

P.S.: Wer schöne Fotos von sich haben möchte (Ausziehen nicht erforderlich): Mail an stephan@massenbelichtungswaffen.de genügt!

Im Siebengebirge haben sie nicht alle Tassen im Schrank

Im Siebengebirge haben sie nicht alle Tassen im Schrank

Im Siebengebirge ist es wunderschön. Insbesondere gilt das für meine Wahlheimat Rhöndorf, ein kleines, pittoreskes Dorf, von dem aus die Löwenburgburgstraße in eine urtümliche Landschaft aus kühlen Tälern und erhabenen Bergen führt. Über allem thront der Drachenfels, und wer seine markante Erscheinung auf sich wirken lässt, dem kommt es gar nicht so weit hergeholt vor, dass in dieser Landschaft Teile der Nibelungensage spielen sollen. An den prachtvollen Berghängen wird seit 860 n.Chr. Weinbau betrieben, und auch im Jahre 2013 gibt es noch drei Winzer, die in Rhöndorf unterhalb des Drachenfels Wein anbauen.

Huch… Moment mal… hier stimmt irgendwas ganz gewaltig nicht!

Irgendwie ist beim Schreiben kurz das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinander geraten und obiger Absatz stammt aus einem anderen Quantenuniversum.

Entschuldigung. Natürlich ist er falsch, ebenso wie das Bild.

Also fangen wir noch mal von vorne an. Das hier ist das richtige Bild:

Im Siebengebirge könnte es wunderschön sein. Doch leider geht insbesondere in meiner Wahlheimat Rhöndorf nicht alles mit rechten Dingen zu, und wenn man sich dieser Tage abseits der Löwenburgstraße auf zu einer Wanderung über die Weinberge macht, so ist dies deutlich zu spüren.

Über die Ausflugsgastronomie, die in den letzten Jahren mit einem zig-Millionen-Aufwand an Steuer- und Fördergeldern direkt unterhalb des Drachenfels gebaut wurde, habe ich an dieser Stelle schon vor etwas mehr als einem Jahr berichtet. Wer das alles nicht noch mal lesen will, die Zusammenfassung ist einfach: In den frühen 70er Jahren wurde unter dem Drachenfels ein Restaurant im Stil des Brutalismus gebaut. Niemand fand das Teil jemals schön, alle fragten sich was das Gebäude da eigentlich soll, und nachdem es im Jahre 2007 noch mal schnell komplett saniert wurde (warum?!), wurde es 2011 endlich abgerissen und in den darauffolgenden Jahren durch ein ebenso unpassendes Gebäude in Glasbauweise ersetzt.

Fragt man die Bewohner der umliegenden Ortschaften, was sie davon halten, so wird schnell abgewunken. “Unnötig” und “Geldverschwendung” sind noch die charmantesten Beschreibungen, die man erhält, und es wird auch schon mal über “kölschen Klüngel” spekuliert.

Aber in den letzten Tagen hat der Unmut in Rhöndorf und Königswinter noch mal eine ganz neue Dimension angenommen. Denn aufgrund einer Provinzposse wie sie provinzieller nicht sein könnte, steht nun die Existenz zweier der drei verbliebenen Winzer am Drachenfels auf dem Spiel.

Und Geld, um ihnen zu helfen, ist keines da. Für eine Aussichtsplattform mit Restaurant in Glasbauweise? Ja, gerne, jederzeit. Aber um ein historisches Kulturgut zu retten? Leider Fehlanzeige.

Was genau ist passiert? Nun, hierzu zitiere ich gerne vollumfänglich die Presseerklärung des Weingutes Pieper:

Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,

als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Lethargie der Stadt Bad Honnef und des Verschönerungsvereins Siebengebirge (VVS) mit der Sperrung der Weinbergwege rund um den Drachenfels die Bürger im Köln-Bonner Bereich eines Naherholungsgebietes beraubt haben! Nun wird seit heute Vormittag durch die skrupellose Verschiebung von Verantwortlichkeiten der beiden Protagonisten in massiver Weise die Existenz der Drachenfelser Winzer bedroht. Wie auch in anderen Weinbaugebieten Deutschlands wird rund um den Drachenfels Weinbau im Steilhang betrieben. Dieser Jahrhunderte alten Tradition, die auch maßgeblich und international das Bild des Siebengebirges prägt, droht nun das Aus.

Seit Jahrzehnten kommt es oberhalb der Weinberge am sogenannten „Siegfriedfelsen“ ab und an zu kleineren bis mittleren Steinschlägen, in deren Folge bereits vor ein paar Jahren weite Teile der beliebten Weinbergwege für die Öffentlichkeit gesperrt wurden. Anstatt jedoch, wie in solchen Fällen üblich, für Steinschlagschutz- und sonstige entsprechende Maßnahmen Sorge zu tragen, verweisen die Eigentümer des Steinschlag verursachenden Grundstücks – der Verschönerungsverein Siebengebirge- lapidar darauf, nicht über entsprechende finanzielle Mittel zu verfügen.

Seit heute morgen hat die Bezirksregierung Köln weite Teile der von Steinschlag betroffenen Weinberge mit sofortiger Geltung gesperrt. Somit ist unserer Familie (Weingut Pieper) und das Weingut Broel in Rhöndorf mitten in der Vegetationsperiode, in der die Reben intensiv gepflegt werden müssten, unsere Berufsausübung von einem Augenblick zum anderen untersagt. Wir können unsere Grundstücke nicht mehr betreten!! Das Begehungsverbot bedeutet, dass unsere Reben ohne unsere Pflege innerhalb kurzer Zeit von Krankheiten befallen sein werden und damit die Ernte ernsthaft in Gefahr ist. Uns und unseren Mitarbeitern sowie deren Familien wurde von Jetzt auf Gleich die Existenzgrundlage entzogen und dem traditionsreichen Weinanbau am Drachenfels der Garaus gemacht.

Für das Plateau auf dem Drachenfels können zig Millionen seitens des Landes bereitgestellt werden, auch für den Eselsweg – der ebenfalls wegen Steinschlags vorübergehend gesperrt ist – sind bereits Sicherungsmaßnahmen eingeleitet und Gelder bewilligt worden.

Nur für regionales und historisches Kulturgut soll dies auf einmal nicht möglich sein und deshalb eines der seit der Romanik bekanntesten Wahrzeichen dieser Region verschwinden? Es ist nicht nur verantwortungslos, sondern schlichtweg beschämend, wie die verantwortlichen Instanzen ihrer Heimat den Rücken zuwenden anstatt tatkräftig Freude zu zeigen darüber, dass hier über Generationen hinweg Menschen gewillt sind den Weinbau am Drachenfels zu erhalten.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.