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Liebe NSA,

Liebe NSA,

(und natürlich liebe Briten, Franzosen, und wer uns noch so alles abschnorchelt)

Es war irgendwann im Jahre 2006. Wie Du weisst (ich hoffe, ‘Du’ ist ok – Du weisst so viel von mir, da erscheint mir das richtig) lebte und arbeitete ich damals noch im schönen Heidelberg am Neckar. Und wie Du sicherlich auch weisst, war ich zu jener Zeit oft und gerne mit der wunderbaren Freckle unterwegs, die damals zu so etwas wie meinem Lieblingsmodell geworden war.

Eines Tages beschlossen wir, mal wieder schöne Fotos zu machen und zu diesem Zweck meine “alten Jagdgründe” in Karlsruhe zu besuchen, in diesem speziellen Fall: Der Epple-See und die darum gelegene wildromantische Steppe und Einöde.

Wir kamen also gegen Nachmittag dort an, hatten uns ein paar Brote gestrichen und vertilgten die erst mal, während wir am Himmel beobachten konnten, wie ganz allmählich ein Gewitter aufzog. Als wir uns schließlich vom Parkplatz aus auf den Weg machten, hatten die Wolken die gesamte Szenerie bereits in ein vollkommen unwirkliches grau/grün/blau getaucht. Netterweise bekamen wir aber nur die Ausläufer des Gewitters mit, die Hauptvorstellung fand wohl ein paar Kilometer entfernt in Neuburgweier statt.

Auf halbem Weg zum See erwischte uns dann ein leichter Regenschauer, der genau so schnell wieder vorbei war wie er gekommen war, während uns der warme Sommerwind fortwährend um die Ohren pustete. Schließlich ließ Freckle ihre Hüllen fallen, weil a) wir schließlich Outdoor-Akt machen wollten, und b) zu dem Zeitpunkt eh schon alles nass war.

Ausgerüstet mit meiner guten alten Dynax 5D begann ich also, wild draufloszuknipsen, und ein Bild ums andere wurde der totale Oberhammer, ohne dass wir dazu viel tun mussten. Ein Bild, das Titelbild dieses Beitrags, war besonders denkwürdig: Freckle hatte sich zum Trocknen auf einer Anhöhe in den Wind gestellt, und während über Neuburgweier am Rhein die Apokalypse tobte, posierte Freckle auf der Anhöhe, ihre dunkle Silhouette gegenüber den Wolken von der Rest-Feuchtigkeit des Sommerschauers perfekt in Szene gesetzt.

Nun ja, wir machten zig Bilder, und jedes einzelne davon war etwas Besonderes. Dann fuhren wir wieder zurück nach Heidelberg, unter anderem, weil ich dort noch ein bisschen zu arbeiten hatte.

Freckle nach dem Regen

Freckle nach dem Regen

Wie Du ja weisst, liebe NSA, arbeitete ich damals als wissenschaftliche Hilfskraft und Dozent am Lehrstuhl für Computerlinguistik. Freckle war so nett, mich direkt dort abzusetzen, und bevor ich mit der Arbeit loslegte, lud ich an diesem Tag die RAW-Bilder, um die 150 Stück, runter auf meinen Mitarbeiter-Account, schaute kurz darüber und widmete mich dann der Korrektur von 60 “Einführung in die Programmierung in C”-Klausuren, die ich auf meinem Schreibtisch liegen hatte.

Am Abend ging ich dann heim, übertrug die Bilder auf meine Festplatte zuhause, und löschte irgendwann bald darauf die Dateien auf meinem Uni-Account.

Schwerer Fehler.

Denn nur ein paar Wochen danach erlitt eben diese Festplatte zuhause einen Headcrash, und alles war flöten. Natürlich hatte ich viele Backups von vorher, aber keines von diesem Shooting. Alles was mir blieb waren die bereits bearbeiteten und auf 800×600 Punkte runtergerechneten Versionen von zwei Bildern, die ich in der Woche auf flickr veröffentlicht hatte.

Du ahnst schon, liebe NSA, worauf ich hinaus will: Ich war damals (und bin es immer noch, nur hab ich ein neues Auto) eine langhaarige, linke Bazille, die alle vier Tage von der Polizei angehalten wurde, nur weil auf der Heckscheibe meines Wagens ein “NO WAR FOR OIL”-Aufkleber angebracht war und ich einen Pferdeschwanz trug. Ferner war ich auf mehreren Demonstrationen gegen Faschismus, gegen Atomenergie und nicht zuletzt gegen euren tollen Krieg, den ihr unter dem erstunkenen und erlogenen Vorwand von “Massenvernichtungswaffen” im Irak angezettelt hattet. Ich bin also ziemlich sicher, ich war in Deinem Visir, und auch in dem von den deutschen Kollegen.

Deshalb jetzt meine Frage: Hast Du meine Bilder vielleicht noch irgendwo? Ich weiss, es klingt doof, aber wenn ich jetzt daran zurückdenke, dann muss ich feststellen, dass dieses Shooting am Epple-See eines der genialsten Shootings war, die ich jemals machen durfte. Ich weiß nicht ob es an der großartigen Freundschaft liegt, die Freckle und mich damals verband… oder an dem surrealen Wetter, oder an der Landschaft… vermutlich lag es an allem gleichzeitig, und diese Bilder zu verlieren ist ein ganz enormer Verlust für mich.

Daher… wenn Du die Dinger noch irgendwo hast, liebe NSA, bitte zögere nicht und schick sie rüber. Auf Anfrage per eMail geb ich Dir gerne den Zugang zu meinem Dropbox-Folder… ach, was rede ich, den hast Du ja eh schon! Also leg sie bitte einfach rein wenn Du was findest, das wäre echt total schnafte von Dir!

Liebe Grüße
Dein Stephan

P.S.: Liebe Angela, lieber Hans-Peter und liebe deutsche Kollegen vom BND…: Ich weiß, ihr leugnet, damit irgendwas zu tun zu haben oder irgendwas davon zu wissen. Aber seien wir mal ehrlich, wen wollt ihr damit verarschen? Mich auf jeden Fall nicht, es ist sonnenklar dass ihr wisst was Sache ist. Deshalb gilt diese freundliche Frage selbstverständlich auch für euch: Solltet ihr noch etwas von den Daten haben wäre es echt freundlich, wenn ihr euch meine Dropbox oder meinen iCloud-Account nochmal genauer anschauen und mir dort was hinterlassen könntet. Vielen tausend Dank!
S.

P.P.S.: Ich hab auch ein paar keywords für euch in den Artikel getan, damit ihr ihn auch sicher findet. Küsschen :-*