Was ist aus der Musik geworden?

Sollten Sie über eine Google-Suche nach “Botany Bay” oder durch einen Besuch von schallundstille.de hierher gekommen sein, so liegt die Vermutung nahe, dass Sie auf der Suche nach meiner Musik (oder näheren Informationen darüber) sind.

Alle Veröffentlichungen von Botany Bay können Sie weiterhin hier anhören und/oder käuflich erwerben. In Anbetracht von 12 (in Worten: zwölf) online verkauften Exemplaren unseres letzten Albums muss ich aber leider zu dem Schluss kommen, dass das Internet meine Musik nicht mehr haben möchte – und dass der Zeitpunkt gekommen ist, mich in meiner Eigenschaft als Musiker aus dem Internet zu verabschieden.

Auch wenn gewisse Zeitgenossen diese Sätze nun sicherlich wieder als “Stephan heult rum, weil niemand seine Musik hören möchte” mißverstehen wollen, so möchte ich lediglich ganz sachlich feststellen, dass das hier einfach nicht mehr funktioniert, und dass es hauptsächlich mein Fehler ist, mich nun in dieser Situation zu befinden. Es gab eine Zeit, da setzten wir hunderte von Tonträgern ab, spielten vor rappelvollen Clubs und hatten Fans, die sich auf unserem Blog und sozialen Medien begeistert nach unseren Fortschritten erkundeten. Es war aber vollkommen hirnrissig, zu erwarten, dass es im Herbst 2018 mit “Thanksgiver” auch nur entfernt ähnlich laufen würde.

Die Leute von damals haben längst neue Lebensabschnitte begonnen und Botany Bay vergessen, das Internet von heute ist ein vollkommen anderes als das vor 15 Jahren, und “Thanksgiver” ist viel zu schwierig, als dass man es mal schnell in irgendeine Timeline schmeißen könnte, auf dass es von massenhaft nach außergewöhnlicher Musik suchenden Individuen entdeckt, geliebt und geteilt werden würde. Hätten wir abgefahrene Gameboy-Partymucke für Nerds gemacht (nichts gegen euch, Pornophonique; und garantiert auch nichts gegen Nerds, ich bin selbst einer!), dann hätte es vielleicht nochmal geklappt, aber garantiert nicht mit einer Produktion wie “Thanksgiver”.

Aber gleichzeitig ist es halt auch so, dass mich nichts kreativ mehr lähmt und aus der Spur wirft, als das Maximale an Herzblut (und Zeit und Geld; nur damit Sie mal ein Gefühl für die Größenordnungen bekommen: Thanksgiver kostete mich knapp 20.000€) in eine Produktion zu stecken, die dann niemanden interessiert. So etwas macht mich körperlich und seelisch kaputt… und sowohl in meinem eigenen Interesse als auch im Interesse der mir nahe stehenden Menschen und Mitlebewesen, muss ich hier eine Grenze ziehen und mich schützen.

Außerdem – auch wenn es weitestgehend unbemerkt geblieben ist, so habe ich mit “Thanksgiver” alles gegeben, was ich konnte. Mehr wäre nur schwer möglich.

Musik bleibt das Wichtigste in meinem Leben, sie bleibt meine Berufung, meine Welt und das Wertvollste, das ich habe – und genau deswegen gibt es sie in Zukunft nur noch für mich selbst und mein privates Umfeld. Wer trotzdem daran interessiert ist, kann mir gerne eine private Mail schreiben. Wenn sie nett ist, schreibe ich zurück. Adresse ist im Impressum.

Vielen Dank für Ihr Interesse und Verständnis.

Stephan Kleinert, Föhr, Februar 2020