Sehr schwer

Sehr schwer

Ohne in die Tiefe gehen zu wollen (oder auch nur zu können), ich hab bisher an diesem Wochenende so viele Dinge erlebt, von Schicksalen erfahren, Erinnerungen einerseits weggeworfen und andererseits gerettet… puh.

Es wird mir sehr, sehr schwer fallen, nächste Woche irgendwelche Banalitäten des Alltags ernst zu nehmen.

Sehr, sehr schwer.

Alte Jagdgründe

Alte Jagdgründe

Es ist schon ein seltsam einsames Gefühl.

Jetzt, nachdem meine Eltern beide tot sind, die alten Jagdgründe wieder zu besuchen, allein, ohne Begleitung von Frau K.

Die Plätze meiner Jugend. Plätze an denen man mit Freunden war, die inzwischen alle ebenfalls weit weg gezogen sind. Plätze, von denen es klar war, man würde immer hier sein. Man würde immer hier am Ufer sitzen und picknicken. Man würde immer weiter hinten im Baggersee schwimmen. Man würde immer hier Musik machen…

Die Menschen hier zu sehen, mir unbekannte Menschen, die Gesichter. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Einzelne und Paare, jeder für sich eine Geschichte. Jeder für sich ein Teil einer Geschichte davon was hätte sein können.

Was hätte sein können, wenn ich hier geblieben wäre.
Was hätte sein können, wenn ich andere Entscheidungen getroffen hätte.
Was hätte sein können, wenn meine Eltern andere Entscheidungen getroffen hätte.

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Ich beklage mich nicht. Ich habe grösstenteils ein sehr schönes Leben, ich trauere dem hier nicht hinterher.

Und trotzdem fühlt es sich eben seltsam und einsam an, dieses andere Leben, das hätte sein können, verbunden mit dem Leben meiner Eltern, das sie sich so anders vorgestellt hatten und das so traurig enden musste.

Wird Zeit, dass ich wieder nach Hause komme. Nur noch heute, und morgen ziehen dann sechs neue Schildkrötenmitbewohner auf der K-Burg ein. Ich freue mich darauf.

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The Colour Of Spring

The Colour Of Spring

Einen mittel- bis überhaupt nicht so wahnsinnig prächtigen Tag an der Arbeit gehabt, mehr als einmal die gute alte Sinnfrage gestellt, die Sekunden bis zum Wochenende ausgerechnet… und dann kommt man heim, steht auf der Terrasse und sieht: Genau das da oben.

Und denkt sich: Im Prinzip ist das Leben doch ziemlich prima.

Jetzt nur mal schauen ob ich morgen davon was mitnehmen kann.

Midlife Crisis?

Midlife Crisis?

Weil es ausnahmsweise ganz kurz nicht regnete, beschlossen Frau K. und ich gestern spontan, uns auf Location-Scouting-Tour zu machen.

Ausgestattet mit Regenjacken, dicken Fleecepullovern und festem Schuhwerk (wie es sich für den 30. Mai gehört!) begaben wir uns also ins Schmelztal, um die alte Großwäscherei Messenholl näher in Augenschein zu nehmen.

Tja, und was soll ich sagen?

 

Es ist schon seltsam, früher™ hab ich mich auf solche sogenannten “lost places” gestürzt als gäbe es kein Morgen, aber inzwischen lassen sie mich erstaunlich kalt. Ja, das Ding ist ein großes Gebäude, es gibt jede Menge schön runtergekommene Treppenaufgänge und Installationen und große zerbrochene Fenster. Und eine gar nicht so schöne Menge Vandalismus und schlecht gemachte Graffitis. Und es war ne schöne Möglichkeit, mich mal davon zu überzeugen, dass die OM-D auch bei ISO 4000 keinerlei Probleme hat, und sich somit ein immer wieder gern gehörtes Argument gegen m43 (“aber die rauscht viel mehr als ne Phollphormat”) in Wohlgefallen auflöst.

Aber die Faszination, die beispielsweise die Bahnstadt in Heidelberg auf mich hatte, oder die verlassene Pumpstation mitten im Wald bei Remagen, die will sich hier nicht einstellen, und ich finde auch den Gedanken, einen solchen Platz als Kulisse für ein Portrait- oder Aktshooting zu nehmen (was ja anscheinend irrsinnig beliebt ist), mehr oder weniger müßig. Hm ja. Kann es sein, dass ich einfach zu alt für sowas bin? Oder einfach uninspiriert? Keine Ahnung.

Auf jeden Fall fand ich den kleinen Fluss hinter der Wäscherei (der sich dank des tollen Sommerwetters in einen reißenden Strom verwandelt hatte) ein tausendmal lohnenderes Motiv.

Die Brücke

Die Brücke

 

Als ich noch ein kleines Kind war, ging mein Großvater oft mit mir im Weiherwald spazieren. Der Weiherwald war (und ist noch immer) ein mittelgroßes von Seen und Flüssen durchzogenes Waldstück im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld, und war von unserem alten Hexenhäuschen aus bequem zu Fuß zu erreichen.

Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als wir eines schönen Sommertags wieder einmal einen unserer Spaziergänge machten und dabei bemerkten, dass die alte, morsche und gefährliche Holzbrücke durch eine funkelnagelneue, dunkelbraun lackierte Holzbrücke ersetzt worden war.

“Schau mal, sie haben die Brücke neu gemacht”, sagte mein Großvater, “komm, das schauen wir uns an!”

Gesagt, getan, zusammen bestaunten wir die neue Brücke und machten langsam uns an den Überweg. Ich sehe ihn noch genau vor mir, als ob es nicht vor 35 Jahren sondern gestern gewesen wäre – meinen Großvater mit seinem braunen Lederhut mit der breiten Krempe und seinem Spazierstock.

Plötzlich hielt er unvermittelt inne. “So eine Sauerei”, entfuhr es ihm, während er auf das breite und wuchtige hölzerne Geländer der Brücke starrte. Dort hatte irgend jemand offensichtlich nicht mehr als wenige Tage zuvor (länger gab es die Brücke noch nicht) ein Hakenkreuz eingeritzt.

Der Grund, dass ich diese Geschichte jetzt aufschreibe, ist, dass ich mich wohl ewig ganz genau daran erinnern werde, was als nächstes passierte. Denn mein Großvater, sonst nicht der übermäßig aktive Mensch, nahm seinen Spazierstock und begann, mit der metallischen Spitze das Hakenkreuz in ein Rechteck mit einem Kreuz darin zu verwandeln.

“Was machst Du denn?” wollte ich wissen.

“Ich mache das Hakenkreuz kaputt”, antwortete mein Großvater.

“Aber warum denn?”

“Das ist ein ganz böses Zeichen. Ein widerliches und gemeines Zeichen”, sagte er, während er mit frenetischem Eifer die Brücke bearbeitete.

“Warum ist das Zeichen böse?” fragte ich.

“Das war das Zeichen der Nazis”, erklärte mein Großvater. “Die Nazis waren ein ganz großer Haufen Schwerverbrecher. Die haben Millionen von Menschen getötet und vertrieben… und einen Krieg veranstaltet in dem noch viel mehr umgekommen sind… und ich beinahe auch…”

“Aber warum hat sie niemand aufgehalten? Warum hat niemand die Polizei gerufen?”

Mein Großvater drehte sich zu mir um und schaute mich ernst an, die Hand noch immer am Spazierstock, mit dem er die Brücke bearbeitete. Schweißperlen rannen an seiner Stirn herunter, und ich werde diesen Blick ebenso wie seine Antwort und alles andere nicht vergessen.

“Die waren die Polizei.”

Ich muss wohl einigermaßen entsetzt geschaut haben, denn mein Großvater fuhr sogleich fort: “Aber das ist lange her. Beinahe vierzig Jahre. Inzwischen ist alles anders.”

“Aber wenn das so lange her ist, warum hat dann jetzt jemand das Zeichen in die Brücke gemacht?” fragte ich.

“Der, der das gemacht hat, ist ganz einfach ein ganz großer Idiot”, sagte mein Großvater, “mehr nicht. Der war nicht dabei, hat es nicht mitgekriegt, hat in der Schule nicht aufgepasst und hat keine Ahnung was das Hakenkreuz wirklich bedeutet.”

Und damit nahm er seinen Spazierstock in die rechte und mich an die linke Hand, und wir setzten unseren Spaziergang fort.

Erst später erfuhr ich, dass mein Großvater zwei Weltkriege miterlebt hatte. Dass er im zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten war, aus der er 1948 mehr tot als lebendig zurückgekehrt war. Dass er Mitglied in der KPD gewesen war und deshalb an der Front verheizt wurde, dass er später Entschädigung beantragt hatte die ihm nicht bewilligt wurde, weil die KPD in Deutschland inzwischen verboten war. Und so weiter und so fort.

Und natürlich erfuhr ich später auch mehr über die Nazis – von meinem Großvater, im Geschichtsunterricht, in Büchern, in Filmen und an Gedenkstätten.

Tja, und heute bin ich nach langer Zeit wieder einmal an der Brücke vorbeigekommen. Inzwischen gibt es die Holzbrücke nicht mehr, und sie wurde durch ein Bauwerk aus Beton und blau lackiertem Stahl ersetzt, auf dem sich glücklicherweise keine Hakenkreuze befinden. Und irgendwie musste ich beim Überqueren der Brücke – und nachdem “Freiwild” (nee, ich weigere mich, den Bandnamen so zu schreiben wie die Band das gerne hätte) gerade die Teilnahme am “with full force” Festival abgesagt hat und die Band auf ihrer Facebook-Seite das missverstandene Opfer gibt und dafür von hunderten Fans bejubelt wird – daran denken, dass Faschismus keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen… und an den Mann, der mir das zum ersten Mal klar machte.

Danke, Großvater.

Calmuth revisited

Calmuth revisited

Wen interessiert es, wenn sich steinreiche Leute gegenseitig Schlösser und Burgen abkaufen?

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Treten Sie ein, es gibt brennend interessante Dinge zu sehen!

Anscheinend jede Menge Leute, anders lässt sich die Flut der Zugriffe auf dieses Blog via Google-Suche nach “Jagdschloss Calmuth” nicht erklären.

Erschreckenderweise sind das mehr Zugriffe als bisher das ganze Jahr… und das alles nur, weil gestern die Zeitung mit den großen Buchstaben und den leicht bekleideten Frauen auf Seite drei darüber berichtet hat, dass ein steinreicher Unternehmer einem steinreichen Showmaster eine Menge Geld gegeben hat.

Stairway to Calmuth

Stairway to Calmuth

Im Prinzip haben sich die Zeiten eben seit unserem alten Kaiser Wilhelm (der mit dem Bart!) nicht mehr groß geändert, und das gemeine Volk hat eben ein lebhaftes Interesse daran, was die oberen 100 wohl so treiben, wenn er nicht gerade mittels gleichermaßen Wahrnehmen und Nicht-Wahrnehmen seiner Bürgerpflicht dafür sorgt, dass sich niemals irgendwo etwas ändert.

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Und da massenbelichtungswaffen.de schon immer gerne darauf gehört hat* was sich das Publikum wünscht, präsentieren wir hiermit stolz* eine exklusive* Sonderausgabe unseres beliebten WebZines*, rund um unsere historische Fototour durch das Calmuth-Tal vor drei Jahren. Wenn schon alle nach Calmuth suchen, bitte schön, geben wir ihnen Calmuth:

IFU don’t live here anymore…

An dieser Stelle ist es vielleicht angebracht, Sie, den lieben Leser, darauf hinzuweisen, dass Sie auch im weiteren Verlauf dieses Artikels keine exklusiven Fotos von Gottschalks Burg und seines Schlafzimmers zu sehen bekommen werden.

Und auch nicht von Asbeck wie er gerade auf die Jagd geht und seine Ländereien überblickt. Sollte das also Ihre Motivation gewesen sein, so möchte ich Ihnen vorschlagen, ganz schnell woanders hin zu gehen.

stop and smell the flowers

stop and smell the flowers

Aber eine nette Anekdote möchte ich an dieser Stelle trotzdem gerne los werden. Wir erfuhren sie auf unseren Reisen durch Unkelbach und die umliegenden Wälder von den dort Einheimischen.

Als Frank Asbeck das Calmuth-Areal vor ein paar Jahren erwarb, war es eine seiner ersten Amtshandlungen, einen schönen, großen, grünen Zaun um das gesamte Gelände herum aufzustellen – und damit die umliegenden Dörfer vom alten Steinbruch, den drei zugehörigen Seen und aus den Wäldern auszusperren, welche Besucher aus nah und fern bis dahin sehr gerne zum Spazierengehen, Baden, Picknicken und Gute-Zeiten-Haben genutzt hatten.

Wir müssen leider draussen bleiben...

Wir müssen leider draussen bleiben…

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…und zwar mal so richtig!!

Man kann sich nun vorstellen, dass diese Aktion bei den Ureinwohnern nicht auf ausgesprochene Gegenliebe stieß. Zwar war das Baden in den Seen (natürlich) verboten, aber das änderte nichts daran, dass es jeder gerne tat; an heißen Sommertagen glich der ehemalige Verladeplatz des ehemaligen Steinbruchs eher dem Parkplatz eines Einkaufszentrums zu Stoßzeiten als einem Gebiet, in dem alles strengstens verboten ist.

Sehr wenig Gegenliebe.

Sehr wenig Gegenliebe.

Und so lieferten sich die Ansässigen und der neue Lehnsherr ein paar Monate lang ein ganz wunderbares Katz-und-Maus-Spiel. Mit Demontieren des Zaunes, Wieder-Montieren des Zaunes, Löcher-in-den-Zaun-Schneiden, Zaun-Erneuern, und so weiter und so fort. Bis irgendeine öffentliche Stelle entschied, dass es überhaupt keine Baugenehmigung für diesen Zaun gibt, oder so ähnlich. Seitdem steht der Bau des Zaunes still, und teilweise ist er auch schon wieder abgetragen, und zumindest letzten Sommer planschten die Hundertschaften in den Seen wie eh und je.

Bis irgendjemandem was Neues einfällt.

Ihr nimmermüdes und hippes Zeitgeist-WebZine massenbelichtungswaffen.de wird auf jeden Fall am Ball bleiben.

in the valley I walk

in the valley I walk

Dieser Artikel ist Björn D. gewidmet, mit dem zusammen ich damals das Tal entdeckt habe.

Auf Dich, Björn, wo auch immer Du gerade bist. Und all der wirklich dumme und unnötige Scheiß, der zwischen uns passiert ist, ist vergeben und vergessen.

Des Kaisers neue Ausflugsgastronomie

Des Kaisers neue Ausflugsgastronomie

Heute kam mir der Gedanke, dass man zwei Nationen bei einer Wanderung durch ihre Wälder perfekt voneinander unterscheiden kann – selbst wenn man Gebiete von nahezu übereinstimmender geologischer Beschaffenheit zum Vergleich heranzieht.

Wenn man stundenlang allein durch den Wald läuft, dabei unzählige Berge hinauf- und dann wieder hinabsteigt, irgendwann bei einer imposanten Burgruine ankommt, dort die Überreste einiger Lagerfeuer vorfindet und alle halbe Stunde mal ein Wanderer vorbeikommt, dann ist es beispielsweise durchaus möglich, dass man sich in den Nordvogesen befindet.

Wenn man hingegen durch eine nahezu identische Landschaft läuft und unterwegs alle fünf Minuten von Horden johlender und brüllender Mountainbiker in den Graben gescheucht wird, später dann einhundertdreiundachtzig Touristen mit iPhones und Kompaktdigiknipsen überholt,  zwischendurch jede Menge Verbotsschilder und Absperrungen passiert und schließlich an einem groß angelegten Touristenzentrum mit Aussichtsplattform und Ausflugsgastronomie vorbeikommt, hinter denen mit viel Mühe und nach Lösen einer Eintrittskarte eine Burgruine zu entdecken ist, dann stehen die Chancen recht gut, dass man irgendwo im Siebengebirge gelandet ist.

Nun ja, Deutschland ist eben sehr viel dichter besiedelt als Frankreich, und die Gemeinden im Siebengebirge haben den wirtschaftlichen Wert einer gesunden Tourismus-Industrie frühzeitig erkannt. So ist nun mal das Leben, und ich möchte hier auch nicht falsch verstanden werden: Ich habe nichts gegen das Siebengebirge, ich liebe es, und ich wohne hier sehr gerne, auch wenn jeden Tag eine Reisebusladung Wanderer am Haus vorbei zieht.

Die stören mich nicht.

Etwas anderes stört mich.

Kennen Sie dieses Phänomen, wenn irgendwo vollständig und bis zum Anschlag ins Klo gegriffen wird – und allen, die es mitkriegen, ist vollkommen klar, dass hier etwas ganz enorm verkehrt läuft – nur den unmittelbar Beteiligten nicht?

Solch eine Geschichte spielt sich momentan unterhalb des Drachenfels ab.

In den 70er Jahren wurde dort im Stil des Brutalismus ein Restaurant mit Aussichtsterrassen erbaut. Diese Monstrosität erschien schon damals vielen Menschen als das, was sie auch war: Eine klaffende Narbe inmitten urtümlicher und Geschichte erzählender Natur. Etwas, was dort niemals hätte hingebaut werden dürfen – und so mancher Anwohner und Besucher griff sich beim Anblick dieser Grausamkeit aus Beton immer mal wieder spontan an den Kopf. Von “Schandfleck” war oft die Rede, und bei den Bad Honnefern hieß das Gebäude schon bald nur noch “der Betonbunker”.

(Foto von Jean & Nathalie, CC-BY)

 

 

(Fotos von Claus Moser, CC BY-NC-SA)

Im Jahre 2007 wurde der Betonbunker mit nicht geringem finanziellen Aufwand umfassend modernisiert. Natürlich machte ihn das nicht schöner, und es war auch ganz und gar unnötig, denn 2011 wurde das Teil endlich abgerissen.

Man könnte sich an dieser Stelle natürlich fragen, warum dann vorher noch einmal ohne Ende Kohle in die Gaststätte versenkt werden musste, wer etwas davon hatte, und ob hier wirklich alles mit rechten Dingen zuging. Aber egal. Es bleibt festzuhalten: Das Ding war weg, und ein Auftamen ging durch Königswinter, Bonn und Rhöndorf – endlich, nach dreißig Jahren, war der Spuk vorbei.

Ende gut, alles gut, möchte man sagen.

Fig. 1: Geht eigentlich.

Doch das wäre leider ebenso verfrüht wie unwahr.

Denn natürlich wiederholt sich Geschichte, und niemand lernt etwas daraus.

Der Brutalismus war Ende der sechziger Jahre aus der Mode gekommen. Als also unser Freund, der Betonbunker, unter den Drachenfels gepappt wurde, da war mit diesem Architekturstil schon seit langer Zeit mehr kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Schon gar nicht bei den Anwohnern, die ihn ertragen mussten.

Heute, im Jahre 2012, ist es die Glasarchitektur, die langsam aber sicher als Modeerscheinung verblasst. Außerdem ist sie ein Stil, den man gemeinhin mit Büro- und Verwaltungsgebäuden in Zusammenhang bringt – ganz sicher aber nicht mit der Landschaft, in der das Nibelungenlied spielt.

Was läge da näher, als die grandiose Idee, einen Glaskasten als neue Ausflugsgastronomie unter den Drachenfels zu platzieren?

Fig. 2: …hey, Moment, wtf?!

Schon die Baustelle sieht schrecklich aus, und ich habe berechtigten Grund zur Annahme, dass das fertige Produkt diesem Eindruck in nichts nachstehen wird. Man möchte den Verantwortlichen am liebsten zurufen: “He, Leute, das ist verdammt noch mal der Drachenfels! Da gehört ganz genau gar nichts hin, merkt ihr das denn nicht?”

Ungelogen: Jeder, der mich in meiner neuen Wohnung besuchen kommt – und zwar wirklich jeder – schaut da hoch und sagt spontan irgendetwas in der Richtung von “ach Du Scheiße, was machen die denn da?”

Es ist mir klar, dass das wirtschaftliche Potential dieses Ortes ausgenutzt werden möchte, und da wird man auch – traurig, aber wahr – nicht daran vorbeikommen (zumindest nicht, bis es die nächste große Revolution gibt). Aber man könnte dies auch tun, ohne das Landschaftsbild zu vergewaltigen. Es gibt um den Drachenfels herum genug Ecken, wo man Gebäude zum Touristen-Ausnehmen hinstellen könnte… mittendrauf wäre nun echt nicht nötig gewesen.

Nun ja, in 30 Jahren wird das Teil vermutlich als Schritt in die falsche Richtung erkannt und abgerissen werden. Und falls ich das noch erlebe bin ich echt gespannt, ob die Verantwortlichen es dann endlich einsehen, dass man bestimmte Dinge einfach so lassen sollte, wie sie sein möchten.

Bombe!

Bombe!

Nachdem dieses Blog in letzter Zeit im Bezug auf die Besucherzahl einen Negativrekord nach dem anderen aufstellt, habe ich mich nun endlich dazu entschlossen, etwas zu tun, was das Interesse wieder erhöhen wird.

Und zwar scheint es so zu sein, dass unsere Geheimdienste wie eh und je total scharf darauf sind, uns zu überwachen. Warum nicht auch gleich noch ein bisschen schöne Kunst dabei anschauen?

Also. Bombe. Obama. Erschiessen. Terror. Bombe bauen. Linkes Bombenlegerpack, elendigliches. Obama erschiessen. Revolution. Heiliger Krieg. Bombe, Bombe und nochmals Bombe. Terrornetzwerk, Bombe, Terroranschlag, Terrorzelle, Terror was-weiss-ich-was. Terror eben. Nagelbombe. Schraubenbombe. Bretterbombe. Jihad! Gütersloh! Mekka! Sprockhövel! Bombe selbst bauen. Obama selbst bauen. Wir bauen uns einen Gauck. Und Bomben, Bomben, Bomben, nicht zu vergessen. Obama? Bombe. Merkel? Bombe! Vor allem Merkel! Springerpresse, auf die Fresse. Merkel verhauen. Und Bombe.. sagte ich schon Bombe? Und Terror? Nicht? Also, Bombe!

Willkommen, liebe Leute vom Verfassungsschutz.

Ich hoffe, ihr fühlt euch wohl hier und die Bilder gefallen euch. Und wenn ihr durch seid, hier eine ganz persönliche Bitte von mir: Könntet ihr euch bei Gelegenheit auch mal um den einen oder anderen Nazi-Terroristen kümmern? Also, mit “kümmern” meine ich nicht: Finanziell unterstützen und Spuren verwischen und im richtigen Moment wegschauen… sondern eher sowas wie: Dingfest machen und wegsperren! Ja, ich weiss, das wäre was total Neues für euch… aber ich fände es trotzdem wirklich großartig. Vielen Dank im Voraus und bis bald!

PS: Bombe!!!