“Viel zu krass”

Sie ist so um die 25, arbeitet im Irish Pub, ca. 200 Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt, hinter der Theke.

Sie ist nett, hat Ausstrahlung, und ist jede Woche abends immer mal wieder im absoluten Epizentrum der Aufmerksamkeit für durchschnittlich 50-100 zahlende Gäste, die regelmässig nach ihr schauen um was zu bestellen oder was zu bezahlen, oder um einfach mal nach ihr geschaut zu haben.

Auf die Frage, ob sie mal Lust hätte, von mir fotografiert zu werden, antwortet sie (nach Durchsicht dieses Blogs, vollkommen schockiert): “Nee. Also… wirklich nicht… nee, das ist mir viel zu krass

Ich so (einigermaßen verwundert; ich hab schon jede Menge “Nein” zu hören gekriegt und kann damit sehr gut leben, aber das hier hat ne ganz neue Dimension): “Ok ok ok, nicht schlimm, es zwingt Dich niemand… aber es würd’ mich schon interessieren: Was ist denn so krass?

Sie so (immer noch schockiert, kopfschüttelnd): “Äh… nee… weiss nicht, das ist viel zu krass was Du da machst. Also, mach weiter, es ist schön und alles… und diese Frauen haben meinen totalen Respekt dafür dass sie das machen… aber… ich nicht, wirklich nicht.

…und lässt mich in einem Zustand amüsierter Ratlosigkeit zurück, der auch am Morgen danach noch anhält.

Hat sie statt meinem Photoblog aus Versehen eine Hardcore-Pornoseite mit Maschinen und Ausseridrischen mit Tentakeln besucht? Was genau müssen die Frauen bei mir machen, was so unglaublich krass ist? Oder werden wir vielleicht inzwischen von den Taliban regiert und ich hab’s einfach noch nicht mitgekriegt?

Fragen, auf die ich vermutlich keine Antworten bekommen werde. Aber ich würd’ mal sagen, Q.E.D. Ich denke, was ich hier geschrieben habe, hat sich gestern mal wieder volle Kanne bestätigt.

(Bild: “Madonna”, Model: Kathi; out of the box; hat mit der Geschichte nicht das geringste zu tun… ausser dass es, wie immer, viel zu krass ist… und total bewundernswert, dass jemand so etwas mit sich machen lässt ;-))

17 thoughts on ““Viel zu krass”

  1. frau k.

    Du schönst die Frauen nicht, Du zeigst wie sie wirklich sind. Ich denke, das finden Frauen, die nicht gern einen Spiegel vorgehalten bekommen nicht gut.

    Die Angst davor haben in “echt” zu sehen wie sie wirken und sind.

    Reply
    1. Herr K. Post author

      Hm, ich weiss nicht, ob es das ist… sie springt jeden Abend in ner abgefuckten Kaschemme “in echt” vor was weiß ich wievielen Leuten rum… da seh ich wirklich nicht, was an einer fotografischen Interpretation durch meine Person schlimmer sein soll. Aber vielleicht bin ich auch viel zu verbohrt ;-)

  2. Ann {Bittersuesz}

    O. Mein. Gott.
    Wobei es mich gar nicht so wundern sollte – wo ich doch aufgrund meiner Modelltätigkeiten schon allerlei degradierende Worte zu hören bzw. zu lesen bekommen habe.
    Naaa ja. ;)

    Reply
  3. Alex

    Ich bin jetzt auch gespannt, was hier zu krass sein soll. Das mit dem nicht Schönen kann ein Argument sein, dafütr aber bastelst Du Farbverläufe nachträglich ins Bild, die auch einiges hermachen. Also kann es nur die Nacktheit sein. Aus meiner Vergangeheit weiß ich, daß es viele Menschen gibt, die gern immer da wohnen bleiben, wo sie gebohren sind, die etwas außer der Reihe tun – wie es scheint – und die ganz normal sind und damit auch zufrieden. Für diese Leute ist eine Tätigkeit im Schmuddelpub schon etwas Wildes und Fotos von sich ins Netz stellen beinahe unvorstellbar. Leute haben ihre Grenzen und es ist nicht deine Aufgabe, die bei allen zu erweitern, bist ja kein freier Pädagoge für angewandte Soziologie. Das ist auch ok so, das die Leute so sind, nut ist es eben langweilig und verstörend auf andere, denen das zu langweilig ist auf Dauer.
    Ich habe neulich eine echte Japanerin (auch in einem Restautrant) gefragt, ob sie Lust auf Portraits hätte. Immerhin arbeitet und studiert sie weltweit und ist somit auch weiter gekommen. Es ist jetzt nur noch die Frage, ob sie sich Bilder von sich, die sehr ehrlich sind, vorstellen kann oder ob das für ihren Kulturkreis oder sie persönlioch schon zu viel ist. Ich werde es sehen, die machen da gutes Essen, wo sie gerade jobbt und ich frage nächste Woche noch einam nach. ;-)
    Viel Glück mit der nächste ausdrucksreichen Fotogenenin! ;-)

    Reply
    1. Herr K. Post author

      Wie schon unten bei Thomas erwähnt… Nacktheit ist ja eigentlich nicht mein primäres Sujet.
      Ist es tatsächlich so, dass die Nacktheit in diesem Blog so ins Auge springt, dass man sich als Betrachter denkt, au weia, dieser Herr K., der macht ja nichts anderes…?
      Wie dem auch sei… glücklicherweise besteht gerade im Moment nun wirklich kein Mangel an Modellen (ich frag’ mich nur, wo die alle im Sommer waren, wo ich ein “hmmmnnjjjjaaaaaichweissjanicht” nach dem anderen gekriegt habe… ;-)) Was die ganze Sache um so amüsanter macht…

  4. Thomas

    Vielleicht mag sie sich einfach nicht ausziehen? Das sie gut aussieht und Blicke auf sich zieht, muss ja nicht heißen, dass da noch mehr drin ist… Klar machst Du auch tolle Portraits und die Leute haben auch oft noch was an. Aber die Wahrnehmung ist ja vielleicht doch oft zu selektiv, und das was besonders “krass” ist, prägt dann zu sehr den Gesamteindruck. Und Dein Stil entricht ja bei allen Bildern nicht eben den üblichen Sehgewohnheiten. Das macht die Bilder dann zwar so sehenswert, aber vielleicht eben nicht für jeden. Ist halt ein “krasser” Stil… ;-)

    Reply
    1. Herr K. Post author

      Najaaaaaaa… wie ich nicht müde werde zu betonen (und ganz davon abgesehen dass ich an Nacktsein nichts Verwerfliches erkennen kann und dass ich persönlich der Meinung bin, wir entwickeln uns in unserer Schamhaftigkeit gerade mehrere hundert Jahre zurück): Niemand muss sich bei mir ausziehen. Ich wage sogar zu behaupten, dass es bei mir mehr “angezogene” als “ausgezogene” Bilder gibt (ohne dass ich’s jetzt gezählt hätte).

      Vielleicht sollte ich in das Photoblog noch oben fett einen Disclaimer reinnehmen, wo drin steht “NIEMAND MUSS SICH AUSZIEHEN”, “KLEIDUNG AUSDRÜCKLICH ERLAUBT”, oder so ähnlich…

  5. BB

    Also, ich kann mir auch nur vorstellen, dass sie eben keine Aktphotos von sich veröffentlichen möchte. Das kann man vielleicht auch deutlicher ausdrücken, gewiss. ;)

    Reply
  6. Herr K. Post author

    Ja hab ich; das ist mittlerweile das erste, was ich sage. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es um Akt oder Nicht-Akt ging. Ich glaube viel mehr, das war ein typischer Fall von “Oh, Hilfe, Fotos, so richtige, so ganz anders als mit’m Handy und auf wer-kennt-wen…. nix wie weg!!”

    Reply
  7. Ann {Bittersuesz}

    Ich hatte schon mal eine, die zuerst wollte, aber dann doch nicht, weil sie dann ja mit “den andren Fotos in Verbindung gebracht werden” könnte… (Die gemeinten anderen Fotos waren eventuell die Fotos von dicken Menschen, die Fotos von Grufties, …? K.A.)

    Reply
    1. Herr K. Post author

      Ja, genau. Deine Seite ist ja auch so ne ganz schlimme, verruchte!!
      Ist auch vollkommen logisch, dass man nicht unbedingt mit Fotos in Verbindung gebracht werden möchte, auf denen andere Leute, andere Ansichten, andere Geschlechter, andere Hautfarben oder sonst irgendwas Abnormales anderes zu sehen ist. Wenn das die Nachbarn erfahren. Oder der Blockwart. Und, wo kämen wir denn da hin, wenn das jeder täte?
      So, und jetzt geh ich schnell den Gehweg putzen und das Auto polieren ;-)

  8. Pingback: Hm… | massenbelichtungswaffen.de

  9. Pingback: Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy | massenbelichtungswaffen.de

  10. marc p.

    …:Frauen sind eben so….manche….dafür lassen sich manche für 5stellige Summen im Playboy ablichten….und sind dennoch allesamt nur Photoshop “veredelt”…..wer’s braucht…ich nicht…meine Statuen fanden manche als Bewerbung auch “zu krass” – wieso eigentlich?! Einmal kam ein Comment von wegen das wäre beim Beerdigungsinstitut gut an der Wand…das fand ich dann pietätslos…Ich mag soetwas einfach sehr….und hier im Blog sind auch viele schöne Fotos…

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>