Category Archives: Weltanschauliches

Flickr hat umgebaut, wir werden alle störben™!!!

Flickr hat umgebaut, wir werden alle störben™!!!

 

Die einstmals große und seit 2004 zum Yahoo-Konzern gehörende Foto-Plattform flickr hat sich letzte Woche ein gigantisches facelifting verpasst. Im Gegensatz zu vorher werden Bilder jetzt größer und mit nur wenig Zwischenräumen dargestellt, und sie werden in einem fort nachgeladen, wenn man auf der Seite nach unten scrollt. 

Das allein wäre hier noch keine Erwähnung wert. Aber der Aufschrei, der jetzt durch die Massen der flickr-User geht, den finde ich doch unter gleich mehreren Gesichtspunkten äußerst erwähnenswert.

Zum einen gibt es gerade mal wieder einen Strom von Fotografen, die von flickr nach ipernity umziehen, weil bei flickr niemand auf ihre Beschwerden reagiert und keine Kommunikation stattfindet. Das find’ ich total drollig.

Ausgerechnet ipernity, die vor ein paar Jahren den ganz großen Zensur-Kahlschlag veranstaltet haben (um die Investoren gnädig zu stimmen), und deren ausserordentlich nette und sympathische Kommunikationsstrategie darin bestand, sich über Monate hinweg gar nicht und danach auch nur mit unfreundlichen “wir haben überhaupt nix kapiert”-cut-and-paste-Textbausteinchen zu melden.  Na, viel Spaß dort.

Wieder andere wollen zu 500px (dem ehemaligen Fotografen-Geheimtipp, der inzwischen zur gleichen HDR/Eichhörnchen-Einheitssuppe verkommen ist wie schon so viele Seiten zuvor). Das find’ ich beinahe noch drolliger, denn 500px war ganz offensichtlich das Vorbild beim Redesign von flickr.

Einige liebäugeln mit tumblr, welches gerade von Yahoo gekauft wurde. Das ist an Drolligkeit eigentlich nicht mehr zu überbieten.

Liebe Leute, ich weiss, ich werde von den Oberspezialisten unter euch jetzt wieder Selbstherrlichkeit und Arroganz und ganz allgemein Beleidigtes-Bratwurst-Sein vorgeworfen bekommen, aber es ist ganz einfach so: Wenn ihr nicht damit leben könnt, dass irgendeine Frau Meyer oder ein Herr Zuckerberg oder ein Herr Schmidt (oder auch nur eine Lea d’Ipernity) mit den von euch bereit gestellten Inhalten einfach plötzlich und unvermittelt machen können, was sie wollen die Aktionäre wollen, dann dürft ihr bei so was eben nicht mitmachen.

Das WWW war niemals als Zusammenschluss von großen Plattformen gedacht, die jeweils irgendwelchen steinreichen Krawattis gehören, welche einzig allein durch eure Inhalte und eure Teilnahme und euren Wert bei den Werbekunden immer reicher und reicher und noch reicher werden.

Es war so gedacht, dass jeder mit jedem kommunizieren kann, verteilt und dezentral. Gut, wir haben es alle zusammen mit kaputt gemacht, indem wir uns brav bei facebook angemeldet haben, über twitter unsere lachhaften first-world-problems in die Gegend schleudern und unsere Einkäufe hauptsächlich per Amazon tätigen. Aber muss es denn wirklich so weiter gehen? Jedem steht es offen, einfach mit einer eigenen Seite ins Netz zu gehen, beispielsweise mit einem Photoblog.

Ja, ich weiss, es wird jetzt als Einwand kommen: “Aber, auf nem eigenen Photoblog findet nicht so viel Kommunikation statt, und man findet sich nicht so leicht, und man kriegt nicht mit wenn jemand was neues postet”, etc. pp.

Was Quatsch ist. Mit RSS gibt’s ne prima offene Technologie, mit der man seine Lieblingsblogs im Auge behalten kann (und weil das schlecht für Google+ ist, hat Google auch den Reader dicht gemacht, diese Schweinepriester). Leider weiss das kaum jemand, und noch weniger Leute benutzen es. Aber die Technologie ist da. Und genau so ist das mit der Kommunikation. Unter jedem Bild hier kann man kommentieren. Gut, das ist ein bisschen schwieriger als ein “Sternchen” zu vergeben oder auf einen “Gefällt mir” Button zu drücken, aber das soll es auch sein.

Meinjanur.

History Repeating

History Repeating

Ich muss etwas gestehen. Vor drei Jahren, als ich mehr oder weniger gezwungenermaßen dieses Blog eröffnete*, hatte ich lange vorher ausgiebig mit dem Gedanken gespielt, stattdessen einfach einen tumblr-Account aufzumachen und dort zu photobloggen.

Aber dann sagte irgendeine Stimme in mir “Nee, Stephan, tu das nicht. Weisst Du noch wie das damals bei flickr war? Das brauchst Du nicht noch mal”.

Und heute ist es tatsächlich so weit. Yahoo kauft tumblr. Verdammt, ich sollte auf solche Sachen spekulieren statt mit ehrlicher Arbeit mein Geld zu verdienen.

Tja, yahoo, ich meine das jetzt nicht böse, und ich kann tatsächlich mit Dir mitfühlen. Du möchtest wieder jung und cool sein, und dazu gehören. Und die Aktionäre beruhigen. Nur, erinnerst Du Dich, was Du aus flickr gemacht hast? Und, darf ich Dich darauf hinweisen, dass ein nicht unbedeutender Teil der auf tumblr geteilten Inhalte nicht nur vermeintlich sondern tatsächlich im wahrsten und treffendsten Sinne des Wortes pornographisch sind? Hach ja, das dürfte spannend werden.

Das Bild oben, “Through Shadow Into Light”, war übrigens anno 2004 eines der ersten Bilder, die ich auf (damals noch nicht yahoo-) Flickr veröffentlichte, bevor mein gesamter Account nach der Übernahme genullt wurde und ich mir einen neuen erstellen durfte… und nein, damals gab’s noch keine content filter bei flickr, aber das ist eine lange Geschichte, und sie ist schon lang vorbei…

 


* Der geneigte Leser mag sich vielleicht erinneren: ipernity hatte gerade seine homophobe Seite entdeckt (nachdem man vorher schon kreuz und quer großartige Künstler rauszensiert hatte), bei flickr gab man sich nach der Übernahme durch yahoo  päpstlicher als der Papst, und über die fotocommunity möchte ich in meinem Blog nicht wirklich allzu ausführlich reden, sonst muss ich es die ganze nächste Woche neu weihen…

Rant

Rant

So, Wetter, jetzt hör mir mal verdammt gut zu.

Weisst Du, was das da oben ist? Richtig, das ist eine fotografische Dokumentation davon, wie es bei uns vor genau einem Jahr aussah.

Die Magnolien blühten, man saß abends mit einem Fläschchen Rotwein draussen, beobachtete den goldenen Sonnenuntergang, und später, wenn die Temperaturen so gegen Sechs Uhr abends unter 15 Grad fielen, machte man ein Feuerchen an und schaute dem Tanz der Flammen zu.

Und auch ansonsten war eigentlich so ziemlich alles in Butter. Ich hatte meinen alten Job, der mich die letzten zwei Jahre nur noch maßlos angeödet und deprimiert hatte, endlich gekündigt, und ich war aus meiner alten Wohnung, die mich die letzten fünf Jahre nur deprimiert und maßlos angeödet hatte, endlich ausgezogen. Und sowohl der neue Job als auch die neue Wohnung waren eine circa zweitausendprozentige Verbesserung.

Naja, Wetter, wie wir beide wissen, blieb es nicht so. Ich habe zwar immer noch meine schöne Wohnung und meinen tollen Job (und nach wie vor die tollste Frau K. die man sich vorstellen kann), aber so ziemlich alles andere wurde ganz extrem Scheisse. Mein Vater hatte im August zwei Schlaganfälle, und ich musste ihm, ohne noch einmal mit ihm reden zu können, vier Monate lang beim Sterben zusehen, ehe er im Dezember endlich erlöst wurde. Und den einzigen Trost, den ich im Winter hatte, war, dass im Frühjahr wieder die Sonne scheinen würde, und dass wir spätestens zu Ostern wieder draussen sitzen und all die Dinge machen würden, die schon letztes Jahr um die gleiche Zeit unsere Seelen geheilt hatten.

Dummerweise hatte ich die Rechnung ohne Dich gemacht, Wetter.

Und ich mein’ das schon lange nicht mehr lustig. Ehrlich nicht. Du kannst es Dir in Deinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen, Wetter, wie sehr Du mir auf dem Nerv gehst.

Mit der seit Monaten ewig gleichen, kalten Milchsuppe da draußen, die sich in die Knochen frisst und sich über die Seele legt wie eine kalte, nasse Decke.

Mit der Art und Weise, wie Du jeden positiven Gedanken im Keim erstickst, indem Du zusätzlich zum eiskalten Wind ab und an noch ein bisschen Schnee und Graupel vorbei schickst und dafür sorgst dass die Magnolien draussen erfrieren bevor sie die Chance zum Blühen kriegen.

Mit dem grauen, kalten, undurchdringlichen Vorhang, den Du vor die Sonne stellst, und hinter dem man sie allenfalls als matte, milchige Scheibe ausmachen kann, als Spottbild dessen, was sie eigentlich sein sollte, und was ich mir so sehr wünsche.

Ehrlich, Wetter, Du nervst wie Hupe. Du bist ein ganz großes Oberarschloch. Es ist nicht mehr lustig, was Du da veranstaltest, im Gegenteil. Es ist so richtig zum Kotzen, und es ist genug jetzt.

Hör’ endlich damit auf, Du blöde Sau.

Die Brücke

Die Brücke

 

Als ich noch ein kleines Kind war, ging mein Großvater oft mit mir im Weiherwald spazieren. Der Weiherwald war (und ist noch immer) ein mittelgroßes von Seen und Flüssen durchzogenes Waldstück im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld, und war von unserem alten Hexenhäuschen aus bequem zu Fuß zu erreichen.

Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als wir eines schönen Sommertags wieder einmal einen unserer Spaziergänge machten und dabei bemerkten, dass die alte, morsche und gefährliche Holzbrücke durch eine funkelnagelneue, dunkelbraun lackierte Holzbrücke ersetzt worden war.

“Schau mal, sie haben die Brücke neu gemacht”, sagte mein Großvater, “komm, das schauen wir uns an!”

Gesagt, getan, zusammen bestaunten wir die neue Brücke und machten langsam uns an den Überweg. Ich sehe ihn noch genau vor mir, als ob es nicht vor 35 Jahren sondern gestern gewesen wäre – meinen Großvater mit seinem braunen Lederhut mit der breiten Krempe und seinem Spazierstock.

Plötzlich hielt er unvermittelt inne. “So eine Sauerei”, entfuhr es ihm, während er auf das breite und wuchtige hölzerne Geländer der Brücke starrte. Dort hatte irgend jemand offensichtlich nicht mehr als wenige Tage zuvor (länger gab es die Brücke noch nicht) ein Hakenkreuz eingeritzt.

Der Grund, dass ich diese Geschichte jetzt aufschreibe, ist, dass ich mich wohl ewig ganz genau daran erinnern werde, was als nächstes passierte. Denn mein Großvater, sonst nicht der übermäßig aktive Mensch, nahm seinen Spazierstock und begann, mit der metallischen Spitze das Hakenkreuz in ein Rechteck mit einem Kreuz darin zu verwandeln.

“Was machst Du denn?” wollte ich wissen.

“Ich mache das Hakenkreuz kaputt”, antwortete mein Großvater.

“Aber warum denn?”

“Das ist ein ganz böses Zeichen. Ein widerliches und gemeines Zeichen”, sagte er, während er mit frenetischem Eifer die Brücke bearbeitete.

“Warum ist das Zeichen böse?” fragte ich.

“Das war das Zeichen der Nazis”, erklärte mein Großvater. “Die Nazis waren ein ganz großer Haufen Schwerverbrecher. Die haben Millionen von Menschen getötet und vertrieben… und einen Krieg veranstaltet in dem noch viel mehr umgekommen sind… und ich beinahe auch…”

“Aber warum hat sie niemand aufgehalten? Warum hat niemand die Polizei gerufen?”

Mein Großvater drehte sich zu mir um und schaute mich ernst an, die Hand noch immer am Spazierstock, mit dem er die Brücke bearbeitete. Schweißperlen rannen an seiner Stirn herunter, und ich werde diesen Blick ebenso wie seine Antwort und alles andere nicht vergessen.

“Die waren die Polizei.”

Ich muss wohl einigermaßen entsetzt geschaut haben, denn mein Großvater fuhr sogleich fort: “Aber das ist lange her. Beinahe vierzig Jahre. Inzwischen ist alles anders.”

“Aber wenn das so lange her ist, warum hat dann jetzt jemand das Zeichen in die Brücke gemacht?” fragte ich.

“Der, der das gemacht hat, ist ganz einfach ein ganz großer Idiot”, sagte mein Großvater, “mehr nicht. Der war nicht dabei, hat es nicht mitgekriegt, hat in der Schule nicht aufgepasst und hat keine Ahnung was das Hakenkreuz wirklich bedeutet.”

Und damit nahm er seinen Spazierstock in die rechte und mich an die linke Hand, und wir setzten unseren Spaziergang fort.

Erst später erfuhr ich, dass mein Großvater zwei Weltkriege miterlebt hatte. Dass er im zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten war, aus der er 1948 mehr tot als lebendig zurückgekehrt war. Dass er Mitglied in der KPD gewesen war und deshalb an der Front verheizt wurde, dass er später Entschädigung beantragt hatte die ihm nicht bewilligt wurde, weil die KPD in Deutschland inzwischen verboten war. Und so weiter und so fort.

Und natürlich erfuhr ich später auch mehr über die Nazis – von meinem Großvater, im Geschichtsunterricht, in Büchern, in Filmen und an Gedenkstätten.

Tja, und heute bin ich nach langer Zeit wieder einmal an der Brücke vorbeigekommen. Inzwischen gibt es die Holzbrücke nicht mehr, und sie wurde durch ein Bauwerk aus Beton und blau lackiertem Stahl ersetzt, auf dem sich glücklicherweise keine Hakenkreuze befinden. Und irgendwie musste ich beim Überqueren der Brücke – und nachdem “Freiwild” (nee, ich weigere mich, den Bandnamen so zu schreiben wie die Band das gerne hätte) gerade die Teilnahme am “with full force” Festival abgesagt hat und die Band auf ihrer Facebook-Seite das missverstandene Opfer gibt und dafür von hunderten Fans bejubelt wird – daran denken, dass Faschismus keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen… und an den Mann, der mir das zum ersten Mal klar machte.

Danke, Großvater.

Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Ich weiß nicht ob es an an der aktuellen Lage der Sterne liegt, oder am miesen Wetter da draussen oder an der Tatsache dass das Fernsehprogramm immer grottiger wird, aber in den letzten Tagen ist bei einigen Bloggern vermehrt der Drang zu beobachten, etwas Schlaues über Aktphotographie schreiben zu wollen. Continue reading

Die Hater sind unter uns

Die Hater sind unter uns

Zunächst mal: Nein, dieses Blog wird nicht dicht gemacht*.

Momentan machen aber ziemlich viele Blogs dicht, insbesondere solche, die sich mit Fotografie beschäftigen. Und das ist sehr schade.

Gerade erst hab ich bei Facebook wieder eine Meldung gelesen, dass ein weiteres Blog die Pforten geschlossen hat. Und ich muss sagen, noch mehr betrübt als die Schließung des Blogs haben mich einige Reaktionen darauf…:

Ich muss in letzter Zeit immer wieder feststellen, das Internet kann ein ganz schön kalter und einsamer Platz sein.

Da teilen Leute ihre Erfahrungen, ihr Leben, ihre Bilder, ihre Musik und was weiß ich was alles, teilweise mit einem irrsinnigen Aufwand und ebenso großer Hingabe… und erstaunlich viele Zeitgenossen haben nix besseres zu tun als in diesen virtuellen Räumen die Fenster einzuschlagen, die Wände mit Fäkalien zu beschmieren und dem Eigentümer – wenn er dann nicht mehr kann und/oder will –  noch mal ein fettes “Fick Dich” an den Kopf zu werfen. Allüberall lauert der Shitstorm und die Hater sind kaum zu stoppen.

Ich könnte jetzt aus dem Nähkästchen plaudern was ich alles zu hören gekriegt habe, als Botany Bay mit “Piracy” zur Abwechslung (und glücklicherweise nur für kurze Zeit) plötzlich hundert mal mehr Publikum hatte als die sonst üblichen 200 treuen Fans. Werd ich aber nicht, denn das haben die Verantwortlichen nicht verdient. Nur so viel: Sensiblere Menschen/Bands hätte das problemlos dazu gebracht, einfach gar nix mehr zu veröffentlichen und alles auf Null runterzufahren.

Und irgendwie wundere ich mich. Woher kommt das? Warum müssen die Leute so sein?

Fragen, auf die vermutlich niemand eine Antwort hat…

 


* Aber es wird ne Weile dauern, bis hier wieder regelmäßig was veröffentlicht wird. Die traurigen Gründe gibt’s drüben bei Botany Bay zu lesen.

Musik und Fotografie

Musik und Fotografie

Langjährige Leser dieses Blogs wissen bereits, dass ich mich, was meine künstlerische Ader angeht, in erster Linie als Musiker sehe. Das ist das, was ich wirklich sein möchte, und ich bin es auch nach über zwanzig Jahren noch immer mit ungebrochener Begeisterung.

Daneben gibt es in meinem Leben – wie sich anhand dieses Blogs vermutlich erahnen lässt – natürlich auch noch die Fotografie. Und gerade in letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass es zwischen diesen beiden Disziplinen ganz enorm viele Überschneidungen gibt. Die ich hier in lockerer Folge behandeln werde, vorausgesetzt, das Interesse ist vorhanden (ansonsten verbringe ich meine Zeit auch gerne mit Fotografieren ;-))

1. Die “Equipment-ist-alles”-Fraktion

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Eigentlich wollte ich Politik hier ja rauslassen…

Eigentlich wollte ich Politik hier ja rauslassen...

…aber gerade geht es nicht mehr anders, wirklich.

Also, Leute, jetzt mal Klartext: Was soll diese ganze Aufregung über Wulff?

Dieses Volk lässt sich die ganze Zeit belügen, bevormunden und nach Strich und Faden verarschen.

Wenn nicht von Wulff, dann eben von dem Merkel oder von all den anderen Politikerdarstellern, und wenn nicht von denen, dann von der Springer-Presse, und wenn nicht von der, dann von den Banken und Finanzmärkten (die btw. diejenigen sind, die uns *eigentlich* regieren).

Zwischendurch regt sich das Volk dann ein bisschen (Springer-Presse-ferngesteuert, selbstverständlich) über die faulen Griechen auf oder wünscht sich den Guttenberg und seine hübsche Frau zurück weil das ach so fähige und nette Leute sind.

Panem Et Circenses, wirklich.

Was macht es da aus, ob der Wulff bei Springer anruft oder nicht? Der eine ist ebenso wenig wie 90% der anderen ein integrer Politiker, und das andere ist nun wirklich keine Presse… also was soll’s? Warum die Aufregung? Weil ein Lügner bei nem Verein von Hetzern und geistigen Brandstiftern anruft und sich beschwert, dass sie sich aus irgendwelchen Gründen (die wir übrigens niemals erfahren werden!) plötzlich nicht mehr lieb haben?

Jo, ich find’s auch lustig wie dieser Wulff emsig von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen springt, aber ganz ehrlich: Der Mensch hat (anders als Guttenberg damals) nichts zu sagen, wir haben ihn nicht gewählt, irrsinnig viele Leute wollten ihn überhaupt nicht als Präsident, und den größten Teil der Zeit ist er nicht weiter aufgefallen. Der Mensch ist kein Richard von Weizsäcker, er ist einfach nur ne arme Marionette, so wie viele andere Politiker auch.

Also stellt doch bitte was vernünftiges mit eurer Empörung an. Occupy Germany zum Beispiel. Oder bei der nächsten Wahl einfach mal jemand anders wählen. Dankeschön. Weitermachen.

Vom Blasen, Laub und Steuergeldern

Vom Blasen, Laub und Steuergeldern

Wer wie ich das unwahrscheinliche Glück hat, in Bonn nicht weit weg von Deichmanns Aue und dem zugehörigen Park zu wohnen, der kennt das Phänomen vermutlich:

Es ist im November/Dezember an einem Wochenende so gut wie unmöglich, Samstags morgens auszuschlafen. Vom Park aus beginnt um ca. 7 Uhr morgens ein höllischer Lärm, der sich normalerweise über die nächsten zwei Stunden hinweg zieht, bis dann spätestens gegen 10 eine wunderbare Stille eintritt.

Wer also ähnlich wohnt wie ich und sich schon immer gefragt hat, was zum Teufel da eigentlich los ist, der braucht nicht länger hadern – massenbelichtungswaffen.de ist da, um den Tag zu retten, Aufklärung zu betreiben und Gewissheit zu verschaffen!!!

Was nämlich passiert, ist ganz genau das, was oben im Bild (klick macht, wie immer, größer) zu sehen ist.

Weil so ein Foto ja nur ein schnödes zweidimensionales (und in diesem Fall vor allem: leises!) Abbild der Wirklichkeit ist, hier noch ein paar genauere Erläuterungen:

  • Ja, da sind tatsächlich fünf erwachsene Männer mit Laubbläsern und blasen das Laub in der Gegend rum. Aber nicht etwa von den Wegen runter (alle Wege sind vollkommen sauber), sondern nein, sie stehen mitten auf der Waldfläche und blasen sich das Laub gegenseitig zu. Erst auf die eine Seite der Waldfläche, dann wieder zurück auf die andere, und dann nochmal, und dann nochmal. Von 7 bis 10, wenn es sein muss.
  • Ja, zwei andere erwachsene Männer in seltsamen Fahrzeugen rasen mit eben diesen Fahrzeugen wie die Irren im Kreis um die anderen fünf erwachsenen Männer herum über Stock und über Stein und haben einen Heidenspass daran.
  • Nein, der Sinn des Ganzen erschließt sich nicht. Auch nicht bei längerer Beobachtung

Nun ja, eigentlich ist es mir egal, und wach bin ich inzwischen auch. Aber ich find’s trotzdem immer wieder äußerst erfrischend zu sehen, was man mit Steuergeldern so alles bewerkstelligen kann, wenn man sie sinnvoll einsetzt.

In diesem Sinne, schönen Samstag!

P.S.: Der Typ, der den Laubbläser erfunden hat, ist übrigens ein ganz großes Arschloch mit ernsthaften sexuellen Problemen. Ausserdem gehört er einer terroristischen Vereinigung an und ist nebenbei noch der gottverdammte Antichrist. Wollt’ ich nur mal vollkommen zusammenhangslos erwähnt haben.

Ging prima, ging gar nicht…

Ging prima, ging gar nicht...

Mit großen Schritten neigt sich das Jahr dem Ende zu… welch bessere Gelegenheit gäbe es da, einmal in sich zu gehen und zu lauschen, was im Jahre 2011 ging, und was im Gegensatz dazu gar nicht ging…

Ohne weitere große Vorrede… hier ist das, was bei mir rausgekommen ist:

Ging prima Ging gar nicht
  • Google+
  • mit riesigem Aufwand ein wunderschönes Video drehen, das keine Sau interessiert
  • Guttenberg, Guttenberg-Verharmloser und Guttenberg-Zurückwünscher
  • Ray Dunkle und “Reflections Of Darkness” (nee, die haben noch nicht mal nen Link verdient)
  • Leute, die mir ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht lügen
  • Leute, die mich ausnutzen
  • www.model-kartei.de
  • die ganze Zeit krank sein
  • X-Factor
  • auf den Ruf achten müssen

Und bei euch so?

Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy

Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy

 

In Ägypten ist es mal wieder so weit.

Gemeint sind nicht die Demonstrationen und blutigen Krawalle, sondern viel eher das Schicksal einer jungen Frau, die sich mit der allgegenwärtigen “Zensur von Wissen, Ausdruck und Sexualität” nicht länger abfinden möchte und auf ihre Art und Weise ein Zeichen gesetzt hat: Continue reading

“Viel zu krass”

Sie ist so um die 25, arbeitet im Irish Pub, ca. 200 Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt, hinter der Theke.

Sie ist nett, hat Ausstrahlung, und ist jede Woche abends immer mal wieder im absoluten Epizentrum der Aufmerksamkeit für durchschnittlich 50-100 zahlende Gäste, die regelmässig nach ihr schauen um was zu bestellen oder was zu bezahlen, oder um einfach mal nach ihr geschaut zu haben.

Auf die Frage, ob sie mal Lust hätte, von mir fotografiert zu werden, antwortet sie (nach Durchsicht dieses Blogs, vollkommen schockiert): ”Nee. Also… wirklich nicht… nee, das ist mir viel zu krass

Ich so (einigermaßen verwundert; ich hab schon jede Menge “Nein” zu hören gekriegt und kann damit sehr gut leben, aber das hier hat ne ganz neue Dimension): “Ok ok ok, nicht schlimm, es zwingt Dich niemand… aber es würd’ mich schon interessieren: Was ist denn so krass?

Sie so (immer noch schockiert, kopfschüttelnd): “Äh… nee… weiss nicht, das ist viel zu krass was Du da machst. Also, mach weiter, es ist schön und alles… und diese Frauen haben meinen totalen Respekt dafür dass sie das machen… aber… ich nicht, wirklich nicht.

…und lässt mich in einem Zustand amüsierter Ratlosigkeit zurück, der auch am Morgen danach noch anhält.

Hat sie statt meinem Photoblog aus Versehen eine Hardcore-Pornoseite mit Maschinen und Ausseridrischen mit Tentakeln besucht? Was genau müssen die Frauen bei mir machen, was so unglaublich krass ist? Oder werden wir vielleicht inzwischen von den Taliban regiert und ich hab’s einfach noch nicht mitgekriegt?

Fragen, auf die ich vermutlich keine Antworten bekommen werde. Aber ich würd’ mal sagen, Q.E.D. Ich denke, was ich hier geschrieben habe, hat sich gestern mal wieder volle Kanne bestätigt.

(Bild: “Madonna”, Model: Kathi; out of the box; hat mit der Geschichte nicht das geringste zu tun… ausser dass es, wie immer, viel zu krass ist… und total bewundernswert, dass jemand so etwas mit sich machen lässt ;-))