Goodbye, Lovers and Friends…

Goodbye, Lovers and Friends...

Liebe Leute, ich habe ein Problem. Ein Luxusproblem, zugegebenermassen, aber dennoch ein Problem.

Und zwar habe ich zu viele Blogs. Oder, besser gesagt, ich hatte zu viele Blogs… denn gerade bin ich dabei, aufzuräumen.

Irgendwie habe ich das Gefühl (korrigiert mich, wenn ich falsch liege), dass sich massenbelichtungswaffen.de überlebt hat. Das Blog war gedacht als Visitenkarte für meine fotografischen Aktivitäten, von denen Menschenfotografie einen ganz grossen Teil abzudecken pflegte.

Das mit der Menschenfotografie hat sich inzwischen weitestgehend erledigt. Bitte versteht mich an dieser Stelle nicht falsch –  ich bin nicht eingeschnappt oder verärgert oder verbittert oder enttäuscht, es hat sich nur einfach die letzten Jahre über so ergeben; ich hätte es zwar gerne anders gehabt, aber ich habe ein Alter erreicht, in dem mir andere Dinge wichtiger sind und die Model-Akquise, insbesondere in unserer schönen neuen Online-Welt (siehe auch hier und hier), zu seltsam und mühsam geworden ist

Als Konsequenz daraus nahm die Frequenz meiner Postings hier in den letzten zweieinhalb Jahren deutlich ab – und selbst als ich wieder (zugegebenermaßen ‘andere’) Fotografien hier veröffentlichte, so mischte ich es doch sehr gerne mit ‘normalem’ Blogging über die Dinge, die mich bewegen, oder ich hätte es oft gerne mit ‘normalem’ Blogging gemischt, hatte aber im Hinterkopf, dass es sich hier doch immer noch hauptsächlich um ein Fotoblog handelt.

Tja, und mit der Musik geht es mir so ähnlich. Mein langjähriges Projekt, Botany Bay, hat sich aus diversen unschönen Gründen aufgelöst… und ich bin gerade dabei, mich musikalisch neu zu finden. Aber auf meinem alten Botany-Bay-Blog darüber zu berichten, schränkt mich ein und erinnert mich immer wieder daran, was eigentlich vorher war und nicht mehr ist.

Tja, und deshalb habe ich jetzt ein mehr oder weniger neues Blog, schallundstille.de, wo ich versuche, alle Aspekte meines kreativen Schaffens (und alles andere drum herum) zu behandeln, statt dass ich mich hier zwei-, drei- und vierteile und doch irgendwie eingeengt bin.

Daher hier mein Vorschlag/Plan: Ich lasse massenbelichtungswaffen.de ebenfalls sein, und mache drüben auf Schall und Stille weiter. Da drüben wird es ebenfalls Bilder geben, nur wird’s halt auch alles andere geben, was mir so in den Sinn kommt.

Bin auf Feedback gespannt.

Sehr schwer

Sehr schwer

Ohne in die Tiefe gehen zu wollen (oder auch nur zu können), ich hab bisher an diesem Wochenende so viele Dinge erlebt, von Schicksalen erfahren, Erinnerungen einerseits weggeworfen und andererseits gerettet… puh.

Es wird mir sehr, sehr schwer fallen, nächste Woche irgendwelche Banalitäten des Alltags ernst zu nehmen.

Sehr, sehr schwer.

Alte Jagdgründe

Alte Jagdgründe

Es ist schon ein seltsam einsames Gefühl.

Jetzt, nachdem meine Eltern beide tot sind, die alten Jagdgründe wieder zu besuchen, allein, ohne Begleitung von Frau K.

Die Plätze meiner Jugend. Plätze an denen man mit Freunden war, die inzwischen alle ebenfalls weit weg gezogen sind. Plätze, von denen es klar war, man würde immer hier sein. Man würde immer hier am Ufer sitzen und picknicken. Man würde immer weiter hinten im Baggersee schwimmen. Man würde immer hier Musik machen…

Die Menschen hier zu sehen, mir unbekannte Menschen, die Gesichter. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Einzelne und Paare, jeder für sich eine Geschichte. Jeder für sich ein Teil einer Geschichte davon was hätte sein können.

Was hätte sein können, wenn ich hier geblieben wäre.
Was hätte sein können, wenn ich andere Entscheidungen getroffen hätte.
Was hätte sein können, wenn meine Eltern andere Entscheidungen getroffen hätte.

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Ich beklage mich nicht. Ich habe grösstenteils ein sehr schönes Leben, ich trauere dem hier nicht hinterher.

Und trotzdem fühlt es sich eben seltsam und einsam an, dieses andere Leben, das hätte sein können, verbunden mit dem Leben meiner Eltern, das sie sich so anders vorgestellt hatten und das so traurig enden musste.

Wird Zeit, dass ich wieder nach Hause komme. Nur noch heute, und morgen ziehen dann sechs neue Schildkrötenmitbewohner auf der K-Burg ein. Ich freue mich darauf.

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Der Alpha-Blues (oder: Erfahrung vs. unbedingt krassen neuen Shit machen müssen)

Der Alpha-Blues (oder: Erfahrung vs. unbedingt krassen neuen Shit machen müssen)

Ich war die letzten Tage ja hauptsächlich mit meiner alten Sony Alpha 850 unterwegs, und da ist mir eines mal wieder aufgefallen:

All die nervigen kleinen Probleme, mit denen die Sony A7 geplagt ist und die zumindest mich immer wieder verzweifeln liessen*, die hatte Sony nur wenige Jahre zuvor noch allesamt perfekt im Griff:

  • Die Alpha 850 startet sofort und ohne spürbare Verzögerung, egal ob eine neue Karte oder Batterie eingelegt wurde,
  • Alle Knöpfe und Räder sind deutlich spürbar und haben einen definitiven “Klick”, wenn man sie bedient… und man betätigt auch kein fiddeliges Rädchen aus Versehen und leitet damit unbeabsichtigt ein Helene-Fischer-Konzert ein
  • Der AF-Punkt lässt sich unmittelbar und direkt mit dem Joystick bewegen.
  • Der Fotograf hat selbstverständlich die Wahl zwischen RAW und CRAW
  • Alle wichtigen Funktionen (Belichtungsmodus, AF/AEL, Spotmessung, manueller Fokus) sind mit praktischen “analogen” Bedienelementen direkt mit dem rechten Daumen erreichbar,
  • mehr noch, sie sind haptisch so gestaltet, dass man nach wenigen Griffen zuverlässig weiss, wo man ist, und dies auch nie wieder vergisst,
  • Die Menüs sind nüchtern und übersichtlich gestaltet, es gibt keinen “automatischen Ausschnitt wählen” oder “App Store”(!!) oder “Soft Skin Portrait”(!!!) oder sonstigen Scheißdreck, der das Hauptmenü vollmüllt und in einer professionellen Kamera nix zu suchen hat,
  • Die Belichtungsautomatik generiert vernünftige Zeit/Blenden-Kombinationen. Kein “Blende 4, 1/60s”-Wahnsinn bei Objektiven, die eigentlich zu viel mehr in der Lage sind,
  • Das AF-Hilfslicht ist so positioniert, dass es nicht von großen Händen am Griff verdeckt werden kann,
  • Das Betriebssystem ist schnell und ausgereift. Man hat niemals das Gefühl, auf etwas warten zu müssen,
  • Keine seltsamen “Vorschau kann nicht angezeigt werden” Meldungen weil (so vermutet man in einschägigen Foren, aber man weiss es nicht sicher und der Konzern schweigt natürlich) die Speicherkarte zu langsam ist,
  • Keine minutenlangen “Die Datenbank muss repariert werden”-Meldungen, wenn man den Frevel begangen hat, die Speicherkarte in einer anderen Kamera gehabt zu haben,
  • und, und, und, und…

Das alles drängt natürlich die Frage auf, was zwischen der 850 und der 7er-Serie eigentlich katastrophales im Hause Sony passiert ist.

Das ganze Know-How war schon mal da. Die 850 ist der lebendige Beweis dafür, dass die praktischen Bedürfnisse von Fotografen bei Sony einst sehr ernst genommen wurden.

Wie konnte es passieren, dass all das verloren ging?

Nun ist die Alpha 850 ja noch sehr verwandt mit den Dynax-Kameras von Minolta (deren Kamerasparte Sony sich einverleibt hatte). Ich möchte daher an dieser Stelle die Hypothese** aufstellen, dass man sich der alten Minolta-Leute, sei es nun Management oder Engineering, nach und nach entledigte, weil man es irgendwie ‘selbst schaffen wollte’.

Dass plötzlich statt erfahrener und alteingesessener Ingenieure und Manager ein junges, hippes Team die Leitung übernahm, das alles besser machen und der Welt etwas beweisen wollte.

Und tatsächlich sind die A7-Kameras technisch ganz weit vorn. Wenn es also ausschließlich darum ging, zu beweisen, wer den Längsten hat (bzw. den neuesten und geilsten Sensor verbauen kann), dann hat das alles prima geklappt.

Ansonsten aber nicht. Die Seele, die damals mit Minolta eingekauft wurde, finde ich in der A7 nirgends. Tatsächlich finde ich überhaupt keine Art von Seele darin.

Daher wäre mein dringender Rat an Sony:

  1. Verdonnert die neuen Leute dazu, ein Jahr lang mit ihren eigenen Kameras fotografieren zu müssen. Ohne Gnade.
  2. Währenddessen, holt euch die alten Minolta-Leute zurück. Dann entschuldigt euch artig bei ihnen und erhöht ihr Gehalt. Und zwar ordentlich.
  3. Vertragt euch. Trinkt ein Bier zusammen. Oder von mir aus auch mehrere.
  4. Und dann baut bitte zusammen endlich wieder eine Alpha-Kamera, die es wert ist, diesen alten und stolzen Namen zu tragen.

Ich kauf’ sie auch, versprochen.


* natürlich ist das alles nur meine Meinung. Ich kenne Leute, die mit der A7 prima glücklich sind und wunderbare Fotos damit machen, und das ist auch vollkommen ok so. Für mich war die Kamera halt nichts, u.a. aus den dargelegten Gründen.

** tatsächlich kenne ich solche Sachen ja auch aus meiner professionellen Laufbahn, sogar von beiden Seiten. Irgendwo neu anzufangen und alles anders und neu und hip machen zu wollen ist mir genau so geläufig wie irgendwo zu kündigen und zuschauen zu müssen, wie die Nachfolger einen ganz enormen Haufen Grütze bauen…

Das Kreuz mit den Sternchen

Das Kreuz mit den Sternchen

(Bild: Frau K.)

Eigentlich sind wir – das heisst, Frau K. und ich – wahrlich schon lange genug im Internet unterwegs, um einigermaßen gut gegen die kleinen und großen Enttäuschungen des Publizierens im WWW gewappnet zu sein.

Gemeint ist hier vor allem die Tatsache, dass die Quantität des Feedbacks – seien es nun Sternchen auf Flickr oder Herzchen auf Twitter oder “Likes” auf Facebook oder was auch immer irgendwo sonst – keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität des jeweiligen Inhalts zulässt.

Ebensowenig wie die Anzahl der Besuche auf einem Blog oder gar die Anzahl an “Followern” auf Twitter – wie beispielsweise mein guter Freund Lothar R. sehr eindrucksvoll zu beweisen weiß.

Frau K. und ich waren schon auf fotocommunity.de, als diese noch eine kleine unscheinbare Klitsche in Bonn war und der selige Agfa Box noch unter uns weilte. Wir waren schon mit unseren ersten Accounts auf Flickr angemeldet als es gerade mal aus seiner Eigenschaft als Bestandteil von Game Neverending herausgewachsen war und noch lange nicht Yahoo gehörte.

Wir können wirklich mit Fug und Recht von uns behaupten, dass wir alt genug sind. Dass wir wissen wie es funktioniert mit Sternchen und Likes und Galerien und Explore* und all dem Blödsinn, und dass man sich davon gar nie niemals nicht beeinflussen lassen sollte.

Trotzdem passiert es uns immer wieder. Normalerweise passiert es mir… aber am Osterwochenende war Frau K. dran und stellte sich die Sinnfrage – warum man überhaupt Dinge im Netz veröffentlicht, wenn jedes inhaltsleere 08/15-Lifestyle-Blog** und jeder getwitterte Pups potentiell mehr Aufmerksamkeit erfährt als das, was man selbst kreativ erschafft.

Und da ich sehr gut weiss wie sich sowas anfühlt (und wie blödsinnig es im Endeffekt ist), tut es mir umso mehr weh wenn ich das bei jemandem mir nahestehendem beobachte.

Deshalb möchte ich Dir an dieser Stelle selbst und persönlich die Antwort geben, die Du ja eigentlich schon kennst, liebe Katja:

Wir tun es zuallererst für uns.

Und dann natürlich für die wenigen aber dafür umso tolleren Menschen, die uns eben doch folgen und beobachten und sich an unseren Werken erfreuen.

Wir und die sind es wert, allemal.

Und nicht die Massen, die auf als “Lifestyle-Blogs” getarnten Werbeschleudern irgendwelche Affiliate-Links klicken und konsumieren was das Zug hält, auf Fotoseiten nach dem nächsten schnellen HDR/InstagramFilter-Kick suchen oder aufs Sternchen drücken weil/damit bei ihnen auch aufs Sternchen gedrückt wurde/wird. Die haben unsere Sehnsucht überhaupt nicht verdient.

Und weil das so ist gibt’s heute auf massenbelichtungswaffen.de ein Bild von Katja, das auf Flickr komplett und gnadenlos untergeht… das mich persönlich aber ganz enorm anspricht und mich in meiner Überzeugung bestärkt, mich nicht von Sternchen auf Flickr oder sonstigem digitalem Feedback beirren zu lassen.


* Zugegebenermaßen hab ich auf flickr auch ein paar Bilder “in Explore”. Aber meine besten Werke sind das natürlich nicht, und das ist auch gut so (und bestätigt meine Aussage einmal mehr).

** Damit wir uns nicht falsch verstehen: Von mir aus darf der ganze Lifestyle-Affiliate-Werbeblödsinn ruhig existieren, aber es ist echt unglücklich und unpassend, das ebenfalls als “Bloggen” zu bezeichnen. Man bräuchte da m.E. einen neuen Begriff, das würde schon einiges wieder gut machen.

Das ist übrigens so ähnlich wie das Spekulieren mit Aktien. Von  mir aus darf es das ruhig geben. Aber dass das, was dabei rumkommt auch “Geld” heisst und das gleiche kauft wie das, was man mit ehrlicher und harter Arbeit verdient, das ist m.E. einfach nicht fair und nicht passend. Aber ich schweife ab…

Neues aus der Nazikneipe (oder: OCOLOY #20)

Neues aus der Nazikneipe (oder: OCOLOY #20)

In letzter Zeit finde ich mich öfters in der Situation wieder, mich für meinen Ausstieg aus Facebook zu rechtfertigen.

Ich bin vor einiger Zeit raus, weil ich all den BesorgteBürger/Asylkritiker/Nazi/Vollpfosten-Hass nicht mehr länger ertragen konnte und wollte.

Wegschauen löst das Problem nicht“, ist ein Satz der dazu gerne fällt, und “es ist wichtig, diesen Leuten Widerstand zu bieten“.

Stimmt beides zu 100%. Und trotzdem ist es meiner Meinung nach auf Facebook nicht in dem Maße anwendbar wie auf die “richtige” Offline-Welt.

Tja, und da es in letzter Zeit wirklich gehäuft passiert, dass ich was dazu sagen muss, dachte ich mir, ich kann auch gleich was darüber bloggen. Continue reading

Fotolinktipp

Fotolinktipp

Eines der zahlreichen seltsamen Phänomene im Internet ist es, dass sich viele Menschen ohne mit der Wimper zu  zucken als “Künstler” bezeichnen.

Gerade bei Fotografen ist es überaus beliebt, irgendwas mit Kunst in den Nom de Guerre zu packen, am besten auf Englisch und/oder in CamelCase, weil’s dann noch progressiver daherkommt. Und so tummeln sich auf den Fotografen- und Modellplattformen dieses Netzes allerlei Leute mit so wohlklingenden Namen wie “Digital Dreams ART” oder “BeautyPortrait-FotoKUNST” oder “Markus Hummer’s GothicArt” oder wie auch immer. Und wem das nicht peinlich genug ist, der erklärt auf seinem Blog anderen Leuten was Kunst ist und was nicht, oder er schreibt über sich im Impressum, dass er Kunst lebt und atmet.

Vielleicht bin ich einfach nur zu altmodisch, aber ich war immer sehr vorsichtig und zurückhaltend mit der masturbatorischen Anwendung des Kunstbegriffs, sowohl bei der Fotografie als auch bei der Musik. Ob ich ein Künstler bin, das sollen andere entscheiden; ich mache einfach was ich mache.

Dummerweise belohnt das Internet vorzugsweise diejenigen, die am lautesten schreien und sich am grellsten präsentieren… dazu braucht es keine Kunst. Und deshalb ist es auch oft so, dass wahre Kunst gnadenlos untergeht.

Ich möchte mich an dieser Stelle wirklich nicht zum Sachverständigen darüber aufspielen, was wahre Kunst ist. Aber wenn es irgendeinen meiner Kontakte gibt den ich in Bezug auf Fotografie als Künstler bezeichnen würde, dann ist es Klaus Baum.

Was er an Ausdruck, Tiefe und Emotion in seine Portraits packt, das ist schlicht und ergreifend einzigartig. Es ist mitnichten die millionenfach gesehene Art von Ausdruck und vermeintlicher Tiefe, die nur effekthaschend an der Oberfläche vorhanden ist und bei näherer Prüfung ganz schnell verpufft… sondern es ist die Art von Ausdruck und echter Tiefe, die erst wirkt, wenn man das Bild mal eine zeitlang betrachtet hat. Dann aber mal so richtig.

Klaus’ Bilder berühren einen, lassen einen nicht mehr los… und verführen dazu, in ihnen zu suchen… nach einem Echo, nach einer Geschichte, nach einer Konsonanz.

Im Vergleich zu Klaus bin ich ein elender Stümper und unwürdig, überhaupt nur diesen Artikel hier zu schreiben.

Trotzdem ist es so, dass er kaum mal Kommentare auf seinem Blog bekommt. Und drüben bei Facebook war es genau so… er konnte noch so geniale Dinge posten, mit ein paar traurigen ‘Likes’ und null Shares war immer ganz schnell das Ende der Fahnenstange erreicht (ich weiss nicht, ob es irgendwann besser wurde… ich bin ja nicht mehr auf Facebook).

Sein Fotoblog hat Klaus seit 2013 nicht mehr weitergeführt… ich weiss nichts über die Gründe, aber ich weiss dass es kriminell wenige Leute interessiert hat.

Ein Grund, dort jetzt sofort vorbei zu schauen.

P.S.: Ich bin Klaus Baum bisher nur einmal begegnet, das war vor Jahren in Kassel auf einer Wohnzimmer-Vernissage eines Künstlerpaares. Ich habe keine Ahnung ob er das gut findet was ich hier schreibe, und ob es ihn überhaupt stört, nicht das Publikum zu haben, was er haben sollte, oder ob er das überhaupt so sieht. Egal. Ich musste das jetzt einfach mal loswerden.

P.P.S.: OCOLOY geht wie geplant am 1. Februar los.

White Wedding

White Wedding

Die Erwähnung von Hochzeiten in einem Kommentar auf mein letztes Posting hat tatsächlich dazu geführt, dass ich noch ein paar bisher unveröffentlichte Bilder auf meiner Festplatte ausgegraben habe (daher: Danke, Bettina ;-)).

Es ist nämlich so, dass wir 2015 auf einer Hochzeit waren, und da haben wir auch Bilder gemacht. Allerdings weniger von der Hochzeit selbst, als vom Drumherum.

Ich bin wirklich nicht der Mensch für Hochzeiten, und die Hochzeit an sich war für mich und meine Begleiter aus diversen Gründen zeitweise eine eher unangenehme Angelegenheit (ich habe schon hier mehr darüber geschrieben, deshalb möchte ich meine Ausführungen über sich-schick-machen und jemand-darstellen-müssen-der-man-nicht-ist hier nicht nochmal zum Besten geben…)

Aber das Drumherum, die Fotos, die ich davor bei einer Exkursion um unsere Unterkunft herum gemacht habe, die erzählen für mich irgendwie eine eigene, durchaus interessante Geschichte… die ich jetzt auch gar nicht mit mehr Worten kommentieren möchte.

Hier sind die Bilder:

OCOLOY: Warum?

OCOLOY: Warum?

Sony ILCE-7 + FE 55mm f1.8 ZA

Die letzten drei Jahre waren alles andere als leicht für mich.

Ich habe Vater und Mutter verloren (letzteres ist gerade mal einen Monat her, und es lässt sich noch immer nicht in Worte fassen, wie sich das anfühlt, weswegen ich es hier auch gar nicht versuchen werde), ich habe durch eine Firmenpleite meinen absoluten Traumjob verloren, ich habe eine Band verloren die mir unendlich viel wert war, und ich habe einen kleinen schwarzen Hund verloren den ich über alles liebte…

Wenn mir das Leben so einen enormen Haufen Scheißdreck hinwirft, dann reagiere ich – unter anderem – leider oft damit, dass ich mich zum Trost wildem und ungehemmtem Konsum hingebe. Und so wuchs in den letzten drei Jahren meine Photographica-Ausstattung auf bis dahin ungeahnte Ausmasse an. Continue reading

Machen!

Machen!

Sony Alpha 850 + Minolta AF 28mm/2.8

Drei Rückmeldungen hier im Blog und ganze zwei auf Twitter (yayy, mein persönlicher Twitter-Rekord, wenn es um Kunst™ geht)… ok, das reicht mir schon.

Ihr habt es geschafft.

Ihr werdet dieses Fotoblog nicht los.

Aus organisatorischen Gründen wird das neue Projekt (von dem ich schon sehr bald mehr erzählen werde) hier auf dem Blog erst im Februar 2016 starten.

Aber bis dahin gibt’s jetzt schon mal ein neues, einfacheres Design… und neue Bilder.

Viel Spaß damit.

Ein Projekt, ein Projekt?

Ein Projekt, ein Projekt?

 

Tja, jetzt ist mein letzter Eintrag schon wieder ein halbes Jahr her. Und in diesem halben Jahr ist mehr passiert, als man in einem Blogeintrag zu berichten nachholen könnte.

Tatsächlich ist dieses Fotoblog ziemlich im Dornröschenschlaf. Was auch nicht wirklich wundert… menschliche Modelle fotografiere ich (aus Gründen) kaum noch, und für meine anderen fotografischen Aktivitäten habe ich mit meinem flickr-Account und dem 7gebirge-Blog (das ich zusammen mit Frau K. betreibe) genügend andere Outlets.

Jetzt spiele ich allerdings mit dem Gedanken an ein neues fotografisches Projekt, das ich 2016 gerne machen würde. Das heisst, ich spiele nicht wirklich mit dem Gedanken, ich werde es definitiv machen.

Die Frage ist nur, ob ich das Projekt auch hier im Fotoblog stattfinden lassen werde. Von der Struktur her würde es passen, und es hätte auch das Zeug dazu, im neuen Jahr hier wieder Leben in die Bude zu bringen!

Das würde sich für mich aber nur lohnen, wenn hier noch ein paar Leute mitlesen. Daher bitte ich jetzt mal kurz diejenigen, die noch dabei sind, um ein kurzes Handzeichen. Je nachdem was da kommt werde ich mich dann für die eine Richtung entscheiden, oder für die andere. ;-)

Vielen Dank.

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Fortschritte und Rückschläge

Fortschritte und Rückschläge

Also um das mal gleich vorweg zu nehmen:

Der Samstag war ein Tag für die Götter. So ein richtig schöner, genialer Frühlingstag, an dem einfach alles stimmte. Obwohl wir einiges auf dem Plan hatten (morgens: Hundeschule, abends: Fototour in der Bonner Altstadt und die ersten Kirschblüten einsammeln), verlief alles prima, unkompliziert, friedvoll und ohne Probleme.

Buba gewöhnt sich allmählich ein bisschen mehr an das Auto… sie hat immer noch Stress darin, aber mittlerweile sind wir gottseidank so weit, dass sie nicht bei jeder Fahrt reinkotzt. Und in der Schule machen wir und sie große Fortschritte. Ja, es ist noch ein langer Weg, aber wir gehen ihn gerne, und wir lernen gerne immer wieder etwas dazu.

So große Fortschritte, dass wir es Buba am Nachmittag gar zum ersten Mal erlaubten, unsere Terrasse (und den Garten) ohne Schleppleine zu betreten. Es lief erstklassig, sie war die aufmerksamste Hündin der Welt, wich kaum mal von unserer Seite, und lernte die Terrasse als neues Lieblingsplätzchen kennen.

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Wie gesagt – es war ein Tag für die Götter.

Frau K. und ich konnten uns richtig toll entspannen, und ich denke tatsächlich, wenn wir jetzt noch 3472 solche Tage direkt hintereinander hätten, dann würde das all den Scheiß der letzten zweieinhalb Jahre allmählich wieder gutmachen.

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Abends ging es dann in die Altstadt. Ein Kollege hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Kirschblüte schon in vollem Gange ist, und dass man da unbedingt hinmüsste um das fotografisch festzuhalten.

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Nun ja, in vollem Gange ist sie nicht. Es blühen vielleicht 20 von 200 Kirschbäumen in der Bonner Altstadt. Trotzdem war es sehr nett, mal wieder raus zu kommen und ein bisschen Stadtluft zu schnuppern. Und bei der Gelegenheit gelangen uns sogar ein paar sehr nette Streets, von denen ich zu gegebener Zeit hier ein paar ausstellen werde.

Tja, wenn der Samstag schon so toll ist, was soll am Sonntag dann groß schiefgehen? Nee, weit gefehlt, leider. Denn schon früh morgens ging es damit los, dass wir mit Buba wieder in den Garten rausgingen… nur war sie dieses Mal nicht so sehr interessiert an uns, sondern viel mehr an einem kleinen Trampelpfad im Gebüsch, das offensichtlich von allen möglichen Mäusen, Katzen, Mardern, Igeln, Füchsen, Wildschweinen und sonstigem Getier (nicht lachen, all die gibt’s tatsächlich bei uns) als Schnellstraße in Nachbars Garten benutzt wird, inklusive dem riesigen Loch im Zaun, das sich für uns bisher unbemerkt dahinter befand.

Lange Rede, kurzer Sinn, Bubas Jagdtrieb war geweckt, und dieser ist mit der Hauptgrund warum wir die Hundeschule machen – denn ist es erst mal so weit, so existieren wir für sie nicht mehr. Es existiert nur noch das Loch im Zaun und die andere Seite und all die begehrenswerten Gerüche, und schwupps war also Buba bei den Nachbarn und wir glotzten blöd aus der Wäsche.

Wehe, wenn sie losgelassen :-)

Wehe, wenn sie losgelassen :-)

Was dann also passierte: Herr K. lernte flugs mal alle Nachbarn kennen, die er bislang nicht kennengelernt hatte (es sind große Häuser mit großem Garten hier, und alle liegen sie am Berg bzw. Waldrand… teilweise ist gar nicht so einfach, rauszukriegen, wem welches Grundstück gehört), während Frau K. die unangenehme Erfahrung machen musste, dass ihr Hund auf nichts mehr reagierte, was man ihm vorher in mühsamer Kleinarbeit beigebracht hatte… und schließlich selbst über den Zaun kletterte, um Buba wieder zu bekommen.

Mit gemeinsamen Kräften und netter Hilfe der Nachbarn fingen wir also unseren Hund wieder ein, und ich trug ihn den Berg zum Haus hoch. Hatte ich schon erwähnt dass ich in letzter Zeit Rückenprobleme habe? Hatte ich schon erwähnt, dass es 300m tüchtige Steigung bis zu unserem Haus sind? Hatte ich schon erwähnt, dass Buba 18kg wiegt und sich beim Tragen doppelt so schwer macht?

Oben angekommen hatte ich also keinen Rücken mehr, prima Sache. Tja, und Buba wurde wohl oder übel wieder zur Schleppleine verdonnert, bis sie besser und zuverlässiger hört. Was ihr allerdings glücklicherweise nicht viel ausmacht.

Dann eben doch wieder so.

Dann eben doch wieder so.

Noch ein Foto von dieser Konstellation möchte ich gerne teilen, weil es damit etwas sehr Besonderes auf sich hat:

Gleich passiert es...

Gleich passiert es…

Was das Besondere sei, wird sich der geneigte Leser an dieser Stelle vielleicht fragen. Nun ja, ganz einfach. Just nachdem ich, vor Buba auf der Terrasse liegend, dieses Foto machte, löste sich der Sonnenschirm aus seiner Verankerung (zu sehen im Foto oben drüber) und bohrte sich 3cm neben meinem rechten Auge in den Terrassenboden. Ähem. Buba war ein wenig erschrocken, ich tatsächlich noch mehr.

Es war an dieser Stelle (bzw. ein wenig später, als auch noch einer meiner geliebten antiken Computer in meiner antike-Computer-Sammlung den Geist aufgab), dass ich vom Tag durchaus genug Warnschüsse abbekommen hatte, um mich vorsichtig zu stimmen und meine Bereitschaft für Unternehmungen deutlich zu dämpfen.

Trotzdem folgten wir später am Abend der Einladung einer Bekannten, doch mal wieder vorbeizuschauen (wir hatten uns lange nicht gesehen).

Und so nahm das Unglück zum vierten Mal seinen Lauf…

Die Ruhe vor dem Sturm...

Die Ruhe vor dem Sturm…

Denn dort befand sich zu Besuch ebenfalls ein Pärchen mit einem kleinen Hund. Ich will jetzt nicht weiter in die Tiefe gehen was da passierte und wer “schuld” war (es waren beide) – auf jeden Fall gab es eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Hunden, und das wäre eigentlich der Punkt gewesen, an dem ich normalerweise dazwischen gehe und Buba sehr bestimmt in eine andere Richtung bewege.

Nur dass ich in diesem Fall nicht die Chance dazu hatte, denn der Besitzer des anderen Hundes tat etwas, womit ich nicht gerechnet hatte, und was mich eine zeitlang ziemlich perplex zurück ließ (in der Tat brauchte ich bis heute morgen, um mir darüber klar zu werden, dass es vollkommen daneben war).

Nämlich dieses: Er brüllte wie am Spieß, drosch mit dem Karabinerhaken seiner Hundeleine wie ein Besessener auf den Boden, verjagte somit Buba ins andere Zimmer, und, damit nicht genug, rannte ihr auch noch hinterher und brüllte und schrie und zeterte weiter, während seine Frau die ganze Zeit beschwörend auf ihn einredete (was mich vermuten lässt, dass so was öfter vorkommt und nicht auf Hunde beschränkt ist).

Hm ja.

Auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, dass man seinen Hund liebt und irgendwie gerne beschützen möchte, so ist mir nicht im geringsten klar, wozu so ein Verhalten gut sein soll, wie man überhaupt nur auf die Idee kommen kann so was sei in irgend einer Weise zielführend, und wo man so einen Mist im 21. Jahrhundert noch lernt. Vielleicht in “St. Brutus Extra-Aggro-Schule für unnötige Gewalt und Vollpfosten-Erziehungsmethoden, jetzt mit instant Hundetraumatisierungs-Garantie!”

Und ja, ich nehme alles zurück: Das mit dem Sachkundetest für die Hundehaltung (den ich machen musste um Buba halten zu dürfen) ist vielleicht doch keine so bescheuerte Idee. Vielleicht sollte man den sogar verpflichtend machen, für alle Hundehalter, und zwar EU-weit. So schnell kann man seine Meinung ändern. Und wäre meine Stimmung nicht eh schon im Eimer gewesen, spätestens jetzt hätte sie den absoluten Nullpunkt erreicht.

Naja, wir lernen daraus, dass Buba und wir noch viel zu lernen haben. Und dass man nicht übermütig werden sollte, nur weil das Leben mal einen Tag lang alles wie am Schnürchen laufen lässt.

Lieber Papa,

Lieber Papa,

jetzt bist Du schon seit über einem Jahr nicht mehr da.

Am 2.12 wäre es ein Jahr gewesen, aber Du warst nie einer für das Feiern von Jubiläen, und genau so wenig bin ich es. Vor allem nicht dieses Jubiläum.

Überhaupt bin ich Dir ziemlich ähnlich, ähnlicher als ich es lange Zeit zugeben wollte.

Gerade passiert in meinem Leben wieder Einiges, was mir das ganz deutlich zeigt. Ehemalige Mitstreiter wenden sich ab und gehen neue, eigene Wege… und ich kann mich nur allzu deutlich erinnern, wie das bei Dir immer war, wenn so etwas passierte. Wie fürchterlich enttäuscht Du warst, wie bitter, und wie Du tage-, monate- und jahrelang vor Dich hingrummeln konntest, dass ihnen das irgendwann schon noch leid tun wird und dass sie irgendwann schon kapieren werden dass mit Dir zusammen zu arbeiten das Allergrößte war, und dass sie schon merken würden, dass einem so etwas vom Leben nicht zweimal geschenkt wird…

Sie haben es nie gemerkt.

Und Du wurdest unglücklicher und unglücklicher.

Ich merke deutlich, ganz entfernt und im Ansatz habe ich Tendenzen dazu, so ähnlich zu reagieren. Und dann denke ich an Dich, denke traurig daran, was es aus Dir gemacht hat, und wie es alles endete. Wie Dich Idealismus und Kompromisslosigkeit einsam machten… so einsam, wie ich es nie, nie, nie werden möchte.

Und deshalb werde ich die Freude am eigenen Leben und Wirken und Tun ganz weit über die schmerzhafte Einsicht stellen müssen, dass andere Menschen von mir überhaupt nicht geteilte Vorstellungen von der Welt haben oder eben selbst die heiße Herdplatte anfassen werden, ohne sich jemals dafür zu bedanken dass ich jahrelang vor heißen Herdplatten gewarnt habe. Das ist ganz natürlich, ja, aber für einen Kleinert hin und wieder echt schwer zu packen.

Du weisst es, Du konntest es bis zum Schluss nicht packen.

Doch war alles nur schlecht? Natürlich nicht. Und, kann ich darüber überhaupt urteilen? Nö, kann ich nicht. Ich lebe ein ganz anderes Leben als Du es gelebt hast; Deine Schuhe hätte ich mir niemals anziehen können, und auch wenn ich mir sehr viele Scheiben von Dir abgeschnitten habe, ab und zu hätten es gerne noch ein paar mehr sein können.

Weisst Du noch, wie mein Ex-Vermieter mich hat ausbluten lassen mit der alten Wohnung? Wie er drei Monatsgehälter von mir wollte, nur weil die Wohnung nach vier Jahren in exakt dem gleichen Zustand war, wie ich sie übernommen hatte? Du hättest das alles ganz anders gelöst. Du hättest gleich am Anfang Fotos von der Wohnung gemacht, hättest ihn mit deutlichen Worten damit konfrontiert und wenn er sich nicht benommen hätte, dann hättest Du ihm, wenn’s sein muss über Jahre hinweg, die Beine unter dem Arsch weggeklagt. Ich wurde erst stinksauer und drohte mit dem Anwalt, als er auch noch seine (selbstverständlich ebenfalls schon immer kaputte) Fensterbank von mir erneuert haben wollte. Da war es aber zu spät, und die andere Kohle war schon weg. Ich hätte mir gewünscht, da ein bisschen mehr von Dir gehabt zu haben.

Oder weisst Du noch, dieser Job, den ich mal hatte? Wo ich mir Tag für Tag den Arsch bis zum Anschlag aufgerissen habe ohne jemals ein Wort des Dankes oder der Anerkennung zu bekommen, nein, im Gegenteil? Wo ich zum Schluss nur noch krank und kaputt war? Du hättest das nicht mit Dir machen lassen, Du hättest schon bei den ersten Anzeichen von ungerechter Behandlung getobt und gezetert und infolgedessen wohl auch schon nach spätestens zwei Jahren gekündigt… aber nicht ich. Ich klemmte den Arsch zusammen und hielt weitere drei Jahre aus, bis ich mir selbst nicht mehr sicher war, ob ich überhaupt noch zu irgendwas gut war.

Du siehst, es ist nicht nur so dass Du mir jetzt fehlst. Du hast mir schon gefehlt, als Du noch gelebt hast.

Schade, dass ich das damals nicht gemerkt habe

Das Problem hätte man verdammt leicht und verdammt viel, viel öfter lösen können.

 

Liebe Model-Kartei…

Liebe Model-Kartei...

Liebe Model-Kartei,

wir wissen es beide… es war nie einfach zwischen uns. Und inzwischen finde ich, es trennen uns einfach zu viele fundamentale Unterschiede, als dass es noch länger Sinn hätte, unsere Beziehung weiterhin aufrecht zu erhalten. Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, nach Absetzen dieses Postings mein Profil bei Dir endgültig zu löschen.

Schluss machen ist meistens für den einen der beiden Beteiligten schwieriger als für den anderen. Und da es für mich gerade sehr leicht, schön und befreiend ist, nehme ich an, dass es für Dich schwieriger sein muss und ich Dir ein paar Erklärungen schuldig bin.

(Natürlich ist es für Dich nicht schwieriger, denn Du bist nur ein gesichtsloses und in der neuen Version an jeglichen Usability-Erwägungen konsequent vorbei programmiertes Computerprogramm, das eine Plattform für eine Gemeinschaft bietet, deren überwiegender Mehrheit meine Abmeldung noch mehr vollkommen scheißegal nur schwerlich sein könnte. Aber tun wir für dieses Posting trotzdem mal, als seist Du mehr als das…)

Du wirst Dich vielleicht fragen, was den endgültigen Ausschlag für meine Entscheidung gab. Das ist leicht zu beantworten, es handelt sich um eine junge Frau mit dem Alias “Dove*” (Name ein bisschen geändert, aber nicht wirklich viel), die bei Dir “VIP-Status” hat und die sich, soweit ich das ihrer Sedcard entnehmen kann, unter den “TOP 300 MK MODELS” befindet, oder zumindest in der zugehörigen Gruppe ist.

Trotz dieser Top-300-Geschichte, was auch immer das bedeuten mag, ist diese Frau ein Model wie viele andere auch auf der MK: Sie lässt Männer mit sündhaft teurem fotografischem Equipment viel zu viel Geld dafür bezahlen, damit diese ebenso technisch perfekte wie einfallslose Bilder von ihr machen, von denen sich die meisten in einem eng abgegrenzten Bereich zwischen den Sujets Softporno-Vorspielbildchen, Bildzeitungs-Erotik und dem, was Otto Normalverbraucher unter S/M versteht, bewegen.

Die durchschnittlichsten dieser Bilder werden dann genommen und auf der “Sedcard” des Models ausgstellt, woraufhin sich darunter hunderte von Kommentare wie “…..schöner bildschnitt,passender schärfenverlauf und echt voll cool die idee”, “Gefällt mir sehr gut :) HEISS!” oder auch “Oh ja das ist einfach Großes Kino Wow” einfinden (alles Orginalzitate).

An der Art wie ich das beschreibe, liebe MK, kannst Du natürlich schon ablesen, dass ich von derartigen Bildern nicht so wahnsinnig viel halte. Manche davon widern mich sogar richtiggehend an.

Jetzt kannst Du natürlich vollkommen zurecht einwerfen, dass die Geschmäcker halt verschieden sind, und dass ich auch künstlerisch wertvolle Bilder auf Dir finde, wenn ich nur lange genug suche. Das Problem ist nur: Erstens muss man diese mit der Lupe oder besser dem Mikroskop suchen, und dazu ist mir meine Zeit einfach zu schade.

MK live

MK as MK can…

Und zweitens, und das ist das wirklich Schlimme, bist Du, liebe MK, als Multiplikator für den oben beschriebenen Photographie-“Stil” und der Leute die sich daran erfreuen, richtig gehend gefährlich: Du verdummst die Leute.

Vor ein paar Jahren lernte ich über die MK eine Frau kennen, die sich gerade erst angemeldet hatte und die ihre ersten Shooting-Erfahrungen sammelte. Ich war einer der ersten Fotografen, die sie auserkoren hatte, und so veranstalteten wir an einem schönen Sommertag unser erstes und einziges Shooting. Sie war sehr schön, hatte eine ganz eigene, natürliche und besondere Ausstrahlung, und wir machten an diesem Tag ebenso eigene, natürliche, besondere und außergewöhnliche Aufnahmen.

Natürlich bekam ich mehrfach das übliche “aber ich zieh mich auf keinen Fall aus!!!” zu hören, obwohl ich weder danach gefragt hatte noch danach fragen wollte. Und natürlich war sie teilweise noch sehr unsicher und aufgeregt, aber trotzdem gelangen uns mit der Zeit Aufnahmen von einer ganz eigenen Emotionalität.

Das traurige Ende der Geschichte ist, dass sie so richtig Lust aufs Modeln bekommen hatte, und bald schon Shootings mit allen möglichen MK-Alumni machte. Und mit der Zeit nahm sie die gruselige Vorstellung von Ästhetik und Schönheit, die Du, liebe Model-Kartei, in ganz großem Stil propagierst, vollständig in sich auf.

Inzwischen arbeitet sie nur noch gegen Bezahlung, kommuniziert nicht mehr mit Fotografen wie mir, hat sich eine Brustvergrößerung machen lassen (Original-MK-Kommentare: “Wow, kommt voll gut, Gratulation“, “wirklich toll und gute größe kannst mir ja mal per pn den macher schicken ganz toll“, etc. pp.) und hat mich aus ihrer MK-Freundesliste gekickt, damit dort mehr Platz für die wirklich wichtigen Leute ist. Auf ihrer Sedcard befindet sich kein einziges Bild mehr von mir, und davon abgesehen ist ihre gesamte Fotosammlung nur noch eine ganz schwache und traurige Ahnung dessen, was hätte sein können, wenn es nicht so gekommen wäre wie es nun mal leider gekommen ist.

Du kannst mir nun unterstellen, dass ich ja nur eingeschnappt bin weil sie nichts mehr mit mir machen möchte. Aber ich versichere Dir, das stimmt nicht, mein Seelenheil liegt nicht darin ob ein Mensch mit mir shooten mag oder nicht.  Ich bin eingeschnappt weil Du, liebe Model-Kartei, dieses Model verhunzt hast, und es war nicht das erste, und es wird nicht das letzte sein.

Naja, aber ich bin endlos abgeschweift, zurück zu “Dove*”: Diese schrieb mich also tatsächlich an, ob ich Lust hätte, Fotos von ihr zu machen. Und ich dachte mir, au weia, was möchte jemand mit so einem Gruselkabinett der hundertprozentigen MK-ness auf der Sedcard wohl von mir?

Und so sah ich es als Herausforderung an, zu dieser Sedcard endlich mal was, nun ja, anderes beisteuern zu dürfen. Natürlich war ich da ziemlich naiv. Ich war nicht der einzige, der eine exakt gleich lautende Mail bekommen hatte, sondern ich war, wie ich inzwischen herausfand, einer von zig Empfängern einer Massenmail.

Die darauf entstehende Diskussion habe ich bereits an anderer Stelle ausführlich dokumentiert; erstmal wurde viel zu viel Geld von mir verlangt – für einen Dienst (nämlich: Rettung ihrer Sedcard), für den mich eigentlich das Model hätte bezahlen müssen. Und nachdem klar wurde, dass ich andere Vorstellungen von einem Shooting hatte, wurde kurzerhand nicht mehr geantwortet und die Kommunikation wurde abgebrochen.

Und genau das ist das zweite große Problem, das ich mit Dir, liebe MK, habe: Deine Models können sich einfach nicht benehmen. Elementare Grundsätze der Kommunikation zwischen zwei Menschen? Absolute Fehlanzeige.

Wäre “Dove*” die erste mit der es so läuft, so würde ich gar nichts sagen. Aber “Dove*” ist nach letzter Zählung die siebzehnte mit der es so läuft, und die Frage, die ich in letzter Zeit sehr oft von befreundeten Fotografen gestellt bekomme, ist: “Warum tust Du Dir das überhaupt an?” – eine berechtigte Frage.

Es ist wahr, ich habe durch Dich, liebe MK, über die letzten vier Jahre hinweg einige Menschen kennengelernt, mit denen das Fotografieren eine wahre Freude war (und in einem Fall entstand daraus sogar eine Freundschaft)…  aber diese lassen sich an weniger als einer Hand abzählen, es sind nämlich insgesamt derer vier. Und irgendwie, das wirst Du sicher einsehen, lohnt sich das im Endeffekt nicht, wenn man den Ärger mit all den Doves und sonstigen MK-Mausis in Betracht zieht. Die Bilder, die ich bei Dir hoch lade, werden auch kaum angeschaut und noch weniger kommentiert (wobei mir letzteres irgendwo auch recht ist, denn auf “wow, geiler Körper” oder “super Schärfeverlauf, klasse, schau auch mal bei mir vorbei” kann ich gut verzichten), und Perlen vor die Säue werfen war noch nie so meine bevorzugte Freizeitbeschäftigung.

Deshalb: Es war ein nettes Experiment, es hat nicht geklappt.

Mach’s gut und viel Glück für die Zukunft,

Dein
Herr K.

(Modell ganz oben: Anne K., die mit der MK nichts zu tun hat)

P.S.: Wer schöne Fotos von sich haben möchte (Ausziehen nicht erforderlich): Mail an stephan@massenbelichtungswaffen.de genügt!

Ich bin stinksauer

Ich bin stinksauer

In den letzten Monaten vor seiner schweren Krankheit und seinem darauf folgenden Tod arbeitete mein Vater wie ein Besessener an einem letzten, ehrgeizigen Projekt – ein Bildband über Karlsruhe, früher und heute.

Aber nicht so kitschpostkartenhaft wie man jetzt vielleicht denken möchte, sondern, in seinen eigenen Worten:

Als Kind hatte ich den Wiederaufbau erlebt. In den 70er Jahren dann mußte ich zusehen, wie markante Gebäude abgerissen wurden, die den Krieg glücklich überstanden hatten, eins nach dem andern. Nicht genug: Man vernichtete uralte gewachsene Strukturen, verlegte Flußläufe, bastelte künstliche Landschaften zusammen. Was ich als meine Heimat angesehen hatte, wurde unwiederbringlich zerstört und ich konnte nichts dagegen tun! Wenigstens mit Bildern wollte ich mir eine Erinnerung erhalten. Und so zog ich los und fotografierte alles, was mir wichtig erschien. Manchmal kam ich zu spät.
40 Jahre danach habe ich die damals fotografierten Örtlichkeiten noch einmal aufgesucht und den heutigen Zustand aus möglichst gleicher Perspektive aufgenommen. Manchmal hatte ich Tränen in den Augen.

Er arbeitete Tag und Nacht daran, mit einer unglaublichen Energie… obwohl er schon deutlich spürte, wie seine Kräfte schwanden.

Alle möglichen Verzögerungen und Komplikationen sorgten dafür, dass er die Veröffentlichung seines Werkes nicht mehr miterleben würde. Aber wir Angehörigen hatten zumindest den Trost, dass das Buch, das ihm so viel bedeutete und für das er seine letzte Kraft gab, posthum erscheinen würde. Man konnte es sogar noch zu seinen Lebzeiten vorbestellen (auch wenn er davon nichts mehr mitbekam).

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir gibt. Tausend Dank an Katja dafür.

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir gibt. Tausend Dank an Katja dafür.

Heute nun erreicht mich die Nachricht vom zuständigen Verlag, dass man sich dazu entschlossen habe, das Buch nicht zu veröffentlichen.

Aber gütigerweise bietet man meiner Mutter 500 (in Worten: fünfhundert) Euro als Quasi-Schmerzensgeld.

Ich kann gerade gar nicht in Worte fassen, wie wahnsinnig sauer ich bin… was für ein unglaublicher, erbarmungsloser Schlag ins Gesicht das ist… sowohl für das Andenken an meinen Vater (der sein Leben lang um Anerkennung kämpfen und immer wieder Enttäuschungen dieser Art verkraften musste, während andere, die sich besser verkaufen konnten, ganz groß rauskamen… vor ein paar Monaten schrieb ich mehr darüber drüben auf dem Botany Bay Blog) als auch für seine Angehörigen, die dieses letzte Aufraffen, seine Besessenheit und seine Hoffnung hautnah miterlebt haben.

Ich bin viel zu sauer als dass ich gerade wüsste, was ich jetzt machen soll. In meinem momentanen Zustand bei den verantwortlichen Menschen vorzusprechen und ihnen zu sagen, in welcher Geschwindigkeit sie sich ihre beschissenen 500 Euro bitteschön Cent für Cent anal einführen dürfen, das empfiehlt sich wohl nicht… zumindest so schlau bin ich.

Aber eins ist sicher: So geht es nicht. Überhaupt nicht.

Die Brücke

Die Brücke

 

Als ich noch ein kleines Kind war, ging mein Großvater oft mit mir im Weiherwald spazieren. Der Weiherwald war (und ist noch immer) ein mittelgroßes von Seen und Flüssen durchzogenes Waldstück im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld, und war von unserem alten Hexenhäuschen aus bequem zu Fuß zu erreichen.

Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als wir eines schönen Sommertags wieder einmal einen unserer Spaziergänge machten und dabei bemerkten, dass die alte, morsche und gefährliche Holzbrücke durch eine funkelnagelneue, dunkelbraun lackierte Holzbrücke ersetzt worden war.

“Schau mal, sie haben die Brücke neu gemacht”, sagte mein Großvater, “komm, das schauen wir uns an!”

Gesagt, getan, zusammen bestaunten wir die neue Brücke und machten langsam uns an den Überweg. Ich sehe ihn noch genau vor mir, als ob es nicht vor 35 Jahren sondern gestern gewesen wäre – meinen Großvater mit seinem braunen Lederhut mit der breiten Krempe und seinem Spazierstock.

Plötzlich hielt er unvermittelt inne. “So eine Sauerei”, entfuhr es ihm, während er auf das breite und wuchtige hölzerne Geländer der Brücke starrte. Dort hatte irgend jemand offensichtlich nicht mehr als wenige Tage zuvor (länger gab es die Brücke noch nicht) ein Hakenkreuz eingeritzt.

Der Grund, dass ich diese Geschichte jetzt aufschreibe, ist, dass ich mich wohl ewig ganz genau daran erinnern werde, was als nächstes passierte. Denn mein Großvater, sonst nicht der übermäßig aktive Mensch, nahm seinen Spazierstock und begann, mit der metallischen Spitze das Hakenkreuz in ein Rechteck mit einem Kreuz darin zu verwandeln.

“Was machst Du denn?” wollte ich wissen.

“Ich mache das Hakenkreuz kaputt”, antwortete mein Großvater.

“Aber warum denn?”

“Das ist ein ganz böses Zeichen. Ein widerliches und gemeines Zeichen”, sagte er, während er mit frenetischem Eifer die Brücke bearbeitete.

“Warum ist das Zeichen böse?” fragte ich.

“Das war das Zeichen der Nazis”, erklärte mein Großvater. “Die Nazis waren ein ganz großer Haufen Schwerverbrecher. Die haben Millionen von Menschen getötet und vertrieben… und einen Krieg veranstaltet in dem noch viel mehr umgekommen sind… und ich beinahe auch…”

“Aber warum hat sie niemand aufgehalten? Warum hat niemand die Polizei gerufen?”

Mein Großvater drehte sich zu mir um und schaute mich ernst an, die Hand noch immer am Spazierstock, mit dem er die Brücke bearbeitete. Schweißperlen rannen an seiner Stirn herunter, und ich werde diesen Blick ebenso wie seine Antwort und alles andere nicht vergessen.

“Die waren die Polizei.”

Ich muss wohl einigermaßen entsetzt geschaut haben, denn mein Großvater fuhr sogleich fort: “Aber das ist lange her. Beinahe vierzig Jahre. Inzwischen ist alles anders.”

“Aber wenn das so lange her ist, warum hat dann jetzt jemand das Zeichen in die Brücke gemacht?” fragte ich.

“Der, der das gemacht hat, ist ganz einfach ein ganz großer Idiot”, sagte mein Großvater, “mehr nicht. Der war nicht dabei, hat es nicht mitgekriegt, hat in der Schule nicht aufgepasst und hat keine Ahnung was das Hakenkreuz wirklich bedeutet.”

Und damit nahm er seinen Spazierstock in die rechte und mich an die linke Hand, und wir setzten unseren Spaziergang fort.

Erst später erfuhr ich, dass mein Großvater zwei Weltkriege miterlebt hatte. Dass er im zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten war, aus der er 1948 mehr tot als lebendig zurückgekehrt war. Dass er Mitglied in der KPD gewesen war und deshalb an der Front verheizt wurde, dass er später Entschädigung beantragt hatte die ihm nicht bewilligt wurde, weil die KPD in Deutschland inzwischen verboten war. Und so weiter und so fort.

Und natürlich erfuhr ich später auch mehr über die Nazis – von meinem Großvater, im Geschichtsunterricht, in Büchern, in Filmen und an Gedenkstätten.

Tja, und heute bin ich nach langer Zeit wieder einmal an der Brücke vorbeigekommen. Inzwischen gibt es die Holzbrücke nicht mehr, und sie wurde durch ein Bauwerk aus Beton und blau lackiertem Stahl ersetzt, auf dem sich glücklicherweise keine Hakenkreuze befinden. Und irgendwie musste ich beim Überqueren der Brücke – und nachdem “Freiwild” (nee, ich weigere mich, den Bandnamen so zu schreiben wie die Band das gerne hätte) gerade die Teilnahme am “with full force” Festival abgesagt hat und die Band auf ihrer Facebook-Seite das missverstandene Opfer gibt und dafür von hunderten Fans bejubelt wird – daran denken, dass Faschismus keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen… und an den Mann, der mir das zum ersten Mal klar machte.

Danke, Großvater.

Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Ich weiß nicht ob es an an der aktuellen Lage der Sterne liegt, oder am miesen Wetter da draussen oder an der Tatsache dass das Fernsehprogramm immer grottiger wird, aber in den letzten Tagen ist bei einigen Bloggern vermehrt der Drang zu beobachten, etwas Schlaues über Aktphotographie schreiben zu wollen. Continue reading

Die Hater sind unter uns

Die Hater sind unter uns

Zunächst mal: Nein, dieses Blog wird nicht dicht gemacht*.

Momentan machen aber ziemlich viele Blogs dicht, insbesondere solche, die sich mit Fotografie beschäftigen. Und das ist sehr schade.

Gerade erst hab ich bei Facebook wieder eine Meldung gelesen, dass ein weiteres Blog die Pforten geschlossen hat. Und ich muss sagen, noch mehr betrübt als die Schließung des Blogs haben mich einige Reaktionen darauf…:

Ich muss in letzter Zeit immer wieder feststellen, das Internet kann ein ganz schön kalter und einsamer Platz sein.

Da teilen Leute ihre Erfahrungen, ihr Leben, ihre Bilder, ihre Musik und was weiß ich was alles, teilweise mit einem irrsinnigen Aufwand und ebenso großer Hingabe… und erstaunlich viele Zeitgenossen haben nix besseres zu tun als in diesen virtuellen Räumen die Fenster einzuschlagen, die Wände mit Fäkalien zu beschmieren und dem Eigentümer – wenn er dann nicht mehr kann und/oder will –  noch mal ein fettes “Fick Dich” an den Kopf zu werfen. Allüberall lauert der Shitstorm und die Hater sind kaum zu stoppen.

Ich könnte jetzt aus dem Nähkästchen plaudern was ich alles zu hören gekriegt habe, als Botany Bay mit “Piracy” zur Abwechslung (und glücklicherweise nur für kurze Zeit) plötzlich hundert mal mehr Publikum hatte als die sonst üblichen 200 treuen Fans. Werd ich aber nicht, denn das haben die Verantwortlichen nicht verdient. Nur so viel: Sensiblere Menschen/Bands hätte das problemlos dazu gebracht, einfach gar nix mehr zu veröffentlichen und alles auf Null runterzufahren.

Und irgendwie wundere ich mich. Woher kommt das? Warum müssen die Leute so sein?

Fragen, auf die vermutlich niemand eine Antwort hat…

 


* Aber es wird ne Weile dauern, bis hier wieder regelmäßig was veröffentlicht wird. Die traurigen Gründe gibt’s drüben bei Botany Bay zu lesen.

Musik und Fotografie

Musik und Fotografie

Langjährige Leser dieses Blogs wissen bereits, dass ich mich, was meine künstlerische Ader angeht, in erster Linie als Musiker sehe. Das ist das, was ich wirklich sein möchte, und ich bin es auch nach über zwanzig Jahren noch immer mit ungebrochener Begeisterung.

Daneben gibt es in meinem Leben – wie sich anhand dieses Blogs vermutlich erahnen lässt – natürlich auch noch die Fotografie. Und gerade in letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass es zwischen diesen beiden Disziplinen ganz enorm viele Überschneidungen gibt. Die ich hier in lockerer Folge behandeln werde, vorausgesetzt, das Interesse ist vorhanden (ansonsten verbringe ich meine Zeit auch gerne mit Fotografieren ;-))

1. Die “Equipment-ist-alles”-Fraktion

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Vom Blasen, Laub und Steuergeldern

Vom Blasen, Laub und Steuergeldern

Wer wie ich das unwahrscheinliche Glück hat, in Bonn nicht weit weg von Deichmanns Aue und dem zugehörigen Park zu wohnen, der kennt das Phänomen vermutlich:

Es ist im November/Dezember an einem Wochenende so gut wie unmöglich, Samstags morgens auszuschlafen. Vom Park aus beginnt um ca. 7 Uhr morgens ein höllischer Lärm, der sich normalerweise über die nächsten zwei Stunden hinweg zieht, bis dann spätestens gegen 10 eine wunderbare Stille eintritt.

Wer also ähnlich wohnt wie ich und sich schon immer gefragt hat, was zum Teufel da eigentlich los ist, der braucht nicht länger hadern – massenbelichtungswaffen.de ist da, um den Tag zu retten, Aufklärung zu betreiben und Gewissheit zu verschaffen!!!

Was nämlich passiert, ist ganz genau das, was oben im Bild (klick macht, wie immer, größer) zu sehen ist.

Weil so ein Foto ja nur ein schnödes zweidimensionales (und in diesem Fall vor allem: leises!) Abbild der Wirklichkeit ist, hier noch ein paar genauere Erläuterungen:

  • Ja, da sind tatsächlich fünf erwachsene Männer mit Laubbläsern und blasen das Laub in der Gegend rum. Aber nicht etwa von den Wegen runter (alle Wege sind vollkommen sauber), sondern nein, sie stehen mitten auf der Waldfläche und blasen sich das Laub gegenseitig zu. Erst auf die eine Seite der Waldfläche, dann wieder zurück auf die andere, und dann nochmal, und dann nochmal. Von 7 bis 10, wenn es sein muss.
  • Ja, zwei andere erwachsene Männer in seltsamen Fahrzeugen rasen mit eben diesen Fahrzeugen wie die Irren im Kreis um die anderen fünf erwachsenen Männer herum über Stock und über Stein und haben einen Heidenspass daran.
  • Nein, der Sinn des Ganzen erschließt sich nicht. Auch nicht bei längerer Beobachtung

Nun ja, eigentlich ist es mir egal, und wach bin ich inzwischen auch. Aber ich find’s trotzdem immer wieder äußerst erfrischend zu sehen, was man mit Steuergeldern so alles bewerkstelligen kann, wenn man sie sinnvoll einsetzt.

In diesem Sinne, schönen Samstag!

P.S.: Der Typ, der den Laubbläser erfunden hat, ist übrigens ein ganz großes Arschloch mit ernsthaften sexuellen Problemen. Ausserdem gehört er einer terroristischen Vereinigung an und ist nebenbei noch der gottverdammte Antichrist. Wollt’ ich nur mal vollkommen zusammenhangslos erwähnt haben.

Ging prima, ging gar nicht…

Ging prima, ging gar nicht...

Mit großen Schritten neigt sich das Jahr dem Ende zu… welch bessere Gelegenheit gäbe es da, einmal in sich zu gehen und zu lauschen, was im Jahre 2011 ging, und was im Gegensatz dazu gar nicht ging…

Ohne weitere große Vorrede… hier ist das, was bei mir rausgekommen ist:

Ging prima Ging gar nicht
  • Google+
  • mit riesigem Aufwand ein wunderschönes Video drehen, das keine Sau interessiert
  • Guttenberg, Guttenberg-Verharmloser und Guttenberg-Zurückwünscher
  • Ray Dunkle und “Reflections Of Darkness” (nee, die haben noch nicht mal nen Link verdient)
  • Leute, die mir ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht lügen
  • Leute, die mich ausnutzen
  • www.model-kartei.de
  • die ganze Zeit krank sein
  • X-Factor
  • auf den Ruf achten müssen

Und bei euch so?

Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy

Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy

 

In Ägypten ist es mal wieder so weit.

Gemeint sind nicht die Demonstrationen und blutigen Krawalle, sondern viel eher das Schicksal einer jungen Frau, die sich mit der allgegenwärtigen “Zensur von Wissen, Ausdruck und Sexualität” nicht länger abfinden möchte und auf ihre Art und Weise ein Zeichen gesetzt hat: Continue reading

“Viel zu krass”

Sie ist so um die 25, arbeitet im Irish Pub, ca. 200 Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt, hinter der Theke.

Sie ist nett, hat Ausstrahlung, und ist jede Woche abends immer mal wieder im absoluten Epizentrum der Aufmerksamkeit für durchschnittlich 50-100 zahlende Gäste, die regelmässig nach ihr schauen um was zu bestellen oder was zu bezahlen, oder um einfach mal nach ihr geschaut zu haben.

Auf die Frage, ob sie mal Lust hätte, von mir fotografiert zu werden, antwortet sie (nach Durchsicht dieses Blogs, vollkommen schockiert): “Nee. Also… wirklich nicht… nee, das ist mir viel zu krass

Ich so (einigermaßen verwundert; ich hab schon jede Menge “Nein” zu hören gekriegt und kann damit sehr gut leben, aber das hier hat ne ganz neue Dimension): “Ok ok ok, nicht schlimm, es zwingt Dich niemand… aber es würd’ mich schon interessieren: Was ist denn so krass?

Sie so (immer noch schockiert, kopfschüttelnd): “Äh… nee… weiss nicht, das ist viel zu krass was Du da machst. Also, mach weiter, es ist schön und alles… und diese Frauen haben meinen totalen Respekt dafür dass sie das machen… aber… ich nicht, wirklich nicht.

…und lässt mich in einem Zustand amüsierter Ratlosigkeit zurück, der auch am Morgen danach noch anhält.

Hat sie statt meinem Photoblog aus Versehen eine Hardcore-Pornoseite mit Maschinen und Ausseridrischen mit Tentakeln besucht? Was genau müssen die Frauen bei mir machen, was so unglaublich krass ist? Oder werden wir vielleicht inzwischen von den Taliban regiert und ich hab’s einfach noch nicht mitgekriegt?

Fragen, auf die ich vermutlich keine Antworten bekommen werde. Aber ich würd’ mal sagen, Q.E.D. Ich denke, was ich hier geschrieben habe, hat sich gestern mal wieder volle Kanne bestätigt.

(Bild: “Madonna”, Model: Kathi; out of the box; hat mit der Geschichte nicht das geringste zu tun… ausser dass es, wie immer, viel zu krass ist… und total bewundernswert, dass jemand so etwas mit sich machen lässt ;-))

Ach, Apple… ach, Aperture…

Ach, Apple... ach, Aperture...

Apple hat sich mal wieder von seiner nettesten und sympathischsten Seite gezeigt und meinen Testbericht zu Aperture 3.2 kommentarlos aus dem Mac App Store getilgt.

Normalerweise ist dies hier ja ein Photoblog, und ich möchte es nicht mit Produkttests und -besprechungen verunstalten… aber weil ich Zensur nicht ausstehen kann, und weil mein Review vor der Löschung durch Apple immerhin von 238 aus 253 Lesern als hilfreich eingestuft wurde, mache ich hiermit mal eine Ausnahme und poste den ungekürzten Text (nicht der für den AppStore gekürzte – den habe ich leider nicht mehr), aufgehübscht mit ein paar Bildern aus der Heidelberger Zeit… und der freundlichen Bitte an alle Interessierten, ihn zahlreich weiter zu verlinken, vielleicht lernt Apple ja irgendwann mal was. Continue reading

Menschen essen Blutwurst

Menschen essen Blutwurst

oder: Warum ich meinen Google+ Account gelöscht habe.

Ich muss zugeben – ich bin wahrlich kein ausgemachter Philantrop.

Ich mag einzelne Menschen, sehr sogar. Mir ist bewusst, dass Menschen zu Großem und Schönem fähig sein können. Aber ganz allgemein sind mir Menschen eher suspekt. Es gibt immer wieder diejenigen, die behaupten, wir hätten uns in unserer Menschlichkeit ach so sehr weiterentwickelt… ich bin anderer Ansicht. Von Hexenverbrennungen, Blutegelbehandlung, heiliger Inquisition, Ablasshandel und Stasi bis zum Hier und Jetzt ist es nur ein winzig kleiner Schritt, den viele Zeitgenossen geistig noch lange nicht mitgemacht haben.

Eine Begebenheit, die mich in dieser Weltsicht wieder einmal zu 100% bestätigt hat, ist der Klarnamenzwang auf Google+. Über den Unsinn eines Klarnamenzwangs und darüber, dass die Benutzung eines Pseudonyms ein digitales Grundrecht sein sollte, wurde schon an tausend anderen Stellen in aller Ausführlichkeit geschrieben, und ich werde es hier nicht wiederholen.

Ich war auf Google+ mit meinem richtigen Namen angemeldet; ich unterstütze aber volle Kanne die Idee, dass die Verwendung eines Pseudonyms möglich sein sollte; ich sehe sehr viele gute Gründe dafür.

Klar, auf facebook sollte man auch seinen richtigen Namen verwenden, aber Google+ wollte besser sein. Und Google hatte sich vor zig Jahren ganz gross “don’t be evil” auf seine Fahnen geschrieben.

Aber darum geht es gar nicht.

Es geht darum, dass das, was sich auf Google+ momentan in der Klarnamensdiskussion abspielt, das allerfinsterste Mittelalter ist.

Da gibt es jede Menge Leute, die nichts anderes zu tun haben, als den ganzen Tag andere Leute anzuschwärzen, weil sie ein Pseudonym verwenden.

Da ist Sascha Lobo dazu gezwungen, seine pseudonym-benutzenden follower davor zu warnen, bei ihm Kommentare zu hinterlassen, weil die digitalen Blockwarte mit Vorliebe seine Anhängerschaft durchkämmen.

Da gibt es Leute, die ohne mit der Wimper zu zucken mit “dann geh doch nach drüben wenn’s Dir nicht passt“, “man muss sich eben an Regeln halten“, “Du brauchst hier ja nicht angemeldet zu sein“, “wer nichts zu verbergen hat braucht auch kein Pseudonym” und sonstigen unreflektierten Stammtisch-Plattitüden um sich werfen, und zwar unter Beiträgen von Teilnehmern, von deren Hintergrund sie nicht die geringste Ahnung und deren Beweggründe sie nichtmal ansatzweise zu verstehen versucht haben.

Die gleichen Leute, die es so toll finden, dass facebook angeblich den arabischen Frühling ermöglicht hat.

Willkommen bei google+. Die eine schenkt der Community schon seit Ewigkeiten wunderschöne Bilder und eine ganz eigene Kreativität. Der andere ist gerade mal seit 5 Tagen dabei, drischt hohle Phrasen vom Segen der Obrigkeitshörigkeit, entblödet sich dabei nicht, tatsächlich das Wort "Ignoranz" (!!) zu verwenden und postet ein Bild von der letzten Grillparty und den aktuellen Benzinpreis. Dreimal dürft ihr raten, wer rausgeflogen ist.

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

Ich habe heute mein Google+ Profil gelöscht, nachdem sie meine Freundin rausgeekelt haben.

Meine Freundin, die ich jeden Morgen mit “Guten Morgen, Frau K.” begrüße; die ich unter dem Namen “Frau K.” kennengelernt habe, die jede Menge andere Menschen ausschließlich unter dem Namen “Frau K.” kennen, und die dieses Alias seit einem Zeitpunkt verwendet, zu dem die meisten der denunzierenden Stammtischbrüder auf G+ noch nicht mal wussten, dass es das Internet überhaupt gibt.

Die Menschheit? Weiterentwickelt?

Dass ich nicht lache.

Viel Spaß mit den Fackeln und dem Scheiterhaufen.

Oh, falls mich jemand in sozialen Netzwerken sucht, es gibt mich auf facebook und auf Diaspora.

Und Tschüss…

Und Tschüss...

So, die nächsten drei Wochen wird es hier vermutlich nicht viel zu sehen geben.

Was daran liegt, dass die K.s in Urlaub fahren.

Und ich muss leider zugeben, noch nie hatte ich Urlaub so nötig wie dieses Mal. An der Arbeit gab es etliche unvorhergesehene Komplikationen (genauer kann/darf ich hier nicht werden), bei Botany Bay läuft es auch mittel- bis ganz beschissen (genauer kann/darf ich hier auch nicht werden, aber irgendwann, in 20 Jahren oder so, erzähl ich mal die ganze Geschichte…), und privat/familiär gab es auch mittlere bis schwere Katastrophen, die ich hier auch nicht näher ausführen kann, die aber sehr heftig sind… kurz, ich kann nicht mehr.

Und gerade kann ich’s mir überhaupt nicht vorstellen, mich morgen Abend bereits auf Föhr zu befinden, das Meer zu sehen, und all die Katastrophen und den Stress so gut es geht hinter mir zu lassen. Aber ich weiss, dass es absolut nötig ist.

In diesem Sinne… wir sehen uns in drei Wochen!

Modelle 2.0 (Teil 2)

Modelle 2.0 (Teil 2)

Kleine Vorbemerkung: Das Folgende ist ein Brief an ein imaginäres Modell aus der Model-Kartei. Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden Personen sind durchaus möglich, aber zu keinem Zeitpunkt spezifisch beabsichtigt.

Liebe Nicole,

(ja, ich weiss, eigentlich lautet Dein Alias auf der Model-Kartei momentan “GoldenFairyQueen82 **NEUE SEDCARD … freu mich auf eure Kommi’s**” aber das erscheint mir zu lang und zu kompliziert, und ausserdem schreibst Du weiter unten irgendwo, dass Du Nicole heisst)

Leider hatten wir beide ja nie die Gelegenheit, uns kennenzulernen, denn meine “Hi! Hast Du Lust auf ein Shooting mit mir?“-Privatnachricht hast Du damals zwar sofort gelesen, aber nie beantwortet. Und auch meine zweite Nachricht mit dem Inhalt “Ich gehe davon aus, dass Nachricht-lesen-und-nicht-antworten ‘nein’ heißt, richtig?” hast Du innerhalb von 5 Minuten nach Absenden gelesen und ignoriert. Das macht aber nicht wirklich was, denn damit befindest Du Dich in bester Gesellschaft mit Julia, Astrid, Edith, sowie ca. zwölf weiteren Modellen auf der MK, mit denen ich bislang das Mißvergnügen der gescheiterten Kommunikation hatte. Ich denke, entweder ihr benehmt euch im richtigen Leben auch so daneben, oder das gehört auf der Model-Kartei einfach zum guten Ton.

Aber ich schweife ab… der Sinn meines Briefes ist, wie Dir bis jetzt vielleicht noch nicht klar geworden ist, Dir Feedback zu Deiner neuen Sedcard zu geben, denn darum hast Du ja gebeten. Zwar hast Du eigentlich nur nach “Kommi’s” gefragt, aber zu Deiner Sedcard gibt es so viel zu sagen, Continue reading

Modelle 2.0 (Teil 1)

Modelle 2.0 (Teil 1)

Es gibt im Bezug auf Fotografie ein Thema, mit dem ich gerade in letzter Zeit immer mal wieder in Berührung komme, und das mich immer wieder aufs Neue ins Grübeln bringt.

Ich mache ja bekanntermaßen Fotos. Und zwar tu ich das sehr gerne. Auch von Menschen. Angezogen, nackt, draußen, drin… mir egal.

Dies bringt natürlich mit sich, dass dazu Modelle vorhanden sein müssen.

“Früher”, in meinen jungen, wilden Jahren, als ich noch studierte, mein Leben noch einfach (oder zumindest: einfacher) und mein Kopf noch angefüllt mit naiven Vorstellungen (wie zum Beispiel jener, dass Botany Bay sicherlich irgendwann entdeckt werden würde) war, da stellte dies kein großes Problem dar. Ich kannte genug Menschen, die mich auch kannten, und die u.U. sogar die gleichen Interessen hatten; also traf man sich, stand sich teilweise sogar gegenseitig Modell und hatte eine gute und entspannte Zeit und erfreute sich danach zusammen an dem Material, das dabei herauskam.

Das alles änderte sich, als ich eines Tages gezwungen war, nach Bonn zu ziehen und mich kopfüber in die sogenannte corporate world zu stürzen und fortan etwas zu führen, was der Bezeichnung “geregeltes Leben” eine ganze Ecke näher kam, als das, was ich in Karlsruhe und Heidelberg bis dahin gehabt hatte.

Nun ja, ich bin eigentlich ein Mensch, der kreativ ist und sehr schnell neue Kontakte knüpft, aber man muss eben auch den Tatsachen ins Auge sehen: Continue reading

Freedom II

Freedom II

Ich muss zugeben, ich habe lange gezögert.

Erstens war ich einfach faul. Zweitens wollte ich nicht so viel Geld auf einmal ausgeben.

Und drittens – und das war tatsächlich ein gewichtiger Grund – war ich der Meinung, dass man ein Auto heutzutage   nicht mehr unbedingt braucht. Der motorisierte Individualverkehr ist ein Umweltkiller ohne Gleichen, es sind schon wahrlich genug Idioten – von denen jeder einzelne der Meinung ist, er könne am besten und tollsten fahren – auf den Straßen unterwegs, der ÖPNV ist im Raum Köln/Bonn gut ausgebaut und modern, und Busse und Bahnen zu benutzen ist vermutlich das Beste, was man für die Umwelt tun kann.

Das wäre auch so, wenn das System tatsächlich funktionieren würde. Tut es aber nicht. Ich hab es anderthalb Jahre ausprobiert, ich weiß wovon ich rede. Diese anderthalb Jahre Selbstversuch waren mit das Doofste, was ich mir jemals angetan habe.

Die Tatsache, dass die Züge – wenn es wirklich ganz hoch kommt – 10% der Zeit pünktlich waren – geschenkt!

Besoffene, sabbernde, lallende, kreischende und/oder quängelnde Mitfahrer jeden Alters – von mir aus!

Haufenweise Anschlüsse verpasst und zusammengerechnet Tage an windigen und zugigen Bahnhöfen zugebracht – naja, ist halt so!

Nichts, aber gar nichts, vom Wochenende gehabt, weil ich nach (mal wieder) sechs Stunden Bonn – Kassel vollkommen mit den Nerven runter war – man gewöhnt sich daran.

Mich von geschultem Zugpersonal anpöbeln lassen weil mein friedlich vor sich hinschlummernder aber wohl dennoch überaus gefährlicher Kampfhund ( <– Ironie) keinen Maulkorb trägt, wenig später aber ertragen müssen, wie mitreisende Jugendliche und Kinder mit Migrationshintergrund den halben Wagen auseinandernehmen und dem gefährlichen Kampfhund ( <– Ironie) die Finger in die Nase zu stecken versuchen, ohne dass das geschulte Zugpersonal auch nur einen Mucks von sich gibt – also bitte, wir sind in Deutschland, die Kinder wollen nur spielen und Vorschrift ist halt Vorschrift!

Ein Heidengeld für eine Leistung ausgegeben, die eigentlich nie wie versprochen erbracht wurde (und nach erfolgter Beschwerde nur einen Bruchteil wieder zurückgekriegt) – meinetwegen!

Aber: Das alles summiert macht einen doch nachdenklich. Insbesondere wenn es alles gleichzeitig passiert. Was letztes Jahr auf unserer Fahrt nach Föhr der Fall war. In die Details zu gehen lohnt sich eigentlich kaum, es lässt sich so zusammenfassen dass ich ein bisschen was über 300 EUR dafür ausgegeben habe, den allermiesesten Scheißtag des ganzen Jahres zu erleben.

Genau dies war der Punkt, an dem es mir klar war: Ich werde mir wieder ein Auto zulegen, egal wie unlogisch und unsinnig dies heutzutage erscheinen mag. Ich habe es verdammt noch mal verdient.

Und jetzt ist es also so weit, es steht unten vor meiner Tür, quietschrot und klein und knuffig. Und ich muss sagen, bis jetzt fühlt sich das wirklich, wirklich gut an.

Foto: iPhone + Hipstamatic, das erste Mal auf diesem Blog ;-)

the happiest days of our lives

the happiest days of our lives

(wer die längere Geschichte zu den Bildern nicht lesen möchte und/oder keine Lust auf einen Seelen-Striptease von mir hat, der möge bitte weiter nach unten scrollen, da kommen noch mehr Bilder)

Meine Jugend, und davon insbesondere vier bestimmte Schuljahre, sind nicht gerade das, wovon ich gerne erzähle oder an das ich mich gerne zurückerinnere. Kurz zusammengefasst lässt sich darüber sagen, es war – wenn man sie unter dem Gesichtspunkt von Freundschaften und Interaktion mit Gleichaltrigen betrachtet – eine saumässig beschissene Zeit und ich bin unendlich dankbar dafür, dass sie vorbei ist.

Meine damalige Schule war eine Katastrophe und meine Mitschüler waren… nun ja, schrecklich. Heute wird das, was ich damals über mich ergehen lassen musste mit dem Begriff “Mobbing” bezeichnet, und es gibt Anlaufstellen und Vertrauenslehrer und Initiativen die sich darum kümmern, und eine erhöhte Medienaufmerksamkeit.

Damals gab es nichts dergleichen, und ich verbrachte vier lange Jahre damit, darüber zu nachzugrübeln, ob ich eigentlich der einzig halbwegs Normale unter einer Armee von Halbstarken, Tyrannen und Schlägertypen war, oder ob die anderen alle völlig normal waren und an mir selbst irgendetwas falsch war.

So gesehen ist es verständlich, dass ich normalerweise keinen Gedanken an diese Zeit verschwende.

Doch inmitten dieser Zeit geschah eine Sache, an die ich mich letzthin zu erinnern gezwungen sah (und das ist natürlich auch der Grund, warum ich das alles hier schreibe). Es begab sich nämlich, als ich ca. 14 Jahre alt war, dass ich von meinem Vater eine alte Ricoh XR-2s inklusive zwei Objektiven geschenkt bekam, was meinen Einstieg in die Welt der Photographie darstellte… und irgendwo wurde die Photographie eines der Dinge, die mir halfen, mich von dem Wahnsinn um mich herum abzugrenzen. Zusammen mit der Musik.

Während die Anderen also Modern Talking und Sabrina hörten, da entdeckte ich The Cure und Depeche Mode und klimperte selbst auf dem Klavier meiner Großeltern rum. Und während die Anderen alle brav im Fußballverein waren, Tag für Tag auf den Bolzplatz zogen, auf dem Weg dorthin (und auf dem Nachhauseweg dann nochmal) ein paar Schwächere zusammenprügelten und dafür vergöttert wurden, da war ich mit meiner Kamera unterwegs und erforschte die Welt um mich herum.

 

Schnell hatte ich meine zwei bevorzugten Plätze zum Fotografieren gefunden… der erste waren die Bahnanlagen, die sich unweit vom Haus meiner Eltern befanden. Die Ruhe und Einsamkeit dort faszinierten mich ebenso wie die Anlagen selbst, die Züge, die Signale, all dieses Zeug das aus einer anderen Welt zu kommen schien.

Der andere Platz war das IWKA-Gelände… ein alter, leerstehender Industriekomplex mitten in Karlsruhe*, in den man ohne Probleme durch eine offenstehende Feuertür (und später, nachdem die zugemauert war, durch das Fenster) hineingelangen konnte. Wenn man Pech hatte, war da ein Typ mit einer Eisenstange unterwegs und jagte einen wieder hinaus, aber das kam selten vor.

Wenn ich mir heute diese Bilder wieder anschaue (und gerade habe ich mir ja einen Diascanner besorgt, um Frau K.’s tolles Weihnachtsgeschenk auch gebührend würdigen zu können), dann ist das ein verdammt eigenartiges Gefühl… über 20 Jahre sind seitdem vergangen, es ist wie ein dunkles, längst vergessenes Kapitel eines Buches, das erst später interessant und erinnerungswürdig wurde.

Und trotzdem bedeuten mir diese Bilder sehr viel, denn wenn ich sie anschaue, dann erinnere ich mich daran, wie es damals war… nicht an die Gestalten in der Schule oder an die nicht vorhandenen aber so sehnsüchtig herbeigewünschten Freundschaften… sondern daran, wie ich anfing, mich selbst zu finden.

 

*das IWKA-Gebäude existiert auch heute noch, es ist allerdings nicht wiederzuerkennen. Heutzutage beherrbergt es zwei berühmte Karlsruher Einrichtungen, nämlich das ZKM (Zentrum für Kunst- und Medientechnologie) und die staatliche Hochschule für Gestaltung.

Wiesbaden Blues

Wiesbaden Blues

Immer wieder im Leben gibt es diese Momente, da ist die Tatsache, dass man überhaupt einen Fotoapperat dabei hat, wesentlich wichtiger als die Frage, ob es sich um das neueste und schönste Modell handelt.

Wiesbaden, letztes Jahr im Oktober, war genau so ein Fall.

Ich hatte zusammen mit meiner Band, Botany Bay, in Wiesbaden ein Konzert gegeben, weil wir den free music contest gewonnen hatten. Dieses Konzert war zwar beim Publikum glücklicherweise gut angekommen, für mich persönlich war’s allerdings gleich aus mehreren Gründen große Kacke.

Ohne in die Tiefe gehen zu wollen – wie das im Leben manchmal so ist, geschahen damals etliche deprimierende, unnötige und schmerzhafte Dinge, und zwar netterweise alle gleichzeitig… und vermutlich aus dem gleichen Grund habe ich Wiesbaden als Ort in Erinnerung, an dem ich nicht tot aus dem Fenster hängen möchte (oder mir vor dem Bahnhof die Beine in den Rumpf stehen, was sich so ähnlich anfühlt).

Mit unterwegs war eher aus Zufall meine Fototasche und eine alte Minolta Dimage A1. Am Abend des Konzertes war ich nicht dazu gekommen, irgendwelche Fotos zu machen (um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich dachte noch nicht mal im Entferntesten daran).

Am nächsten Tag aber, nachdem wir in unserem Hotelzimmer aufgewacht waren und Wiesbadens trübe Skyline auf uns wirken ließen, da schnappte sich Wolfgang seine Gitarre und ich (in Ermangelung eines Klaviers) eben jene in die Jahre gekommene Dimage A1.

Die Fotos, die an jenem Morgen entstanden, erst im Hotelzimmer und später rund um den Bahnhof, wo ich erstmal erfolglos auf meine Mitfahrgelegenheit wartete, sind für mich heute etwas ganz Besonderes, weil sie meine Stimmung an jenem Tag nahezu perfekt transportieren… und das, obwohl (oder vielleicht auch weil) sie nur mit einer uralten 5-Megapixel-Knipse aufgenommen wurden.

Was bleibt ist zwar einerseits die Erinnerung an einen dieser Tage, an denen ich mich wie der einsamste und dümmste Mensch auf der ganzen Welt fühlte… andererseits aber eine Sammlung von Bildern, von denen ich sehr froh bin, sie gemacht zu haben.

Denn irgendwie erzählen die Bilder von allem, was damals war. Und ermahnen mich, die Dinge in Zukunft anders in die Hand zu nehmen.