Category Archives: Weltanschauliches

Fortschritte und Rückschläge

Fortschritte und Rückschläge

Also um das mal gleich vorweg zu nehmen:

Der Samstag war ein Tag für die Götter. So ein richtig schöner, genialer Frühlingstag, an dem einfach alles stimmte. Obwohl wir einiges auf dem Plan hatten (morgens: Hundeschule, abends: Fototour in der Bonner Altstadt und die ersten Kirschblüten einsammeln), verlief alles prima, unkompliziert, friedvoll und ohne Probleme.

Buba gewöhnt sich allmählich ein bisschen mehr an das Auto… sie hat immer noch Stress darin, aber mittlerweile sind wir gottseidank so weit, dass sie nicht bei jeder Fahrt reinkotzt. Und in der Schule machen wir und sie große Fortschritte. Ja, es ist noch ein langer Weg, aber wir gehen ihn gerne, und wir lernen gerne immer wieder etwas dazu.

So große Fortschritte, dass wir es Buba am Nachmittag gar zum ersten Mal erlaubten, unsere Terrasse (und den Garten) ohne Schleppleine zu betreten. Es lief erstklassig, sie war die aufmerksamste Hündin der Welt, wich kaum mal von unserer Seite, und lernte die Terrasse als neues Lieblingsplätzchen kennen.

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Wie gesagt – es war ein Tag für die Götter.

Frau K. und ich konnten uns richtig toll entspannen, und ich denke tatsächlich, wenn wir jetzt noch 3472 solche Tage direkt hintereinander hätten, dann würde das all den Scheiß der letzten zweieinhalb Jahre allmählich wieder gutmachen.

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Abends ging es dann in die Altstadt. Ein Kollege hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Kirschblüte schon in vollem Gange ist, und dass man da unbedingt hinmüsste um das fotografisch festzuhalten.

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Nun ja, in vollem Gange ist sie nicht. Es blühen vielleicht 20 von 200 Kirschbäumen in der Bonner Altstadt. Trotzdem war es sehr nett, mal wieder raus zu kommen und ein bisschen Stadtluft zu schnuppern. Und bei der Gelegenheit gelangen uns sogar ein paar sehr nette Streets, von denen ich zu gegebener Zeit hier ein paar ausstellen werde.

Tja, wenn der Samstag schon so toll ist, was soll am Sonntag dann groß schiefgehen? Nee, weit gefehlt, leider. Denn schon früh morgens ging es damit los, dass wir mit Buba wieder in den Garten rausgingen… nur war sie dieses Mal nicht so sehr interessiert an uns, sondern viel mehr an einem kleinen Trampelpfad im Gebüsch, das offensichtlich von allen möglichen Mäusen, Katzen, Mardern, Igeln, Füchsen, Wildschweinen und sonstigem Getier (nicht lachen, all die gibt’s tatsächlich bei uns) als Schnellstraße in Nachbars Garten benutzt wird, inklusive dem riesigen Loch im Zaun, das sich für uns bisher unbemerkt dahinter befand.

Lange Rede, kurzer Sinn, Bubas Jagdtrieb war geweckt, und dieser ist mit der Hauptgrund warum wir die Hundeschule machen – denn ist es erst mal so weit, so existieren wir für sie nicht mehr. Es existiert nur noch das Loch im Zaun und die andere Seite und all die begehrenswerten Gerüche, und schwupps war also Buba bei den Nachbarn und wir glotzten blöd aus der Wäsche.

Wehe, wenn sie losgelassen :-)

Wehe, wenn sie losgelassen :-)

Was dann also passierte: Herr K. lernte flugs mal alle Nachbarn kennen, die er bislang nicht kennengelernt hatte (es sind große Häuser mit großem Garten hier, und alle liegen sie am Berg bzw. Waldrand… teilweise ist gar nicht so einfach, rauszukriegen, wem welches Grundstück gehört), während Frau K. die unangenehme Erfahrung machen musste, dass ihr Hund auf nichts mehr reagierte, was man ihm vorher in mühsamer Kleinarbeit beigebracht hatte… und schließlich selbst über den Zaun kletterte, um Buba wieder zu bekommen.

Mit gemeinsamen Kräften und netter Hilfe der Nachbarn fingen wir also unseren Hund wieder ein, und ich trug ihn den Berg zum Haus hoch. Hatte ich schon erwähnt dass ich in letzter Zeit Rückenprobleme habe? Hatte ich schon erwähnt, dass es 300m tüchtige Steigung bis zu unserem Haus sind? Hatte ich schon erwähnt, dass Buba 18kg wiegt und sich beim Tragen doppelt so schwer macht?

Oben angekommen hatte ich also keinen Rücken mehr, prima Sache. Tja, und Buba wurde wohl oder übel wieder zur Schleppleine verdonnert, bis sie besser und zuverlässiger hört. Was ihr allerdings glücklicherweise nicht viel ausmacht.

Dann eben doch wieder so.

Dann eben doch wieder so.

Noch ein Foto von dieser Konstellation möchte ich gerne teilen, weil es damit etwas sehr Besonderes auf sich hat:

Gleich passiert es...

Gleich passiert es…

Was das Besondere sei, wird sich der geneigte Leser an dieser Stelle vielleicht fragen. Nun ja, ganz einfach. Just nachdem ich, vor Buba auf der Terrasse liegend, dieses Foto machte, löste sich der Sonnenschirm aus seiner Verankerung (zu sehen im Foto oben drüber) und bohrte sich 3cm neben meinem rechten Auge in den Terrassenboden. Ähem. Buba war ein wenig erschrocken, ich tatsächlich noch mehr.

Es war an dieser Stelle (bzw. ein wenig später, als auch noch einer meiner geliebten antiken Computer in meiner antike-Computer-Sammlung den Geist aufgab), dass ich vom Tag durchaus genug Warnschüsse abbekommen hatte, um mich vorsichtig zu stimmen und meine Bereitschaft für Unternehmungen deutlich zu dämpfen.

Trotzdem folgten wir später am Abend der Einladung einer Bekannten, doch mal wieder vorbeizuschauen (wir hatten uns lange nicht gesehen).

Und so nahm das Unglück zum vierten Mal seinen Lauf…

Die Ruhe vor dem Sturm...

Die Ruhe vor dem Sturm…

Denn dort befand sich zu Besuch ebenfalls ein Pärchen mit einem kleinen Hund. Ich will jetzt nicht weiter in die Tiefe gehen was da passierte und wer “schuld” war (es waren beide) – auf jeden Fall gab es eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Hunden, und das wäre eigentlich der Punkt gewesen, an dem ich normalerweise dazwischen gehe und Buba sehr bestimmt in eine andere Richtung bewege.

Nur dass ich in diesem Fall nicht die Chance dazu hatte, denn der Besitzer des anderen Hundes tat etwas, womit ich nicht gerechnet hatte, und was mich eine zeitlang ziemlich perplex zurück ließ (in der Tat brauchte ich bis heute morgen, um mir darüber klar zu werden, dass es vollkommen daneben war).

Nämlich dieses: Er brüllte wie am Spieß, drosch mit dem Karabinerhaken seiner Hundeleine wie ein Besessener auf den Boden, verjagte somit Buba ins andere Zimmer, und, damit nicht genug, rannte ihr auch noch hinterher und brüllte und schrie und zeterte weiter, während seine Frau die ganze Zeit beschwörend auf ihn einredete (was mich vermuten lässt, dass so was öfter vorkommt und nicht auf Hunde beschränkt ist).

Hm ja.

Auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, dass man seinen Hund liebt und irgendwie gerne beschützen möchte, so ist mir nicht im geringsten klar, wozu so ein Verhalten gut sein soll, wie man überhaupt nur auf die Idee kommen kann so was sei in irgend einer Weise zielführend, und wo man so einen Mist im 21. Jahrhundert noch lernt. Vielleicht in “St. Brutus Extra-Aggro-Schule für unnötige Gewalt und Vollpfosten-Erziehungsmethoden, jetzt mit instant Hundetraumatisierungs-Garantie!”

Und ja, ich nehme alles zurück: Das mit dem Sachkundetest für die Hundehaltung (den ich machen musste um Buba halten zu dürfen) ist vielleicht doch keine so bescheuerte Idee. Vielleicht sollte man den sogar verpflichtend machen, für alle Hundehalter, und zwar EU-weit. So schnell kann man seine Meinung ändern. Und wäre meine Stimmung nicht eh schon im Eimer gewesen, spätestens jetzt hätte sie den absoluten Nullpunkt erreicht.

Naja, wir lernen daraus, dass Buba und wir noch viel zu lernen haben. Und dass man nicht übermütig werden sollte, nur weil das Leben mal einen Tag lang alles wie am Schnürchen laufen lässt.

Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Ich weiß nicht ob es an an der aktuellen Lage der Sterne liegt, oder am miesen Wetter da draussen oder an der Tatsache dass das Fernsehprogramm immer grottiger wird, aber in den letzten Tagen ist bei einigen Bloggern vermehrt der Drang zu beobachten, etwas Schlaues über Aktphotographie schreiben zu wollen. Continue reading

Die Brücke

Die Brücke

 

Als ich noch ein kleines Kind war, ging mein Großvater oft mit mir im Weiherwald spazieren. Der Weiherwald war (und ist noch immer) ein mittelgroßes von Seen und Flüssen durchzogenes Waldstück im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld, und war von unserem alten Hexenhäuschen aus bequem zu Fuß zu erreichen.

Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als wir eines schönen Sommertags wieder einmal einen unserer Spaziergänge machten und dabei bemerkten, dass die alte, morsche und gefährliche Holzbrücke durch eine funkelnagelneue, dunkelbraun lackierte Holzbrücke ersetzt worden war.

“Schau mal, sie haben die Brücke neu gemacht”, sagte mein Großvater, “komm, das schauen wir uns an!”

Gesagt, getan, zusammen bestaunten wir die neue Brücke und machten langsam uns an den Überweg. Ich sehe ihn noch genau vor mir, als ob es nicht vor 35 Jahren sondern gestern gewesen wäre – meinen Großvater mit seinem braunen Lederhut mit der breiten Krempe und seinem Spazierstock.

Plötzlich hielt er unvermittelt inne. “So eine Sauerei”, entfuhr es ihm, während er auf das breite und wuchtige hölzerne Geländer der Brücke starrte. Dort hatte irgend jemand offensichtlich nicht mehr als wenige Tage zuvor (länger gab es die Brücke noch nicht) ein Hakenkreuz eingeritzt.

Der Grund, dass ich diese Geschichte jetzt aufschreibe, ist, dass ich mich wohl ewig ganz genau daran erinnern werde, was als nächstes passierte. Denn mein Großvater, sonst nicht der übermäßig aktive Mensch, nahm seinen Spazierstock und begann, mit der metallischen Spitze das Hakenkreuz in ein Rechteck mit einem Kreuz darin zu verwandeln.

“Was machst Du denn?” wollte ich wissen.

“Ich mache das Hakenkreuz kaputt”, antwortete mein Großvater.

“Aber warum denn?”

“Das ist ein ganz böses Zeichen. Ein widerliches und gemeines Zeichen”, sagte er, während er mit frenetischem Eifer die Brücke bearbeitete.

“Warum ist das Zeichen böse?” fragte ich.

“Das war das Zeichen der Nazis”, erklärte mein Großvater. “Die Nazis waren ein ganz großer Haufen Schwerverbrecher. Die haben Millionen von Menschen getötet und vertrieben… und einen Krieg veranstaltet in dem noch viel mehr umgekommen sind… und ich beinahe auch…”

“Aber warum hat sie niemand aufgehalten? Warum hat niemand die Polizei gerufen?”

Mein Großvater drehte sich zu mir um und schaute mich ernst an, die Hand noch immer am Spazierstock, mit dem er die Brücke bearbeitete. Schweißperlen rannen an seiner Stirn herunter, und ich werde diesen Blick ebenso wie seine Antwort und alles andere nicht vergessen.

“Die waren die Polizei.”

Ich muss wohl einigermaßen entsetzt geschaut haben, denn mein Großvater fuhr sogleich fort: “Aber das ist lange her. Beinahe vierzig Jahre. Inzwischen ist alles anders.”

“Aber wenn das so lange her ist, warum hat dann jetzt jemand das Zeichen in die Brücke gemacht?” fragte ich.

“Der, der das gemacht hat, ist ganz einfach ein ganz großer Idiot”, sagte mein Großvater, “mehr nicht. Der war nicht dabei, hat es nicht mitgekriegt, hat in der Schule nicht aufgepasst und hat keine Ahnung was das Hakenkreuz wirklich bedeutet.”

Und damit nahm er seinen Spazierstock in die rechte und mich an die linke Hand, und wir setzten unseren Spaziergang fort.

Erst später erfuhr ich, dass mein Großvater zwei Weltkriege miterlebt hatte. Dass er im zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten war, aus der er 1948 mehr tot als lebendig zurückgekehrt war. Dass er Mitglied in der KPD gewesen war und deshalb an der Front verheizt wurde, dass er später Entschädigung beantragt hatte die ihm nicht bewilligt wurde, weil die KPD in Deutschland inzwischen verboten war. Und so weiter und so fort.

Und natürlich erfuhr ich später auch mehr über die Nazis – von meinem Großvater, im Geschichtsunterricht, in Büchern, in Filmen und an Gedenkstätten.

Tja, und heute bin ich nach langer Zeit wieder einmal an der Brücke vorbeigekommen. Inzwischen gibt es die Holzbrücke nicht mehr, und sie wurde durch ein Bauwerk aus Beton und blau lackiertem Stahl ersetzt, auf dem sich glücklicherweise keine Hakenkreuze befinden. Und irgendwie musste ich beim Überqueren der Brücke – und nachdem “Freiwild” (nee, ich weigere mich, den Bandnamen so zu schreiben wie die Band das gerne hätte) gerade die Teilnahme am “with full force” Festival abgesagt hat und die Band auf ihrer Facebook-Seite das missverstandene Opfer gibt und dafür von hunderten Fans bejubelt wird – daran denken, dass Faschismus keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen… und an den Mann, der mir das zum ersten Mal klar machte.

Danke, Großvater.

Rant

Rant

So, Wetter, jetzt hör mir mal verdammt gut zu.

Weisst Du, was das da oben ist? Richtig, das ist eine fotografische Dokumentation davon, wie es bei uns vor genau einem Jahr aussah.

Die Magnolien blühten, man saß abends mit einem Fläschchen Rotwein draussen, beobachtete den goldenen Sonnenuntergang, und später, wenn die Temperaturen so gegen Sechs Uhr abends unter 15 Grad fielen, machte man ein Feuerchen an und schaute dem Tanz der Flammen zu.

Und auch ansonsten war eigentlich so ziemlich alles in Butter. Ich hatte meinen alten Job, der mich die letzten zwei Jahre nur noch maßlos angeödet und deprimiert hatte, endlich gekündigt, und ich war aus meiner alten Wohnung, die mich die letzten fünf Jahre nur deprimiert und maßlos angeödet hatte, endlich ausgezogen. Und sowohl der neue Job als auch die neue Wohnung waren eine circa zweitausendprozentige Verbesserung.

Naja, Wetter, wie wir beide wissen, blieb es nicht so. Ich habe zwar immer noch meine schöne Wohnung und meinen tollen Job (und nach wie vor die tollste Frau K. die man sich vorstellen kann), aber so ziemlich alles andere wurde ganz extrem Scheisse. Mein Vater hatte im August zwei Schlaganfälle, und ich musste ihm, ohne noch einmal mit ihm reden zu können, vier Monate lang beim Sterben zusehen, ehe er im Dezember endlich erlöst wurde. Und den einzigen Trost, den ich im Winter hatte, war, dass im Frühjahr wieder die Sonne scheinen würde, und dass wir spätestens zu Ostern wieder draussen sitzen und all die Dinge machen würden, die schon letztes Jahr um die gleiche Zeit unsere Seelen geheilt hatten.

Dummerweise hatte ich die Rechnung ohne Dich gemacht, Wetter.

Und ich mein’ das schon lange nicht mehr lustig. Ehrlich nicht. Du kannst es Dir in Deinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen, Wetter, wie sehr Du mir auf dem Nerv gehst.

Mit der seit Monaten ewig gleichen, kalten Milchsuppe da draußen, die sich in die Knochen frisst und sich über die Seele legt wie eine kalte, nasse Decke.

Mit der Art und Weise, wie Du jeden positiven Gedanken im Keim erstickst, indem Du zusätzlich zum eiskalten Wind ab und an noch ein bisschen Schnee und Graupel vorbei schickst und dafür sorgst dass die Magnolien draussen erfrieren bevor sie die Chance zum Blühen kriegen.

Mit dem grauen, kalten, undurchdringlichen Vorhang, den Du vor die Sonne stellst, und hinter dem man sie allenfalls als matte, milchige Scheibe ausmachen kann, als Spottbild dessen, was sie eigentlich sein sollte, und was ich mir so sehr wünsche.

Ehrlich, Wetter, Du nervst wie Hupe. Du bist ein ganz großes Oberarschloch. Es ist nicht mehr lustig, was Du da veranstaltest, im Gegenteil. Es ist so richtig zum Kotzen, und es ist genug jetzt.

Hör’ endlich damit auf, Du blöde Sau.

History Repeating

History Repeating

Ich muss etwas gestehen. Vor drei Jahren, als ich mehr oder weniger gezwungenermaßen dieses Blog eröffnete*, hatte ich lange vorher ausgiebig mit dem Gedanken gespielt, stattdessen einfach einen tumblr-Account aufzumachen und dort zu photobloggen.

Aber dann sagte irgendeine Stimme in mir “Nee, Stephan, tu das nicht. Weisst Du noch wie das damals bei flickr war? Das brauchst Du nicht noch mal”.

Und heute ist es tatsächlich so weit. Yahoo kauft tumblr. Verdammt, ich sollte auf solche Sachen spekulieren statt mit ehrlicher Arbeit mein Geld zu verdienen.

Tja, yahoo, ich meine das jetzt nicht böse, und ich kann tatsächlich mit Dir mitfühlen. Du möchtest wieder jung und cool sein, und dazu gehören. Und die Aktionäre beruhigen. Nur, erinnerst Du Dich, was Du aus flickr gemacht hast? Und, darf ich Dich darauf hinweisen, dass ein nicht unbedeutender Teil der auf tumblr geteilten Inhalte nicht nur vermeintlich sondern tatsächlich im wahrsten und treffendsten Sinne des Wortes pornographisch sind? Hach ja, das dürfte spannend werden.

Das Bild oben, “Through Shadow Into Light”, war übrigens anno 2004 eines der ersten Bilder, die ich auf (damals noch nicht yahoo-) Flickr veröffentlichte, bevor mein gesamter Account nach der Übernahme genullt wurde und ich mir einen neuen erstellen durfte… und nein, damals gab’s noch keine content filter bei flickr, aber das ist eine lange Geschichte, und sie ist schon lang vorbei…

 


* Der geneigte Leser mag sich vielleicht erinneren: ipernity hatte gerade seine homophobe Seite entdeckt (nachdem man vorher schon kreuz und quer großartige Künstler rauszensiert hatte), bei flickr gab man sich nach der Übernahme durch yahoo  päpstlicher als der Papst, und über die fotocommunity möchte ich in meinem Blog nicht wirklich allzu ausführlich reden, sonst muss ich es die ganze nächste Woche neu weihen…

Flickr hat umgebaut, wir werden alle störben™!!!

Flickr hat umgebaut, wir werden alle störben™!!!

 

Die einstmals große und seit 2004 zum Yahoo-Konzern gehörende Foto-Plattform flickr hat sich letzte Woche ein gigantisches facelifting verpasst. Im Gegensatz zu vorher werden Bilder jetzt größer und mit nur wenig Zwischenräumen dargestellt, und sie werden in einem fort nachgeladen, wenn man auf der Seite nach unten scrollt. 

Das allein wäre hier noch keine Erwähnung wert. Aber der Aufschrei, der jetzt durch die Massen der flickr-User geht, den finde ich doch unter gleich mehreren Gesichtspunkten äußerst erwähnenswert.

Zum einen gibt es gerade mal wieder einen Strom von Fotografen, die von flickr nach ipernity umziehen, weil bei flickr niemand auf ihre Beschwerden reagiert und keine Kommunikation stattfindet. Das find’ ich total drollig.

Ausgerechnet ipernity, die vor ein paar Jahren den ganz großen Zensur-Kahlschlag veranstaltet haben (um die Investoren gnädig zu stimmen), und deren ausserordentlich nette und sympathische Kommunikationsstrategie darin bestand, sich über Monate hinweg gar nicht und danach auch nur mit unfreundlichen “wir haben überhaupt nix kapiert”-cut-and-paste-Textbausteinchen zu melden.  Na, viel Spaß dort.

Wieder andere wollen zu 500px (dem ehemaligen Fotografen-Geheimtipp, der inzwischen zur gleichen HDR/Eichhörnchen-Einheitssuppe verkommen ist wie schon so viele Seiten zuvor). Das find’ ich beinahe noch drolliger, denn 500px war ganz offensichtlich das Vorbild beim Redesign von flickr.

Einige liebäugeln mit tumblr, welches gerade von Yahoo gekauft wurde. Das ist an Drolligkeit eigentlich nicht mehr zu überbieten.

Liebe Leute, ich weiss, ich werde von den Oberspezialisten unter euch jetzt wieder Selbstherrlichkeit und Arroganz und ganz allgemein Beleidigtes-Bratwurst-Sein vorgeworfen bekommen, aber es ist ganz einfach so: Wenn ihr nicht damit leben könnt, dass irgendeine Frau Meyer oder ein Herr Zuckerberg oder ein Herr Schmidt (oder auch nur eine Lea d’Ipernity) mit den von euch bereit gestellten Inhalten einfach plötzlich und unvermittelt machen können, was sie wollen die Aktionäre wollen, dann dürft ihr bei so was eben nicht mitmachen.

Das WWW war niemals als Zusammenschluss von großen Plattformen gedacht, die jeweils irgendwelchen steinreichen Krawattis gehören, welche einzig allein durch eure Inhalte und eure Teilnahme und euren Wert bei den Werbekunden immer reicher und reicher und noch reicher werden.

Es war so gedacht, dass jeder mit jedem kommunizieren kann, verteilt und dezentral. Gut, wir haben es alle zusammen mit kaputt gemacht, indem wir uns brav bei facebook angemeldet haben, über twitter unsere lachhaften first-world-problems in die Gegend schleudern und unsere Einkäufe hauptsächlich per Amazon tätigen. Aber muss es denn wirklich so weiter gehen? Jedem steht es offen, einfach mit einer eigenen Seite ins Netz zu gehen, beispielsweise mit einem Photoblog.

Ja, ich weiss, es wird jetzt als Einwand kommen: “Aber, auf nem eigenen Photoblog findet nicht so viel Kommunikation statt, und man findet sich nicht so leicht, und man kriegt nicht mit wenn jemand was neues postet”, etc. pp.

Was Quatsch ist. Mit RSS gibt’s ne prima offene Technologie, mit der man seine Lieblingsblogs im Auge behalten kann (und weil das schlecht für Google+ ist, hat Google auch den Reader dicht gemacht, diese Schweinepriester). Leider weiss das kaum jemand, und noch weniger Leute benutzen es. Aber die Technologie ist da. Und genau so ist das mit der Kommunikation. Unter jedem Bild hier kann man kommentieren. Gut, das ist ein bisschen schwieriger als ein “Sternchen” zu vergeben oder auf einen “Gefällt mir” Button zu drücken, aber das soll es auch sein.

Meinjanur.

Ich bin stinksauer

Ich bin stinksauer

In den letzten Monaten vor seiner schweren Krankheit und seinem darauf folgenden Tod arbeitete mein Vater wie ein Besessener an einem letzten, ehrgeizigen Projekt – ein Bildband über Karlsruhe, früher und heute.

Aber nicht so kitschpostkartenhaft wie man jetzt vielleicht denken möchte, sondern, in seinen eigenen Worten:

Als Kind hatte ich den Wiederaufbau erlebt. In den 70er Jahren dann mußte ich zusehen, wie markante Gebäude abgerissen wurden, die den Krieg glücklich überstanden hatten, eins nach dem andern. Nicht genug: Man vernichtete uralte gewachsene Strukturen, verlegte Flußläufe, bastelte künstliche Landschaften zusammen. Was ich als meine Heimat angesehen hatte, wurde unwiederbringlich zerstört und ich konnte nichts dagegen tun! Wenigstens mit Bildern wollte ich mir eine Erinnerung erhalten. Und so zog ich los und fotografierte alles, was mir wichtig erschien. Manchmal kam ich zu spät.
40 Jahre danach habe ich die damals fotografierten Örtlichkeiten noch einmal aufgesucht und den heutigen Zustand aus möglichst gleicher Perspektive aufgenommen. Manchmal hatte ich Tränen in den Augen.

Er arbeitete Tag und Nacht daran, mit einer unglaublichen Energie… obwohl er schon deutlich spürte, wie seine Kräfte schwanden.

Alle möglichen Verzögerungen und Komplikationen sorgten dafür, dass er die Veröffentlichung seines Werkes nicht mehr miterleben würde. Aber wir Angehörigen hatten zumindest den Trost, dass das Buch, das ihm so viel bedeutete und für das er seine letzte Kraft gab, posthum erscheinen würde. Man konnte es sogar noch zu seinen Lebzeiten vorbestellen (auch wenn er davon nichts mehr mitbekam).

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir gibt. Tausend Dank an Katja dafür.

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir gibt. Tausend Dank an Katja dafür.

Heute nun erreicht mich die Nachricht vom zuständigen Verlag, dass man sich dazu entschlossen habe, das Buch nicht zu veröffentlichen.

Aber gütigerweise bietet man meiner Mutter 500 (in Worten: fünfhundert) Euro als Quasi-Schmerzensgeld.

Ich kann gerade gar nicht in Worte fassen, wie wahnsinnig sauer ich bin… was für ein unglaublicher, erbarmungsloser Schlag ins Gesicht das ist… sowohl für das Andenken an meinen Vater (der sein Leben lang um Anerkennung kämpfen und immer wieder Enttäuschungen dieser Art verkraften musste, während andere, die sich besser verkaufen konnten, ganz groß rauskamen… vor ein paar Monaten schrieb ich mehr darüber drüben auf dem Botany Bay Blog) als auch für seine Angehörigen, die dieses letzte Aufraffen, seine Besessenheit und seine Hoffnung hautnah miterlebt haben.

Ich bin viel zu sauer als dass ich gerade wüsste, was ich jetzt machen soll. In meinem momentanen Zustand bei den verantwortlichen Menschen vorzusprechen und ihnen zu sagen, in welcher Geschwindigkeit sie sich ihre beschissenen 500 Euro bitteschön Cent für Cent anal einführen dürfen, das empfiehlt sich wohl nicht… zumindest so schlau bin ich.

Aber eins ist sicher: So geht es nicht. Überhaupt nicht.

Liebe NSA,

Liebe NSA,

(und natürlich liebe Briten, Franzosen, und wer uns noch so alles abschnorchelt)

Es war irgendwann im Jahre 2006. Wie Du weisst (ich hoffe, ‘Du’ ist ok – Du weisst so viel von mir, da erscheint mir das richtig) lebte und arbeitete ich damals noch im schönen Heidelberg am Neckar. Und wie Du sicherlich auch weisst, war ich zu jener Zeit oft und gerne mit der wunderbaren Freckle unterwegs, die damals zu so etwas wie meinem Lieblingsmodell geworden war.

Eines Tages beschlossen wir, mal wieder schöne Fotos zu machen und zu diesem Zweck meine “alten Jagdgründe” in Karlsruhe zu besuchen, in diesem speziellen Fall: Der Epple-See und die darum gelegene wildromantische Steppe und Einöde.

Wir kamen also gegen Nachmittag dort an, hatten uns ein paar Brote gestrichen und vertilgten die erst mal, während wir am Himmel beobachten konnten, wie ganz allmählich ein Gewitter aufzog. Als wir uns schließlich vom Parkplatz aus auf den Weg machten, hatten die Wolken die gesamte Szenerie bereits in ein vollkommen unwirkliches grau/grün/blau getaucht. Netterweise bekamen wir aber nur die Ausläufer des Gewitters mit, die Hauptvorstellung fand wohl ein paar Kilometer entfernt in Neuburgweier statt.

Auf halbem Weg zum See erwischte uns dann ein leichter Regenschauer, der genau so schnell wieder vorbei war wie er gekommen war, während uns der warme Sommerwind fortwährend um die Ohren pustete. Schließlich ließ Freckle ihre Hüllen fallen, weil a) wir schließlich Outdoor-Akt machen wollten, und b) zu dem Zeitpunkt eh schon alles nass war.

Ausgerüstet mit meiner guten alten Dynax 5D begann ich also, wild draufloszuknipsen, und ein Bild ums andere wurde der totale Oberhammer, ohne dass wir dazu viel tun mussten. Ein Bild, das Titelbild dieses Beitrags, war besonders denkwürdig: Freckle hatte sich zum Trocknen auf einer Anhöhe in den Wind gestellt, und während über Neuburgweier am Rhein die Apokalypse tobte, posierte Freckle auf der Anhöhe, ihre dunkle Silhouette gegenüber den Wolken von der Rest-Feuchtigkeit des Sommerschauers perfekt in Szene gesetzt.

Nun ja, wir machten zig Bilder, und jedes einzelne davon war etwas Besonderes. Dann fuhren wir wieder zurück nach Heidelberg, unter anderem, weil ich dort noch ein bisschen zu arbeiten hatte.

Freckle nach dem Regen

Freckle nach dem Regen

Wie Du ja weisst, liebe NSA, arbeitete ich damals als wissenschaftliche Hilfskraft und Dozent am Lehrstuhl für Computerlinguistik. Freckle war so nett, mich direkt dort abzusetzen, und bevor ich mit der Arbeit loslegte, lud ich an diesem Tag die RAW-Bilder, um die 150 Stück, runter auf meinen Mitarbeiter-Account, schaute kurz darüber und widmete mich dann der Korrektur von 60 “Einführung in die Programmierung in C”-Klausuren, die ich auf meinem Schreibtisch liegen hatte.

Am Abend ging ich dann heim, übertrug die Bilder auf meine Festplatte zuhause, und löschte irgendwann bald darauf die Dateien auf meinem Uni-Account.

Schwerer Fehler.

Denn nur ein paar Wochen danach erlitt eben diese Festplatte zuhause einen Headcrash, und alles war flöten. Natürlich hatte ich viele Backups von vorher, aber keines von diesem Shooting. Alles was mir blieb waren die bereits bearbeiteten und auf 800×600 Punkte runtergerechneten Versionen von zwei Bildern, die ich in der Woche auf flickr veröffentlicht hatte.

Du ahnst schon, liebe NSA, worauf ich hinaus will: Ich war damals (und bin es immer noch, nur hab ich ein neues Auto) eine langhaarige, linke Bazille, die alle vier Tage von der Polizei angehalten wurde, nur weil auf der Heckscheibe meines Wagens ein “NO WAR FOR OIL”-Aufkleber angebracht war und ich einen Pferdeschwanz trug. Ferner war ich auf mehreren Demonstrationen gegen Faschismus, gegen Atomenergie und nicht zuletzt gegen euren tollen Krieg, den ihr unter dem erstunkenen und erlogenen Vorwand von “Massenvernichtungswaffen” im Irak angezettelt hattet. Ich bin also ziemlich sicher, ich war in Deinem Visir, und auch in dem von den deutschen Kollegen.

Deshalb jetzt meine Frage: Hast Du meine Bilder vielleicht noch irgendwo? Ich weiss, es klingt doof, aber wenn ich jetzt daran zurückdenke, dann muss ich feststellen, dass dieses Shooting am Epple-See eines der genialsten Shootings war, die ich jemals machen durfte. Ich weiß nicht ob es an der großartigen Freundschaft liegt, die Freckle und mich damals verband… oder an dem surrealen Wetter, oder an der Landschaft… vermutlich lag es an allem gleichzeitig, und diese Bilder zu verlieren ist ein ganz enormer Verlust für mich.

Daher… wenn Du die Dinger noch irgendwo hast, liebe NSA, bitte zögere nicht und schick sie rüber. Auf Anfrage per eMail geb ich Dir gerne den Zugang zu meinem Dropbox-Folder… ach, was rede ich, den hast Du ja eh schon! Also leg sie bitte einfach rein wenn Du was findest, das wäre echt total schnafte von Dir!

Liebe Grüße
Dein Stephan

P.S.: Liebe Angela, lieber Hans-Peter und liebe deutsche Kollegen vom BND…: Ich weiß, ihr leugnet, damit irgendwas zu tun zu haben oder irgendwas davon zu wissen. Aber seien wir mal ehrlich, wen wollt ihr damit verarschen? Mich auf jeden Fall nicht, es ist sonnenklar dass ihr wisst was Sache ist. Deshalb gilt diese freundliche Frage selbstverständlich auch für euch: Solltet ihr noch etwas von den Daten haben wäre es echt freundlich, wenn ihr euch meine Dropbox oder meinen iCloud-Account nochmal genauer anschauen und mir dort was hinterlassen könntet. Vielen tausend Dank!
S.

P.P.S.: Ich hab auch ein paar keywords für euch in den Artikel getan, damit ihr ihn auch sicher findet. Küsschen :-*

Liebe Model-Kartei…

Liebe Model-Kartei...

Liebe Model-Kartei,

wir wissen es beide… es war nie einfach zwischen uns. Und inzwischen finde ich, es trennen uns einfach zu viele fundamentale Unterschiede, als dass es noch länger Sinn hätte, unsere Beziehung weiterhin aufrecht zu erhalten. Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, nach Absetzen dieses Postings mein Profil bei Dir endgültig zu löschen.

Schluss machen ist meistens für den einen der beiden Beteiligten schwieriger als für den anderen. Und da es für mich gerade sehr leicht, schön und befreiend ist, nehme ich an, dass es für Dich schwieriger sein muss und ich Dir ein paar Erklärungen schuldig bin.

(Natürlich ist es für Dich nicht schwieriger, denn Du bist nur ein gesichtsloses und in der neuen Version an jeglichen Usability-Erwägungen konsequent vorbei programmiertes Computerprogramm, das eine Plattform für eine Gemeinschaft bietet, deren überwiegender Mehrheit meine Abmeldung noch mehr vollkommen scheißegal nur schwerlich sein könnte. Aber tun wir für dieses Posting trotzdem mal, als seist Du mehr als das…)

Du wirst Dich vielleicht fragen, was den endgültigen Ausschlag für meine Entscheidung gab. Das ist leicht zu beantworten, es handelt sich um eine junge Frau mit dem Alias “Dove*” (Name ein bisschen geändert, aber nicht wirklich viel), die bei Dir “VIP-Status” hat und die sich, soweit ich das ihrer Sedcard entnehmen kann, unter den “TOP 300 MK MODELS” befindet, oder zumindest in der zugehörigen Gruppe ist.

Trotz dieser Top-300-Geschichte, was auch immer das bedeuten mag, ist diese Frau ein Model wie viele andere auch auf der MK: Sie lässt Männer mit sündhaft teurem fotografischem Equipment viel zu viel Geld dafür bezahlen, damit diese ebenso technisch perfekte wie einfallslose Bilder von ihr machen, von denen sich die meisten in einem eng abgegrenzten Bereich zwischen den Sujets Softporno-Vorspielbildchen, Bildzeitungs-Erotik und dem, was Otto Normalverbraucher unter S/M versteht, bewegen.

Die durchschnittlichsten dieser Bilder werden dann genommen und auf der “Sedcard” des Models ausgstellt, woraufhin sich darunter hunderte von Kommentare wie “…..schöner bildschnitt,passender schärfenverlauf und echt voll cool die idee”, “Gefällt mir sehr gut :) HEISS!” oder auch “Oh ja das ist einfach Großes Kino Wow” einfinden (alles Orginalzitate).

An der Art wie ich das beschreibe, liebe MK, kannst Du natürlich schon ablesen, dass ich von derartigen Bildern nicht so wahnsinnig viel halte. Manche davon widern mich sogar richtiggehend an.

Jetzt kannst Du natürlich vollkommen zurecht einwerfen, dass die Geschmäcker halt verschieden sind, und dass ich auch künstlerisch wertvolle Bilder auf Dir finde, wenn ich nur lange genug suche. Das Problem ist nur: Erstens muss man diese mit der Lupe oder besser dem Mikroskop suchen, und dazu ist mir meine Zeit einfach zu schade.

MK live

MK as MK can…

Und zweitens, und das ist das wirklich Schlimme, bist Du, liebe MK, als Multiplikator für den oben beschriebenen Photographie-”Stil” und der Leute die sich daran erfreuen, richtig gehend gefährlich: Du verdummst die Leute.

Vor ein paar Jahren lernte ich über die MK eine Frau kennen, die sich gerade erst angemeldet hatte und die ihre ersten Shooting-Erfahrungen sammelte. Ich war einer der ersten Fotografen, die sie auserkoren hatte, und so veranstalteten wir an einem schönen Sommertag unser erstes und einziges Shooting. Sie war sehr schön, hatte eine ganz eigene, natürliche und besondere Ausstrahlung, und wir machten an diesem Tag ebenso eigene, natürliche, besondere und außergewöhnliche Aufnahmen.

Natürlich bekam ich mehrfach das übliche “aber ich zieh mich auf keinen Fall aus!!!” zu hören, obwohl ich weder danach gefragt hatte noch danach fragen wollte. Und natürlich war sie teilweise noch sehr unsicher und aufgeregt, aber trotzdem gelangen uns mit der Zeit Aufnahmen von einer ganz eigenen Emotionalität.

Das traurige Ende der Geschichte ist, dass sie so richtig Lust aufs Modeln bekommen hatte, und bald schon Shootings mit allen möglichen MK-Alumni machte. Und mit der Zeit nahm sie die gruselige Vorstellung von Ästhetik und Schönheit, die Du, liebe Model-Kartei, in ganz großem Stil propagierst, vollständig in sich auf.

Inzwischen arbeitet sie nur noch gegen Bezahlung, kommuniziert nicht mehr mit Fotografen wie mir, hat sich eine Brustvergrößerung machen lassen (Original-MK-Kommentare: “Wow, kommt voll gut, Gratulation“, “wirklich toll und gute größe kannst mir ja mal per pn den macher schicken ganz toll“, etc. pp.) und hat mich aus ihrer MK-Freundesliste gekickt, damit dort mehr Platz für die wirklich wichtigen Leute ist. Auf ihrer Sedcard befindet sich kein einziges Bild mehr von mir, und davon abgesehen ist ihre gesamte Fotosammlung nur noch eine ganz schwache und traurige Ahnung dessen, was hätte sein können, wenn es nicht so gekommen wäre wie es nun mal leider gekommen ist.

Du kannst mir nun unterstellen, dass ich ja nur eingeschnappt bin weil sie nichts mehr mit mir machen möchte. Aber ich versichere Dir, das stimmt nicht, mein Seelenheil liegt nicht darin ob ein Mensch mit mir shooten mag oder nicht.  Ich bin eingeschnappt weil Du, liebe Model-Kartei, dieses Model verhunzt hast, und es war nicht das erste, und es wird nicht das letzte sein.

Naja, aber ich bin endlos abgeschweift, zurück zu “Dove*”: Diese schrieb mich also tatsächlich an, ob ich Lust hätte, Fotos von ihr zu machen. Und ich dachte mir, au weia, was möchte jemand mit so einem Gruselkabinett der hundertprozentigen MK-ness auf der Sedcard wohl von mir?

Und so sah ich es als Herausforderung an, zu dieser Sedcard endlich mal was, nun ja, anderes beisteuern zu dürfen. Natürlich war ich da ziemlich naiv. Ich war nicht der einzige, der eine exakt gleich lautende Mail bekommen hatte, sondern ich war, wie ich inzwischen herausfand, einer von zig Empfängern einer Massenmail.

Die darauf entstehende Diskussion habe ich bereits an anderer Stelle ausführlich dokumentiert; erstmal wurde viel zu viel Geld von mir verlangt – für einen Dienst (nämlich: Rettung ihrer Sedcard), für den mich eigentlich das Model hätte bezahlen müssen. Und nachdem klar wurde, dass ich andere Vorstellungen von einem Shooting hatte, wurde kurzerhand nicht mehr geantwortet und die Kommunikation wurde abgebrochen.

Und genau das ist das zweite große Problem, das ich mit Dir, liebe MK, habe: Deine Models können sich einfach nicht benehmen. Elementare Grundsätze der Kommunikation zwischen zwei Menschen? Absolute Fehlanzeige.

Wäre “Dove*” die erste mit der es so läuft, so würde ich gar nichts sagen. Aber “Dove*” ist nach letzter Zählung die siebzehnte mit der es so läuft, und die Frage, die ich in letzter Zeit sehr oft von befreundeten Fotografen gestellt bekomme, ist: “Warum tust Du Dir das überhaupt an?” – eine berechtigte Frage.

Es ist wahr, ich habe durch Dich, liebe MK, über die letzten vier Jahre hinweg einige Menschen kennengelernt, mit denen das Fotografieren eine wahre Freude war (und in einem Fall entstand daraus sogar eine Freundschaft)…  aber diese lassen sich an weniger als einer Hand abzählen, es sind nämlich insgesamt derer vier. Und irgendwie, das wirst Du sicher einsehen, lohnt sich das im Endeffekt nicht, wenn man den Ärger mit all den Doves und sonstigen MK-Mausis in Betracht zieht. Die Bilder, die ich bei Dir hoch lade, werden auch kaum angeschaut und noch weniger kommentiert (wobei mir letzteres irgendwo auch recht ist, denn auf “wow, geiler Körper” oder “super Schärfeverlauf, klasse, schau auch mal bei mir vorbei” kann ich gut verzichten), und Perlen vor die Säue werfen war noch nie so meine bevorzugte Freizeitbeschäftigung.

Deshalb: Es war ein nettes Experiment, es hat nicht geklappt.

Mach’s gut und viel Glück für die Zukunft,

Dein
Herr K.

(Modell ganz oben: Anne K., die mit der MK nichts zu tun hat)

P.S.: Wer schöne Fotos von sich haben möchte (Ausziehen nicht erforderlich): Mail an stephan@massenbelichtungswaffen.de genügt!

Im Siebengebirge haben sie nicht alle Tassen im Schrank

Im Siebengebirge haben sie nicht alle Tassen im Schrank

Im Siebengebirge ist es wunderschön. Insbesondere gilt das für meine Wahlheimat Rhöndorf, ein kleines, pittoreskes Dorf, von dem aus die Löwenburgburgstraße in eine urtümliche Landschaft aus kühlen Tälern und erhabenen Bergen führt. Über allem thront der Drachenfels, und wer seine markante Erscheinung auf sich wirken lässt, dem kommt es gar nicht so weit hergeholt vor, dass in dieser Landschaft Teile der Nibelungensage spielen sollen. An den prachtvollen Berghängen wird seit 860 n.Chr. Weinbau betrieben, und auch im Jahre 2013 gibt es noch drei Winzer, die in Rhöndorf unterhalb des Drachenfels Wein anbauen.

Huch… Moment mal… hier stimmt irgendwas ganz gewaltig nicht!

Irgendwie ist beim Schreiben kurz das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinander geraten und obiger Absatz stammt aus einem anderen Quantenuniversum.

Entschuldigung. Natürlich ist er falsch, ebenso wie das Bild.

Also fangen wir noch mal von vorne an. Das hier ist das richtige Bild:

Im Siebengebirge könnte es wunderschön sein. Doch leider geht insbesondere in meiner Wahlheimat Rhöndorf nicht alles mit rechten Dingen zu, und wenn man sich dieser Tage abseits der Löwenburgstraße auf zu einer Wanderung über die Weinberge macht, so ist dies deutlich zu spüren.

Über die Ausflugsgastronomie, die in den letzten Jahren mit einem zig-Millionen-Aufwand an Steuer- und Fördergeldern direkt unterhalb des Drachenfels gebaut wurde, habe ich an dieser Stelle schon vor etwas mehr als einem Jahr berichtet. Wer das alles nicht noch mal lesen will, die Zusammenfassung ist einfach: In den frühen 70er Jahren wurde unter dem Drachenfels ein Restaurant im Stil des Brutalismus gebaut. Niemand fand das Teil jemals schön, alle fragten sich was das Gebäude da eigentlich soll, und nachdem es im Jahre 2007 noch mal schnell komplett saniert wurde (warum?!), wurde es 2011 endlich abgerissen und in den darauffolgenden Jahren durch ein ebenso unpassendes Gebäude in Glasbauweise ersetzt.

Fragt man die Bewohner der umliegenden Ortschaften, was sie davon halten, so wird schnell abgewunken. “Unnötig” und “Geldverschwendung” sind noch die charmantesten Beschreibungen, die man erhält, und es wird auch schon mal über “kölschen Klüngel” spekuliert.

Aber in den letzten Tagen hat der Unmut in Rhöndorf und Königswinter noch mal eine ganz neue Dimension angenommen. Denn aufgrund einer Provinzposse wie sie provinzieller nicht sein könnte, steht nun die Existenz zweier der drei verbliebenen Winzer am Drachenfels auf dem Spiel.

Und Geld, um ihnen zu helfen, ist keines da. Für eine Aussichtsplattform mit Restaurant in Glasbauweise? Ja, gerne, jederzeit. Aber um ein historisches Kulturgut zu retten? Leider Fehlanzeige.

Was genau ist passiert? Nun, hierzu zitiere ich gerne vollumfänglich die Presseerklärung des Weingutes Pieper:

Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,

als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Lethargie der Stadt Bad Honnef und des Verschönerungsvereins Siebengebirge (VVS) mit der Sperrung der Weinbergwege rund um den Drachenfels die Bürger im Köln-Bonner Bereich eines Naherholungsgebietes beraubt haben! Nun wird seit heute Vormittag durch die skrupellose Verschiebung von Verantwortlichkeiten der beiden Protagonisten in massiver Weise die Existenz der Drachenfelser Winzer bedroht. Wie auch in anderen Weinbaugebieten Deutschlands wird rund um den Drachenfels Weinbau im Steilhang betrieben. Dieser Jahrhunderte alten Tradition, die auch maßgeblich und international das Bild des Siebengebirges prägt, droht nun das Aus.

Seit Jahrzehnten kommt es oberhalb der Weinberge am sogenannten „Siegfriedfelsen“ ab und an zu kleineren bis mittleren Steinschlägen, in deren Folge bereits vor ein paar Jahren weite Teile der beliebten Weinbergwege für die Öffentlichkeit gesperrt wurden. Anstatt jedoch, wie in solchen Fällen üblich, für Steinschlagschutz- und sonstige entsprechende Maßnahmen Sorge zu tragen, verweisen die Eigentümer des Steinschlag verursachenden Grundstücks – der Verschönerungsverein Siebengebirge- lapidar darauf, nicht über entsprechende finanzielle Mittel zu verfügen.

Seit heute morgen hat die Bezirksregierung Köln weite Teile der von Steinschlag betroffenen Weinberge mit sofortiger Geltung gesperrt. Somit ist unserer Familie (Weingut Pieper) und das Weingut Broel in Rhöndorf mitten in der Vegetationsperiode, in der die Reben intensiv gepflegt werden müssten, unsere Berufsausübung von einem Augenblick zum anderen untersagt. Wir können unsere Grundstücke nicht mehr betreten!! Das Begehungsverbot bedeutet, dass unsere Reben ohne unsere Pflege innerhalb kurzer Zeit von Krankheiten befallen sein werden und damit die Ernte ernsthaft in Gefahr ist. Uns und unseren Mitarbeitern sowie deren Familien wurde von Jetzt auf Gleich die Existenzgrundlage entzogen und dem traditionsreichen Weinanbau am Drachenfels der Garaus gemacht.

Für das Plateau auf dem Drachenfels können zig Millionen seitens des Landes bereitgestellt werden, auch für den Eselsweg – der ebenfalls wegen Steinschlags vorübergehend gesperrt ist – sind bereits Sicherungsmaßnahmen eingeleitet und Gelder bewilligt worden.

Nur für regionales und historisches Kulturgut soll dies auf einmal nicht möglich sein und deshalb eines der seit der Romanik bekanntesten Wahrzeichen dieser Region verschwinden? Es ist nicht nur verantwortungslos, sondern schlichtweg beschämend, wie die verantwortlichen Instanzen ihrer Heimat den Rücken zuwenden anstatt tatkräftig Freude zu zeigen darüber, dass hier über Generationen hinweg Menschen gewillt sind den Weinbau am Drachenfels zu erhalten.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

 

Comfortably Numb

Comfortably Numb

Es ist schon sonderbar.

Eigentlich ist es an der Zeit, verdammt noch mal zu kämpfen – und zwar gleich an mehreren verschiedenen Fronten.

Die NSA hat das Internet kaputt gemacht und fährt mit ihrem Zerstörungsfeldzug, tatkräftig unterstützt von unfähigen/machtgeilen Politikern (Pofalla/Merkel/Friedrich) und einem desinteressierten und faulen Souverän (wir), auch munter fort. Es ist höchste Zeit, ein neues zu erfinden, und es gibt auch schon jede Menge dahingehende Bestrebungen. Ich könnte dabei helfen, ich habe schon anno ’98 Netzwerkkarten-Treiber gehackt, bringe mittlerweile 20+ Jahre Programmiererfahrung in C/Assembler/Java/Lua/WasWeissIchWasAlles auf die Waage, bin politisch interessiert und sehe die Notwendigkeit, etwas zu tun. Aber ich tu nichts.

Mit der C3S gibt es endlich und erstmals eine Alternative zur GEMA – und die Möglichkeit, dass die inzestuöse Abhängigkeit aus Plattenfirmen, Promotion-Agenturen, Werbetreibenden, Musik-”Presse” und sonstige Massenmedien aufgebrochen wird. Dass nicht mehr der ewig gleiche Dreck im Dudelradio läuft, weil es eine unterstützenswerte Alternative gibt, über die abgerechnet und verteilt werden kann (aber nicht muss). Wo meine Band, Botany Bay, mit einem aufwendigen und anspruchsvollen Werk wie “Grounded” im Jahr 2007 noch ignoriert, totgeschwiegen und belächelt wurde, würde sie jetzt den idealen Nährboden finden, ganz vorne mitzukämpfen, sich einen Namen zu machen und endlich gehört zu werden. Wo vor sechs Jahren noch kein “Journalist” einen Finger krumm gemacht hat, wollen sie jetzt plötzlich alle über diese neue Bewegung schreiben. Und trotzdem passiert bei Botany Bay, im direkten Vergleich zu 2007, kaum etwas. Wir nehmen beinahe schon unerträglich langsam und ohne Hast unser neues Album weiter auf, und wenn es fertig ist, dann werden wir das Spielfeld längst allen anderen überlassen haben.

Dieses Volk hat eine Bundesregierung gewählt, von der ich wirklich und tatsächlich befürchte, sie ist das allerschlimmste, was Deutschland seit der Ära Schröder passiert ist. Wir haben eine Datenschutzbeauftragte, die die Vorratsdatenspeicherung einführen möchte. Einen Geheimdienst-Staatssekretär, der das Tor-Netzwerk zumachen möchte. Eine Verteidigungsministerin die in wirklich jedem einzelnen ihrer bisherigen Jobs auf fatalste Weise versagt hat (und der trotzdem auf gespenstische Art und Weise die ganze Zeit nachgesagt wird, sie sei ach so fähig und super und toll… prima Strategie, wenn man es die ganze Zeit behauptet, dann glaubt es irgendwann auch der allerletzte Volltrottel). Eine Kanzlerin, die sich erst darüber aufregt dass unsere privaten Daten alle in Amerika sind, als sie erfährt, dass ihr Handy auch dazu gehört. Eine Koalition, die den Kartellschutz aushöhlen und den Bertelsmanns, Springers und Burdas ein Milliardengeschenk + eine Waffe zur endgültigen Vernichtung kleinerer Blätter geben möchte, damit die Pressevielfalt endgültig Geschichte ist. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Eigentlich muss man sich jetzt politisch engagieren, bevor das ganze Land vollständig im Arsch ist; und eigentlich wollte ich das auch schon längst getan haben. Aber irgendwie spüre ich deutlich, ich werde es auch jetzt nicht tun.

Und warum nicht? Ehrlich, ich weiss es nicht, und das ist es, was mich nachdenklich und traurig macht. Spontan muss ich wohl sagen, ich bin einfach zu faul dazu. Ich werde keine Kinder haben, die den ganzen Scheiß ausbaden müssen, und gerade bin ich sehr froh und glücklich darüber, wenn mal drei Wochen lang nicht das Telefon klingelt und ich über den Tod / die schwere Krankheit von irgendjemand den ich kannte und liebte oder über die bevorstehende Pleite meines Arbeitgebers und die Notwendigkeit schnell eine neue Arbeit zu suchen informiert werde.

Ist es wirklich so, wie Bertold Brecht gesagt hat, erst kommt das Fressen, dann die Moral? Es wäre traurig. Vielleicht brauche ich einfach nur ein bisschen Zeit… oder einen gehörigen Tritt in den Arsch… aber ich wollte dies hier schreiben, mehr für mich als für irgendjemand anders. Damit zumindest ich eine Erinnerung daran habe:

Ich weiss dass etwas getan werden muss.

Lieber Papa,

Lieber Papa,

jetzt bist Du schon seit über einem Jahr nicht mehr da.

Am 2.12 wäre es ein Jahr gewesen, aber Du warst nie einer für das Feiern von Jubiläen, und genau so wenig bin ich es. Vor allem nicht dieses Jubiläum.

Überhaupt bin ich Dir ziemlich ähnlich, ähnlicher als ich es lange Zeit zugeben wollte.

Gerade passiert in meinem Leben wieder Einiges, was mir das ganz deutlich zeigt. Ehemalige Mitstreiter wenden sich ab und gehen neue, eigene Wege… und ich kann mich nur allzu deutlich erinnern, wie das bei Dir immer war, wenn so etwas passierte. Wie fürchterlich enttäuscht Du warst, wie bitter, und wie Du tage-, monate- und jahrelang vor Dich hingrummeln konntest, dass ihnen das irgendwann schon noch leid tun wird und dass sie irgendwann schon kapieren werden dass mit Dir zusammen zu arbeiten das Allergrößte war, und dass sie schon merken würden, dass einem so etwas vom Leben nicht zweimal geschenkt wird…

Sie haben es nie gemerkt.

Und Du wurdest unglücklicher und unglücklicher.

Ich merke deutlich, ganz entfernt und im Ansatz habe ich Tendenzen dazu, so ähnlich zu reagieren. Und dann denke ich an Dich, denke traurig daran, was es aus Dir gemacht hat, und wie es alles endete. Wie Dich Idealismus und Kompromisslosigkeit einsam machten… so einsam, wie ich es nie, nie, nie werden möchte.

Und deshalb werde ich die Freude am eigenen Leben und Wirken und Tun ganz weit über die schmerzhafte Einsicht stellen müssen, dass andere Menschen von mir überhaupt nicht geteilte Vorstellungen von der Welt haben oder eben selbst die heiße Herdplatte anfassen werden, ohne sich jemals dafür zu bedanken dass ich jahrelang vor heißen Herdplatten gewarnt habe. Das ist ganz natürlich, ja, aber für einen Kleinert hin und wieder echt schwer zu packen.

Du weisst es, Du konntest es bis zum Schluss nicht packen.

Doch war alles nur schlecht? Natürlich nicht. Und, kann ich darüber überhaupt urteilen? Nö, kann ich nicht. Ich lebe ein ganz anderes Leben als Du es gelebt hast; Deine Schuhe hätte ich mir niemals anziehen können, und auch wenn ich mir sehr viele Scheiben von Dir abgeschnitten habe, ab und zu hätten es gerne noch ein paar mehr sein können.

Weisst Du noch, wie mein Ex-Vermieter mich hat ausbluten lassen mit der alten Wohnung? Wie er drei Monatsgehälter von mir wollte, nur weil die Wohnung nach vier Jahren in exakt dem gleichen Zustand war, wie ich sie übernommen hatte? Du hättest das alles ganz anders gelöst. Du hättest gleich am Anfang Fotos von der Wohnung gemacht, hättest ihn mit deutlichen Worten damit konfrontiert und wenn er sich nicht benommen hätte, dann hättest Du ihm, wenn’s sein muss über Jahre hinweg, die Beine unter dem Arsch weggeklagt. Ich wurde erst stinksauer und drohte mit dem Anwalt, als er auch noch seine (selbstverständlich ebenfalls schon immer kaputte) Fensterbank von mir erneuert haben wollte. Da war es aber zu spät, und die andere Kohle war schon weg. Ich hätte mir gewünscht, da ein bisschen mehr von Dir gehabt zu haben.

Oder weisst Du noch, dieser Job, den ich mal hatte? Wo ich mir Tag für Tag den Arsch bis zum Anschlag aufgerissen habe ohne jemals ein Wort des Dankes oder der Anerkennung zu bekommen, nein, im Gegenteil? Wo ich zum Schluss nur noch krank und kaputt war? Du hättest das nicht mit Dir machen lassen, Du hättest schon bei den ersten Anzeichen von ungerechter Behandlung getobt und gezetert und infolgedessen wohl auch schon nach spätestens zwei Jahren gekündigt… aber nicht ich. Ich klemmte den Arsch zusammen und hielt weitere drei Jahre aus, bis ich mir selbst nicht mehr sicher war, ob ich überhaupt noch zu irgendwas gut war.

Du siehst, es ist nicht nur so dass Du mir jetzt fehlst. Du hast mir schon gefehlt, als Du noch gelebt hast.

Schade, dass ich das damals nicht gemerkt habe

Das Problem hätte man verdammt leicht und verdammt viel, viel öfter lösen können.

 

Gegen die Zeit

Gegen die Zeit

Cover für die DKMS-Benefiz-Single “Gegen die Zeit”

Die Geschichte zu dem Lied findet sich hier.

Und wer das nicht lesen kann oder mag, der kann auch hier das Video anschauen:

…und selbst wer das nicht sehen mag, der mag vielleicht wenigstens spenden, und zwar an die:

DKMS
Kontonr. 12 6666 700
BLZ 640 700 85
Deutsche Bank Reutlingen
Stichwort: „Gegen die Zeit"

Jede Spende, sei sie auch noch so klein, rettet Leben.

Und wer das alles nicht mag, der ist hier übrigens am falschen Platz.

Die Hater sind unter uns

Die Hater sind unter uns

Zunächst mal: Nein, dieses Blog wird nicht dicht gemacht*.

Momentan machen aber ziemlich viele Blogs dicht, insbesondere solche, die sich mit Fotografie beschäftigen. Und das ist sehr schade.

Gerade erst hab ich bei Facebook wieder eine Meldung gelesen, dass ein weiteres Blog die Pforten geschlossen hat. Und ich muss sagen, noch mehr betrübt als die Schließung des Blogs haben mich einige Reaktionen darauf…:

Ich muss in letzter Zeit immer wieder feststellen, das Internet kann ein ganz schön kalter und einsamer Platz sein.

Da teilen Leute ihre Erfahrungen, ihr Leben, ihre Bilder, ihre Musik und was weiß ich was alles, teilweise mit einem irrsinnigen Aufwand und ebenso großer Hingabe… und erstaunlich viele Zeitgenossen haben nix besseres zu tun als in diesen virtuellen Räumen die Fenster einzuschlagen, die Wände mit Fäkalien zu beschmieren und dem Eigentümer – wenn er dann nicht mehr kann und/oder will –  noch mal ein fettes “Fick Dich” an den Kopf zu werfen. Allüberall lauert der Shitstorm und die Hater sind kaum zu stoppen.

Ich könnte jetzt aus dem Nähkästchen plaudern was ich alles zu hören gekriegt habe, als Botany Bay mit “Piracy” zur Abwechslung (und glücklicherweise nur für kurze Zeit) plötzlich hundert mal mehr Publikum hatte als die sonst üblichen 200 treuen Fans. Werd ich aber nicht, denn das haben die Verantwortlichen nicht verdient. Nur so viel: Sensiblere Menschen/Bands hätte das problemlos dazu gebracht, einfach gar nix mehr zu veröffentlichen und alles auf Null runterzufahren.

Und irgendwie wundere ich mich. Woher kommt das? Warum müssen die Leute so sein?

Fragen, auf die vermutlich niemand eine Antwort hat…

 


* Aber es wird ne Weile dauern, bis hier wieder regelmäßig was veröffentlicht wird. Die traurigen Gründe gibt’s drüben bei Botany Bay zu lesen.

Musik und Fotografie

Musik und Fotografie

Langjährige Leser dieses Blogs wissen bereits, dass ich mich, was meine künstlerische Ader angeht, in erster Linie als Musiker sehe. Das ist das, was ich wirklich sein möchte, und ich bin es auch nach über zwanzig Jahren noch immer mit ungebrochener Begeisterung.

Daneben gibt es in meinem Leben – wie sich anhand dieses Blogs vermutlich erahnen lässt – natürlich auch noch die Fotografie. Und gerade in letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass es zwischen diesen beiden Disziplinen ganz enorm viele Überschneidungen gibt. Die ich hier in lockerer Folge behandeln werde, vorausgesetzt, das Interesse ist vorhanden (ansonsten verbringe ich meine Zeit auch gerne mit Fotografieren ;-))

1. Die “Equipment-ist-alles”-Fraktion

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