Monthly Archives: April 2010

Freedom II

Freedom II

Ich muss zugeben, ich habe lange gezögert.

Erstens war ich einfach faul. Zweitens wollte ich nicht so viel Geld auf einmal ausgeben.

Und drittens – und das war tatsächlich ein gewichtiger Grund – war ich der Meinung, dass man ein Auto heutzutage   nicht mehr unbedingt braucht. Der motorisierte Individualverkehr ist ein Umweltkiller ohne Gleichen, es sind schon wahrlich genug Idioten – von denen jeder einzelne der Meinung ist, er könne am besten und tollsten fahren – auf den Straßen unterwegs, der ÖPNV ist im Raum Köln/Bonn gut ausgebaut und modern, und Busse und Bahnen zu benutzen ist vermutlich das Beste, was man für die Umwelt tun kann.

Das wäre auch so, wenn das System tatsächlich funktionieren würde. Tut es aber nicht. Ich hab es anderthalb Jahre ausprobiert, ich weiß wovon ich rede. Diese anderthalb Jahre Selbstversuch waren mit das Doofste, was ich mir jemals angetan habe.

Die Tatsache, dass die Züge – wenn es wirklich ganz hoch kommt – 10% der Zeit pünktlich waren – geschenkt!

Besoffene, sabbernde, lallende, kreischende und/oder quängelnde Mitfahrer jeden Alters – von mir aus!

Haufenweise Anschlüsse verpasst und zusammengerechnet Tage an windigen und zugigen Bahnhöfen zugebracht – naja, ist halt so!

Nichts, aber gar nichts, vom Wochenende gehabt, weil ich nach (mal wieder) sechs Stunden Bonn – Kassel vollkommen mit den Nerven runter war – man gewöhnt sich daran.

Mich von geschultem Zugpersonal anpöbeln lassen weil mein friedlich vor sich hinschlummernder aber wohl dennoch überaus gefährlicher Kampfhund ( <– Ironie) keinen Maulkorb trägt, wenig später aber ertragen müssen, wie mitreisende Jugendliche und Kinder mit Migrationshintergrund den halben Wagen auseinandernehmen und dem gefährlichen Kampfhund ( <– Ironie) die Finger in die Nase zu stecken versuchen, ohne dass das geschulte Zugpersonal auch nur einen Mucks von sich gibt – also bitte, wir sind in Deutschland, die Kinder wollen nur spielen und Vorschrift ist halt Vorschrift!

Ein Heidengeld für eine Leistung ausgegeben, die eigentlich nie wie versprochen erbracht wurde (und nach erfolgter Beschwerde nur einen Bruchteil wieder zurückgekriegt) – meinetwegen!

Aber: Das alles summiert macht einen doch nachdenklich. Insbesondere wenn es alles gleichzeitig passiert. Was letztes Jahr auf unserer Fahrt nach Föhr der Fall war. In die Details zu gehen lohnt sich eigentlich kaum, es lässt sich so zusammenfassen dass ich ein bisschen was über 300 EUR dafür ausgegeben habe, den allermiesesten Scheißtag des ganzen Jahres zu erleben.

Genau dies war der Punkt, an dem es mir klar war: Ich werde mir wieder ein Auto zulegen, egal wie unlogisch und unsinnig dies heutzutage erscheinen mag. Ich habe es verdammt noch mal verdient.

Und jetzt ist es also so weit, es steht unten vor meiner Tür, quietschrot und klein und knuffig. Und ich muss sagen, bis jetzt fühlt sich das wirklich, wirklich gut an.

Foto: iPhone + Hipstamatic, das erste Mal auf diesem Blog ;-)

Change

Change

Manche Fototouren bleiben besser im Gedächtnis als andere… und das hängt manchmal noch mehr mit den Begleitumständen als mit den Ergebnissen zusammen.

sklib-15112009-151502

Die Bilder in diesem Post sind auf einer Fototour im November 2009 entstanden, die mir damals nicht wie etwas Besonderes vorkam… die ich aber zurückblickend als in jeder Hinsicht denkwürdig erachte.

Mein guter Freund und Kollege Fotis hatte vorgeschlagen, ein paar Seen im Villetal, einem ehemaligen Braunkohleabbaugebiet, zu erkunden. Es war mehr oder weniger spätherbstliches Düsterwetter, nur ganz selten schaute zwischen den stetig kahler werdenden Zweigen der hohen Bäumen die Sonne heraus.

sklib-15112009-151545

Die Tatsache, dass sich der Herbst nun endgültig anschickte, so schnell wie möglich in den Jahrhundertwinter überzugehen, motivierte mich nicht besonders (wobei ich das mit dem Jahrhundertwinter damals ja noch nicht wusste). Und da war noch etwas, was auf meiner Seele lastete, auch wenn ich es nicht richtig festmachen konnte.

sklib-15112009-152125

Doch während wir uns da so durch den Wald kämpften, Fotis seine neue Lumix LX-3 ausprobierte und ich mit meiner Sigma DP-1 drauf losknipste, entwickelte sich parallel und zusammen mit der Motivsuche ein interessantes und anregendes Gespräch, das mir in einigen Bereichen die Augen öffnete, in denen ich sie schon die letzten zweieinhalb Jahre hätte aufmachen sollen.

sklib-15112009-152142 sklib-15112009-153939

Ich kann und möchte hier nicht in die Tiefe gehen, worum es uns genau ging… denn im Endeffekt ist das auch vollkommen egal. Bemerkenswert ist einfach, daß die Szenerie stimmte; plötzlich passte alles zusammen. Und obwohl am Anfang alles so trüb und düster aussah, bleibt mir die Erinnerung an eine wahrlich denkwürdige Fototour; an ein gutes Gespräch mit einem guten Freund, und an die richtige Entscheidung, die ich danach endlich traf.

Danke, Foti.

sklib-15112009-155234 sklib-15112009-161500-2 sklib-15112009-164243