later, that same day (3)

later, that same day (3)

(dieses Bild falls möglich in groß anschauen. Dies tut man, indem man einen großen Monitor besitzt, das Browser-Fenster groß aufzieht und auf das Bild klickt)

Am Wochenende hatten Frau K. und ich Besuch von Samuel B. 

Mit all den großartigen Sachen, die dabei (wieder einmal! – das war nicht das erste Mal, das erste Mal war dieses hier) herausgekommen sind, war es nicht nur ein sehr cooles Wochenende, sondern für mich auch quasi eine Erinnerung an eine Zeit, in der – man verzeihe mir den Geheimplatz – alles noch einfacher war.

Und irgendwie macht mich das gleichzeitig froh und traurig.

Ich weiss auch nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass ich älter werde, und dass ich so viele Freunde kommen und gehen gesehen habe. Und in letzter Zeit häufiger welche gehen als kommen sehe.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir in letzter Zeit immer öfter Gedanken darüber mache, was dieser ganze Internet-Kram überhaupt soll, wenn der Großteil der Welt doch eh nur hauptsächlich daran interessiert ist wo das nächste Katzenbild ist und wie der neueste tolle Facebook-Fail aussieht.

Sich mit richtigen Menschen auseinandersetzen hat irgendwie auch was sehr reizvolles. Insbesondere wenn es Menschen sind, mit denen man was anfangen kann. Und die etwas mit einem selbst anfangen können. Und die es zu schätzen wissen, wenn man Fotos von ihnen macht.

An dieser Stelle nochmals Danke dafür… von einem ebenfalls gar nicht mehr so jungen Mann, der momentan ernsthaft darüber grübelt, ob er verdammt glücklich oder über alle Maßen unzufrieden sein soll.

 

Bombe!

Bombe!

Nachdem dieses Blog in letzter Zeit im Bezug auf die Besucherzahl einen Negativrekord nach dem anderen aufstellt, habe ich mich nun endlich dazu entschlossen, etwas zu tun, was das Interesse wieder erhöhen wird.

Und zwar scheint es so zu sein, dass unsere Geheimdienste wie eh und je total scharf darauf sind, uns zu überwachen. Warum nicht auch gleich noch ein bisschen schöne Kunst dabei anschauen?

Also. Bombe. Obama. Erschiessen. Terror. Bombe bauen. Linkes Bombenlegerpack, elendigliches. Obama erschiessen. Revolution. Heiliger Krieg. Bombe, Bombe und nochmals Bombe. Terrornetzwerk, Bombe, Terroranschlag, Terrorzelle, Terror was-weiss-ich-was. Terror eben. Nagelbombe. Schraubenbombe. Bretterbombe. Jihad! Gütersloh! Mekka! Sprockhövel! Bombe selbst bauen. Obama selbst bauen. Wir bauen uns einen Gauck. Und Bomben, Bomben, Bomben, nicht zu vergessen. Obama? Bombe. Merkel? Bombe! Vor allem Merkel! Springerpresse, auf die Fresse. Merkel verhauen. Und Bombe.. sagte ich schon Bombe? Und Terror? Nicht? Also, Bombe!

Willkommen, liebe Leute vom Verfassungsschutz.

Ich hoffe, ihr fühlt euch wohl hier und die Bilder gefallen euch. Und wenn ihr durch seid, hier eine ganz persönliche Bitte von mir: Könntet ihr euch bei Gelegenheit auch mal um den einen oder anderen Nazi-Terroristen kümmern? Also, mit “kümmern” meine ich nicht: Finanziell unterstützen und Spuren verwischen und im richtigen Moment wegschauen… sondern eher sowas wie: Dingfest machen und wegsperren! Ja, ich weiss, das wäre was total Neues für euch… aber ich fände es trotzdem wirklich großartig. Vielen Dank im Voraus und bis bald!

PS: Bombe!!!

 

 

winter in hamburg (8)

winter in hamburg (8)

Die Seeräuber-Jenny

Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Aber eines Abends wird ein Geschrei sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Geschrei?
Und man wird mich lächeln sehn bei meinen Gläsern
Und man sagt: Was lächelt die dabei?

Und ein Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird liegen am Kai.


Man sagt: Geh, wisch deine Gläser, mein Kind
Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen, und das Bett wird gemacht!
(Es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht.)
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.
Aber eines Abends wird ein Getös sein am Hafen
Und man fragt: Was ist das für ein Getös?
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster
Und man sagt: Was lächelt die so bös?

Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschiessen die Stadt.


Meine Herren, da wird ihr Lachen aufhören
Denn die Mauern werden fallen hin
Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich.
Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von dem Streich
Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und man fragt: Wer wohnt Besonderer darin?
Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein
Und man fragt: Warum wird das Hotel verschont?
Und man wird mich sehen treten aus der Tür am Morgen
Und man sagt: Die hat darin gewohnt?

Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beflaggen den Mast.


Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten
Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
Und fragen: Welchen sollen wir töten?
Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
Wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
Und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!
Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!

Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird entschwinden mit mir.

Haus Nr. 50

Haus Nr. 50

 

Herr T., ebenso charismatischer wie auch erfolgreicher Unternehmer aus Köln, hatte den Ferienbungalow im Jahre 1977 an einem Flusslauf mitten im Nirgendwo zwischen Ließem und Bonn-Lannesdorf erbauen lassen.

Eigentlich war es von den Vorschriften her damals gar nicht möglich gewesen, hier ein solides Häuschen hinzustellen, aber bei einem solch erfolgreichen und wohlhabenden Bauherrn drückten die Behörden auch schon mal ein bis zwei Augen zu – zumal Herr T. in Lannesdorf nicht unbeliebt war. Ein Jahr zuvor hatte er Johanna T., Tochter einer alteingesessenen Lannesdorfer Winzerfamilie, geheiratet und ihr inzwischen das zweite Kind geschenkt – beides Töchter, ein Kind schöner als das andere. Ebenso wie die Mutter eine bildhübsche junge Frau gewesen war, mit Sommersprossen, rotblondem Haar und lebendigen, strahlenden blauen Augen.

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Menschen essen Blutwurst

Menschen essen Blutwurst

oder: Warum ich meinen Google+ Account gelöscht habe.

Ich muss zugeben – ich bin wahrlich kein ausgemachter Philantrop.

Ich mag einzelne Menschen, sehr sogar. Mir ist bewusst, dass Menschen zu Großem und Schönem fähig sein können. Aber ganz allgemein sind mir Menschen eher suspekt. Es gibt immer wieder diejenigen, die behaupten, wir hätten uns in unserer Menschlichkeit ach so sehr weiterentwickelt… ich bin anderer Ansicht. Von Hexenverbrennungen, Blutegelbehandlung, heiliger Inquisition, Ablasshandel und Stasi bis zum Hier und Jetzt ist es nur ein winzig kleiner Schritt, den viele Zeitgenossen geistig noch lange nicht mitgemacht haben.

Eine Begebenheit, die mich in dieser Weltsicht wieder einmal zu 100% bestätigt hat, ist der Klarnamenzwang auf Google+. Über den Unsinn eines Klarnamenzwangs und darüber, dass die Benutzung eines Pseudonyms ein digitales Grundrecht sein sollte, wurde schon an tausend anderen Stellen in aller Ausführlichkeit geschrieben, und ich werde es hier nicht wiederholen.

Ich war auf Google+ mit meinem richtigen Namen angemeldet; ich unterstütze aber volle Kanne die Idee, dass die Verwendung eines Pseudonyms möglich sein sollte; ich sehe sehr viele gute Gründe dafür.

Klar, auf facebook sollte man auch seinen richtigen Namen verwenden, aber Google+ wollte besser sein. Und Google hatte sich vor zig Jahren ganz gross “don’t be evil” auf seine Fahnen geschrieben.

Aber darum geht es gar nicht.

Es geht darum, dass das, was sich auf Google+ momentan in der Klarnamensdiskussion abspielt, das allerfinsterste Mittelalter ist.

Da gibt es jede Menge Leute, die nichts anderes zu tun haben, als den ganzen Tag andere Leute anzuschwärzen, weil sie ein Pseudonym verwenden.

Da ist Sascha Lobo dazu gezwungen, seine pseudonym-benutzenden follower davor zu warnen, bei ihm Kommentare zu hinterlassen, weil die digitalen Blockwarte mit Vorliebe seine Anhängerschaft durchkämmen.

Da gibt es Leute, die ohne mit der Wimper zu zucken mit “dann geh doch nach drüben wenn’s Dir nicht passt“, “man muss sich eben an Regeln halten“, “Du brauchst hier ja nicht angemeldet zu sein“, “wer nichts zu verbergen hat braucht auch kein Pseudonym” und sonstigen unreflektierten Stammtisch-Plattitüden um sich werfen, und zwar unter Beiträgen von Teilnehmern, von deren Hintergrund sie nicht die geringste Ahnung und deren Beweggründe sie nichtmal ansatzweise zu verstehen versucht haben.

Die gleichen Leute, die es so toll finden, dass facebook angeblich den arabischen Frühling ermöglicht hat.

Willkommen bei google+. Die eine schenkt der Community schon seit Ewigkeiten wunderschöne Bilder und eine ganz eigene Kreativität. Der andere ist gerade mal seit 5 Tagen dabei, drischt hohle Phrasen vom Segen der Obrigkeitshörigkeit, entblödet sich dabei nicht, tatsächlich das Wort "Ignoranz" (!!) zu verwenden und postet ein Bild von der letzten Grillparty und den aktuellen Benzinpreis. Dreimal dürft ihr raten, wer rausgeflogen ist.

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

Ich habe heute mein Google+ Profil gelöscht, nachdem sie meine Freundin rausgeekelt haben.

Meine Freundin, die ich jeden Morgen mit “Guten Morgen, Frau K.” begrüße; die ich unter dem Namen “Frau K.” kennengelernt habe, die jede Menge andere Menschen ausschließlich unter dem Namen “Frau K.” kennen, und die dieses Alias seit einem Zeitpunkt verwendet, zu dem die meisten der denunzierenden Stammtischbrüder auf G+ noch nicht mal wussten, dass es das Internet überhaupt gibt.

Die Menschheit? Weiterentwickelt?

Dass ich nicht lache.

Viel Spaß mit den Fackeln und dem Scheiterhaufen.

Oh, falls mich jemand in sozialen Netzwerken sucht, es gibt mich auf facebook und auf Diaspora.