Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Meine Kunst™ ist viel perverserer als Deine

Ich weiß nicht ob es an an der aktuellen Lage der Sterne liegt, oder am miesen Wetter da draussen oder an der Tatsache dass das Fernsehprogramm immer grottiger wird, aber in den letzten Tagen ist bei einigen Bloggern vermehrt der Drang zu beobachten, etwas Schlaues über Aktphotographie schreiben zu wollen. Continue reading

later, that same day (3)

later, that same day (3)

(dieses Bild falls möglich in groß anschauen. Dies tut man, indem man einen großen Monitor besitzt, das Browser-Fenster groß aufzieht und auf das Bild klickt)

Am Wochenende hatten Frau K. und ich Besuch von Samuel B. 

Mit all den großartigen Sachen, die dabei (wieder einmal! – das war nicht das erste Mal, das erste Mal war dieses hier) herausgekommen sind, war es nicht nur ein sehr cooles Wochenende, sondern für mich auch quasi eine Erinnerung an eine Zeit, in der – man verzeihe mir den Geheimplatz – alles noch einfacher war.

Und irgendwie macht mich das gleichzeitig froh und traurig.

Ich weiss auch nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass ich älter werde, und dass ich so viele Freunde kommen und gehen gesehen habe. Und in letzter Zeit häufiger welche gehen als kommen sehe.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir in letzter Zeit immer öfter Gedanken darüber mache, was dieser ganze Internet-Kram überhaupt soll, wenn der Großteil der Welt doch eh nur hauptsächlich daran interessiert ist wo das nächste Katzenbild ist und wie der neueste tolle Facebook-Fail aussieht.

Sich mit richtigen Menschen auseinandersetzen hat irgendwie auch was sehr reizvolles. Insbesondere wenn es Menschen sind, mit denen man was anfangen kann. Und die etwas mit einem selbst anfangen können. Und die es zu schätzen wissen, wenn man Fotos von ihnen macht.

An dieser Stelle nochmals Danke dafür… von einem ebenfalls gar nicht mehr so jungen Mann, der momentan ernsthaft darüber grübelt, ob er verdammt glücklich oder über alle Maßen unzufrieden sein soll.

 

shut my eyes tight

shut my eyes tight

 

her name

hearing voices in my head
hearing voices in the streets
words fall out of the sky like rain
and all I hear is all the same
is nothing but her name

shut out the noise
drain the sounds
every leaf on the trees
every wave of the sea
whisper her name
and she’s not with me

her name written in the stars
the moon becomes her face
a smile just like hers
eyes like her eyes
and all I see is all the same
is nothing but her face

shut out the noise
drain the sounds
every leaf on the trees
every wave of the sea
shut my eyes tight
turn off the light
every single ray of sun
every little thing I see
show me her face

and she’s not with me

for a change

for a change

Dieser nette ältere Herr stellte eine äußerst angenehme Abwechslung zu vielen anderen Menschen dar, die in der Vergangenheit bemerkten, dass ich im öffentlichen Raum fotografiere.

Denn während bei anderen diese Entdeckung zu Anpöbeleien meiner Person, zu Einforderung einer Erklärung was ich hier fotografiere und warum, zu Forderungen nach Herausgabe des “Films” (!) und überhaupt ganz allgemein zu einer grenzenlosen, jedem CDU-Innenpolitiker feuchte Träume bescherenden Paranoia führt, war dieser Mann ganz entspannt.

Ja, das ging sogar soweit, dass er sich vor meiner Linse in Szene setzte und richtig glücklich darüber war, für mich Modell stehen zu können.

Da bleibt mir nur, an dieser Stelle unbekannterweise nochmals herzlichen Dank zu sagen!

presumably dead man walking

presumably dead man walking

Auf einer Fototour, die eigentlich den Steinbruch zwischen Oberwinter und Remagen zum Ziel gehabt hatte, stießen wir durch Zufall auf dem Rückweg auf ein Stück Tal mit mehreren verlassenen Gebäuden, denen man ansehen konnten, daß sie einst zu einem stattlichen Anwesen gehört hatten.

Das größte davon war mit einem Türmchen inklusive Uhr ausgestattet… und zur Hälfte abgreissen. Aber das Faszinierendste daran war, abgesehen von der absoluten Einsamkeit und der Abwesenheit anderer Menschen oder eines Zeichens, was das Ganze überhaupt soll, wohl dieses: Der gesamte Boden vor dem Gebäude war mit schwarz-weissen Filmschnipseln übersät.

Später, als wir das Gelände verließen, kamen wir noch an einem großen Baucontainer vorbei, der neben Bauschutt hauptsächlich alte und verrostete Filmrollen zum Inhalt hatte.

Erst als wir wieder zuhause waren, brachten wir in Erfahrung, was wir da entdeckt hatten.

Es handelte sich um Schloss Calmuth, welches von 1947 bis 1996 als Kopierwerk der Internationalen Film-Union GmbH Remagen gedient hatte. Das Gelände wurde inzwischen vom “Sonnenkönig” Franz Asbeck aufgekauft, der dort zu tun gedenkt, was Milliardäre nun mal so tun wenn ihnen langweilig ist: Ein paar Millionen drin versenken, das Ding zum Jagdschloss ausbauen und in den Wäldern drumherum Tiere totschießen gehen.

Ich bin froh, dass wir vorher nochmal dort waren und die eigenartige Atmosphäre des Ortes (zumal wir keine Ahnung hatten, worum es sich handelt) auf uns wirken lassen konnten. Einen Filmschnipsel habe ich als Andenken mitgenommen; er ist oben vergrößert zu sehen.

Sunrise In Crack Alley (1)

Sunrise In Crack Alley (1)

An unserem zweiten Tag in San Francisco war ich noch immer ordentlich Jetlag-gerädert. Es war 5 Uhr morgens und an nochmal Einschlafen war nicht mehr zu denken. Also packte ich meine kleine Samsung Digiknipse und beschloss, ein bißchen die Nachbarschaft des Hotels zu erkunden, während über der Bucht allmählich die Sonne aufging.

Ich fing einige schöne streets ein, fand die ganze Szenerie zwar erstaunlich runtergekommen – insbesondere, wenn man die pennenden und in Plastikfolien und Zeitungen eingemummten Gestalten auf dem Gehweg in Betracht zog – aber dafür trotzdem recht malerisch… und kehrte nach zwei Stunden (die Sonne war inzwischen aufgegangen) wieder in unser Hotel zurück.

Mein Kollege, mit dem ich zusammen zur WWDC geflogen war, fragte mich, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte… und klärte mich dann darüber auf, dass ihm erzählt wurde , die Straße hinter unserem Hotel würde in Frisco den Spitznamen “Crack Alley” tragen, und dort auf eigene Faust und vor allem mutterseelenallein rumzuspazieren sei so ungefähr das Bescheuertste, was man überhaupt nur anstellen könne.

Tja… schon wieder was fürs Leben gelernt. Aber die Bilder sind trotzdem schön geworden. Ich werd’ sicher noch welche veröffentlichen… ;-)

Wiesbaden Blues

Wiesbaden Blues

Immer wieder im Leben gibt es diese Momente, da ist die Tatsache, dass man überhaupt einen Fotoapperat dabei hat, wesentlich wichtiger als die Frage, ob es sich um das neueste und schönste Modell handelt.

Wiesbaden, letztes Jahr im Oktober, war genau so ein Fall.

Ich hatte zusammen mit meiner Band, Botany Bay, in Wiesbaden ein Konzert gegeben, weil wir den free music contest gewonnen hatten. Dieses Konzert war zwar beim Publikum glücklicherweise gut angekommen, für mich persönlich war’s allerdings gleich aus mehreren Gründen große Kacke.

Ohne in die Tiefe gehen zu wollen – wie das im Leben manchmal so ist, geschahen damals etliche deprimierende, unnötige und schmerzhafte Dinge, und zwar netterweise alle gleichzeitig… und vermutlich aus dem gleichen Grund habe ich Wiesbaden als Ort in Erinnerung, an dem ich nicht tot aus dem Fenster hängen möchte (oder mir vor dem Bahnhof die Beine in den Rumpf stehen, was sich so ähnlich anfühlt).

Mit unterwegs war eher aus Zufall meine Fototasche und eine alte Minolta Dimage A1. Am Abend des Konzertes war ich nicht dazu gekommen, irgendwelche Fotos zu machen (um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich dachte noch nicht mal im Entferntesten daran).

Am nächsten Tag aber, nachdem wir in unserem Hotelzimmer aufgewacht waren und Wiesbadens trübe Skyline auf uns wirken ließen, da schnappte sich Wolfgang seine Gitarre und ich (in Ermangelung eines Klaviers) eben jene in die Jahre gekommene Dimage A1.

Die Fotos, die an jenem Morgen entstanden, erst im Hotelzimmer und später rund um den Bahnhof, wo ich erstmal erfolglos auf meine Mitfahrgelegenheit wartete, sind für mich heute etwas ganz Besonderes, weil sie meine Stimmung an jenem Tag nahezu perfekt transportieren… und das, obwohl (oder vielleicht auch weil) sie nur mit einer uralten 5-Megapixel-Knipse aufgenommen wurden.

Was bleibt ist zwar einerseits die Erinnerung an einen dieser Tage, an denen ich mich wie der einsamste und dümmste Mensch auf der ganzen Welt fühlte… andererseits aber eine Sammlung von Bildern, von denen ich sehr froh bin, sie gemacht zu haben.

Denn irgendwie erzählen die Bilder von allem, was damals war. Und ermahnen mich, die Dinge in Zukunft anders in die Hand zu nehmen.