Rant

Rant

So, Wetter, jetzt hör mir mal verdammt gut zu.

Weisst Du, was das da oben ist? Richtig, das ist eine fotografische Dokumentation davon, wie es bei uns vor genau einem Jahr aussah.

Die Magnolien blühten, man saß abends mit einem Fläschchen Rotwein draussen, beobachtete den goldenen Sonnenuntergang, und später, wenn die Temperaturen so gegen Sechs Uhr abends unter 15 Grad fielen, machte man ein Feuerchen an und schaute dem Tanz der Flammen zu.

Und auch ansonsten war eigentlich so ziemlich alles in Butter. Ich hatte meinen alten Job, der mich die letzten zwei Jahre nur noch maßlos angeödet und deprimiert hatte, endlich gekündigt, und ich war aus meiner alten Wohnung, die mich die letzten fünf Jahre nur deprimiert und maßlos angeödet hatte, endlich ausgezogen. Und sowohl der neue Job als auch die neue Wohnung waren eine circa zweitausendprozentige Verbesserung.

Naja, Wetter, wie wir beide wissen, blieb es nicht so. Ich habe zwar immer noch meine schöne Wohnung und meinen tollen Job (und nach wie vor die tollste Frau K. die man sich vorstellen kann), aber so ziemlich alles andere wurde ganz extrem Scheisse. Mein Vater hatte im August zwei Schlaganfälle, und ich musste ihm, ohne noch einmal mit ihm reden zu können, vier Monate lang beim Sterben zusehen, ehe er im Dezember endlich erlöst wurde. Und den einzigen Trost, den ich im Winter hatte, war, dass im Frühjahr wieder die Sonne scheinen würde, und dass wir spätestens zu Ostern wieder draussen sitzen und all die Dinge machen würden, die schon letztes Jahr um die gleiche Zeit unsere Seelen geheilt hatten.

Dummerweise hatte ich die Rechnung ohne Dich gemacht, Wetter.

Und ich mein’ das schon lange nicht mehr lustig. Ehrlich nicht. Du kannst es Dir in Deinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen, Wetter, wie sehr Du mir auf dem Nerv gehst.

Mit der seit Monaten ewig gleichen, kalten Milchsuppe da draußen, die sich in die Knochen frisst und sich über die Seele legt wie eine kalte, nasse Decke.

Mit der Art und Weise, wie Du jeden positiven Gedanken im Keim erstickst, indem Du zusätzlich zum eiskalten Wind ab und an noch ein bisschen Schnee und Graupel vorbei schickst und dafür sorgst dass die Magnolien draussen erfrieren bevor sie die Chance zum Blühen kriegen.

Mit dem grauen, kalten, undurchdringlichen Vorhang, den Du vor die Sonne stellst, und hinter dem man sie allenfalls als matte, milchige Scheibe ausmachen kann, als Spottbild dessen, was sie eigentlich sein sollte, und was ich mir so sehr wünsche.

Ehrlich, Wetter, Du nervst wie Hupe. Du bist ein ganz großes Oberarschloch. Es ist nicht mehr lustig, was Du da veranstaltest, im Gegenteil. Es ist so richtig zum Kotzen, und es ist genug jetzt.

Hör’ endlich damit auf, Du blöde Sau.

History Repeating

History Repeating

Ich muss etwas gestehen. Vor drei Jahren, als ich mehr oder weniger gezwungenermaßen dieses Blog eröffnete*, hatte ich lange vorher ausgiebig mit dem Gedanken gespielt, stattdessen einfach einen tumblr-Account aufzumachen und dort zu photobloggen.

Aber dann sagte irgendeine Stimme in mir “Nee, Stephan, tu das nicht. Weisst Du noch wie das damals bei flickr war? Das brauchst Du nicht noch mal”.

Und heute ist es tatsächlich so weit. Yahoo kauft tumblr. Verdammt, ich sollte auf solche Sachen spekulieren statt mit ehrlicher Arbeit mein Geld zu verdienen.

Tja, yahoo, ich meine das jetzt nicht böse, und ich kann tatsächlich mit Dir mitfühlen. Du möchtest wieder jung und cool sein, und dazu gehören. Und die Aktionäre beruhigen. Nur, erinnerst Du Dich, was Du aus flickr gemacht hast? Und, darf ich Dich darauf hinweisen, dass ein nicht unbedeutender Teil der auf tumblr geteilten Inhalte nicht nur vermeintlich sondern tatsächlich im wahrsten und treffendsten Sinne des Wortes pornographisch sind? Hach ja, das dürfte spannend werden.

Das Bild oben, “Through Shadow Into Light”, war übrigens anno 2004 eines der ersten Bilder, die ich auf (damals noch nicht yahoo-) Flickr veröffentlichte, bevor mein gesamter Account nach der Übernahme genullt wurde und ich mir einen neuen erstellen durfte… und nein, damals gab’s noch keine content filter bei flickr, aber das ist eine lange Geschichte, und sie ist schon lang vorbei…

 


* Der geneigte Leser mag sich vielleicht erinneren: ipernity hatte gerade seine homophobe Seite entdeckt (nachdem man vorher schon kreuz und quer großartige Künstler rauszensiert hatte), bei flickr gab man sich nach der Übernahme durch yahoo  päpstlicher als der Papst, und über die fotocommunity möchte ich in meinem Blog nicht wirklich allzu ausführlich reden, sonst muss ich es die ganze nächste Woche neu weihen…

Flickr hat umgebaut, wir werden alle störben™!!!

Flickr hat umgebaut, wir werden alle störben™!!!

 

Die einstmals große und seit 2004 zum Yahoo-Konzern gehörende Foto-Plattform flickr hat sich letzte Woche ein gigantisches facelifting verpasst. Im Gegensatz zu vorher werden Bilder jetzt größer und mit nur wenig Zwischenräumen dargestellt, und sie werden in einem fort nachgeladen, wenn man auf der Seite nach unten scrollt. 

Das allein wäre hier noch keine Erwähnung wert. Aber der Aufschrei, der jetzt durch die Massen der flickr-User geht, den finde ich doch unter gleich mehreren Gesichtspunkten äußerst erwähnenswert.

Zum einen gibt es gerade mal wieder einen Strom von Fotografen, die von flickr nach ipernity umziehen, weil bei flickr niemand auf ihre Beschwerden reagiert und keine Kommunikation stattfindet. Das find’ ich total drollig.

Ausgerechnet ipernity, die vor ein paar Jahren den ganz großen Zensur-Kahlschlag veranstaltet haben (um die Investoren gnädig zu stimmen), und deren ausserordentlich nette und sympathische Kommunikationsstrategie darin bestand, sich über Monate hinweg gar nicht und danach auch nur mit unfreundlichen “wir haben überhaupt nix kapiert”-cut-and-paste-Textbausteinchen zu melden.  Na, viel Spaß dort.

Wieder andere wollen zu 500px (dem ehemaligen Fotografen-Geheimtipp, der inzwischen zur gleichen HDR/Eichhörnchen-Einheitssuppe verkommen ist wie schon so viele Seiten zuvor). Das find’ ich beinahe noch drolliger, denn 500px war ganz offensichtlich das Vorbild beim Redesign von flickr.

Einige liebäugeln mit tumblr, welches gerade von Yahoo gekauft wurde. Das ist an Drolligkeit eigentlich nicht mehr zu überbieten.

Liebe Leute, ich weiss, ich werde von den Oberspezialisten unter euch jetzt wieder Selbstherrlichkeit und Arroganz und ganz allgemein Beleidigtes-Bratwurst-Sein vorgeworfen bekommen, aber es ist ganz einfach so: Wenn ihr nicht damit leben könnt, dass irgendeine Frau Meyer oder ein Herr Zuckerberg oder ein Herr Schmidt (oder auch nur eine Lea d’Ipernity) mit den von euch bereit gestellten Inhalten einfach plötzlich und unvermittelt machen können, was sie wollen die Aktionäre wollen, dann dürft ihr bei so was eben nicht mitmachen.

Das WWW war niemals als Zusammenschluss von großen Plattformen gedacht, die jeweils irgendwelchen steinreichen Krawattis gehören, welche einzig allein durch eure Inhalte und eure Teilnahme und euren Wert bei den Werbekunden immer reicher und reicher und noch reicher werden.

Es war so gedacht, dass jeder mit jedem kommunizieren kann, verteilt und dezentral. Gut, wir haben es alle zusammen mit kaputt gemacht, indem wir uns brav bei facebook angemeldet haben, über twitter unsere lachhaften first-world-problems in die Gegend schleudern und unsere Einkäufe hauptsächlich per Amazon tätigen. Aber muss es denn wirklich so weiter gehen? Jedem steht es offen, einfach mit einer eigenen Seite ins Netz zu gehen, beispielsweise mit einem Photoblog.

Ja, ich weiss, es wird jetzt als Einwand kommen: “Aber, auf nem eigenen Photoblog findet nicht so viel Kommunikation statt, und man findet sich nicht so leicht, und man kriegt nicht mit wenn jemand was neues postet”, etc. pp.

Was Quatsch ist. Mit RSS gibt’s ne prima offene Technologie, mit der man seine Lieblingsblogs im Auge behalten kann (und weil das schlecht für Google+ ist, hat Google auch den Reader dicht gemacht, diese Schweinepriester). Leider weiss das kaum jemand, und noch weniger Leute benutzen es. Aber die Technologie ist da. Und genau so ist das mit der Kommunikation. Unter jedem Bild hier kann man kommentieren. Gut, das ist ein bisschen schwieriger als ein “Sternchen” zu vergeben oder auf einen “Gefällt mir” Button zu drücken, aber das soll es auch sein.

Meinjanur.

Midlife Crisis?

Midlife Crisis?

Weil es ausnahmsweise ganz kurz nicht regnete, beschlossen Frau K. und ich gestern spontan, uns auf Location-Scouting-Tour zu machen.

Ausgestattet mit Regenjacken, dicken Fleecepullovern und festem Schuhwerk (wie es sich für den 30. Mai gehört!) begaben wir uns also ins Schmelztal, um die alte Großwäscherei Messenholl näher in Augenschein zu nehmen.

Tja, und was soll ich sagen?

 

Es ist schon seltsam, früher™ hab ich mich auf solche sogenannten “lost places” gestürzt als gäbe es kein Morgen, aber inzwischen lassen sie mich erstaunlich kalt. Ja, das Ding ist ein großes Gebäude, es gibt jede Menge schön runtergekommene Treppenaufgänge und Installationen und große zerbrochene Fenster. Und eine gar nicht so schöne Menge Vandalismus und schlecht gemachte Graffitis. Und es war ne schöne Möglichkeit, mich mal davon zu überzeugen, dass die OM-D auch bei ISO 4000 keinerlei Probleme hat, und sich somit ein immer wieder gern gehörtes Argument gegen m43 (“aber die rauscht viel mehr als ne Phollphormat”) in Wohlgefallen auflöst.

Aber die Faszination, die beispielsweise die Bahnstadt in Heidelberg auf mich hatte, oder die verlassene Pumpstation mitten im Wald bei Remagen, die will sich hier nicht einstellen, und ich finde auch den Gedanken, einen solchen Platz als Kulisse für ein Portrait- oder Aktshooting zu nehmen (was ja anscheinend irrsinnig beliebt ist), mehr oder weniger müßig. Hm ja. Kann es sein, dass ich einfach zu alt für sowas bin? Oder einfach uninspiriert? Keine Ahnung.

Auf jeden Fall fand ich den kleinen Fluss hinter der Wäscherei (der sich dank des tollen Sommerwetters in einen reißenden Strom verwandelt hatte) ein tausendmal lohnenderes Motiv.