20 Tage

20 Tage haben wir (Frau K. und ich) nun also fernab des zuhause zum Schluss in wahren Sturzbächen auf uns einprasselnden Wahnsinns, auf Föhr wie auf einer anderen Welt, zugebracht,

20 Tage lang haben wir den in solchen Einleitungen gerne und oft bemühten Alltag hinter uns gelassen,

20 Tage unsere Seelen baumeln lassen…

…ich habe aber auch, und das stellt sich für mich nun im Nachhinein als das Wichtigste heraus, 20 Tage lang keine mühseligen, Kräfte zehrenden und letzten Endes doch immer irgendwie zum Scheitern verurteilte Versuche unternommen, Kreativität und künstlerische Ansprüche an mich selbst mit der Realität eines 9-bis-6-Tages (ich rede von der Arbeit) und mit der Realität eines größtenteils nicht vorhandenen Publikums (ich rede von Botany Bay) in Einklang zu bringen.

Vielleicht liegt die Einsicht, dass dies das Allerbemerkenswerteste an diesem Urlaub war, ja daran, dass das “normale Leben” kurz vor Urlaubsbeginn dieses Mal gleich aus mehreren Gründen tatsächlich nicht mehr zu ertragen gewesen war. Vielleicht auch daran, dass wir auf Föhr bei Künstlern untergekommen waren, die zwei Generationen älter sind als wir selbst, die im Gegensatz zu mir von ihrer Kunst leben können, und mit denen wir lange und tiefgründige Diskussionen darüber führten, was im Leben wirklich wichtig ist, und was zu tun ist, um überhaupt den Hauch einer Chance zu haben, sich tatsächlich selbst zu verwirklichen.

Dies nun im Einzelnen auszuführen, würde den Rahmen selbst dieses Blogs locker sprengen. Aber es ist sonnenklar, dass meine eigene Life-Work-Creativity-Balance (schöne neue Wortschöpfung, könnte direkt von Marketing-Krawattis kommen) ziemlich im Arsch ist, und dass es so nicht ewig weiter gehen kann. Irgendwie muss ich da hin kommen, dass alles den Raum einnimmt, der ihm auch zusteht. Und dass es mich nicht vollständig aus der Bahn wirft, wenn sich irgendein dahergelaufener, drittklassiger Gothic-Pimpf der Illusion hingibt, mir zu meinem 39. Geburtstag einen Komplettverriss meiner Musik schenken zu dürfen. Jep, das wird ein langer Weg, und es ist mir noch nicht in allen Einzelheiten klar, wie… aber es muss etwas passieren. Bald.

Nun ja, genug philosophiert, das Ganze hier ist ja immer noch ein Photoblog, bzw. ein Blog, in dem es hauptsächlich um Photographie gehen soll. Und an Photographie ist in diesen 20 Tagen auf Föhr so Einiges entstanden.

Wobei sich natürlich sofort wieder ein philosophisches Problem stellt: Wie wird man so einem Ort eigentlich gerecht, ohne dass alles gleich in stereotypischen “wir sind normalerweise woanders und jetzt waren wir 20 Tage hier und haben alles fotografiert, was nicht bei 3 auf dem Baum war”-Urlaubsbildchen ausartet?

Puh, schwierig.

Ich weiss, es gibt kaum etwas Ätzenderes, als anderer Leute Urlaubsbilder anschauen zu müssen. Deshalb habe ich zumindest den Versuch unternommen, mich der Insel auf andere Art und Weise zu nähern, weniger die offensichtlichen Attraktionen ins Visir zu nehmen sondern eher ein allgemeines Stimmungsbild eines Lebens und einer Umwelt zu malen, die beide nicht unsere sind, uns aber 20 Tage zu Gast hatten. Ich wünsche viel Spaß damit.

Vielleicht noch kurz zum Technischen: Mit auf der Reise war meine treue Olympus Pen E-P2 mit dem Panasonic 20mm/f1.7 Pancake… und einer kleinen aber feinen Ansammlung an billig-auf-eBay-ersteigerten Uralt-Objektiven (das älteste davon ein Vorkriegs-Zeiss-Tessar, das ich auf Anraten von Tilla Pe mitgenommen habe… wofür ich ihr überaus dankbar sein muss, denn dabei sind einfach tolle Sachen rausgekommen; siehe das SW-Portrait von Frau K. weiter unten…), die mittels Adapter dankenswerterweise alle prima auf die Pen passen… was für mich übrigens der Grund #1 ist, warum ich die Pen so mag.

Ebenfalls dabei war meine neue Fuji Finepix X100… die locker das Zeug dazu gehabt hätte, der E-P2 den Rang abzulaufen und meine (digitale) Lieblingskamera zu werden; Tja, hätte. Hätte nicht die Belichtungsmessung schon am vierten Tag jeglichen Verstand verloren und fortan jedes zweite Bild mit Blende 16 und Belichtungszeit 1/4000 belichtet, vollkommen egal wie die Lichtverhältnisse wirklich gewesen sein mochten, und auch vollkommen egal, ob ich (lauthals fluchend) Blende und Belichtungszeit manuell eingestellt hatte oder nicht. Tja, wirklich extrem schade, Fuji. Vielleicht wird das ja nochmal was mit uns beiden, wenn ich das Teil eingeschickt und wieder zurückbekommen habe…

Jetzt aber wirklich viel Spaß mit den Bildern!

18 Replies to “20 Tage”

  1. Das Problem mit den Urlaubsbildern bleibt, daß es Urlaubsbilder sind. Auch wenn dir hier ein paar wunderschön romantische und vor allem kontemplative Bilder gelungen sind, so merkt man ihnen allen das Nicht-Alltägliche so sehr an, daß sie doch wieder eine Art Postkarten-Charakter bekommen.
    So wie es in den Touri-Läden ja auch immer die Stände mit den 35-Cent-Postkarten und die mit den 2-Euro-Postkarten gibt.

    Ich schlage mich nach jedem Urlaub mit demselben Problem rum: die große Freude über gelungene Landschafts- und Stimmungsbilder und in der Folge die große Frage, warum ich die eigentlich im Internet zeigen will und was darauf anderes an Reaktion kommen könnte als “Oh”s, “Ah”s und Seufzer gepaart mit Sternchen…
    (Ich tu’s aber trotzdem auch! ;-)

    Das s/w-Bild von Frau K finde ich übrigens mit Abstand am besten, es ragt völlig raus, vielleicht gerade weil es irgendwie auch ein Zitat von 60er-Urlaubsphotos ist.

    1. Da hast Du sicherlich recht, den Gedanken hatte ich auch mehrmals… es sind und bleiben Urlaubsbilder; deshalb werden sie hier auch alle auf einmal präsentiert und nicht nacheinander im Fotoblog…
      Jep, das s/w-Bild ist auch einer meiner Favoriten. Habe von der Sorte aber auch noch mehrere, die ich mir mal für spätere Veröffentlichung vorgemerkt habe…
      Liebe Grüße
      Stephan

  2. danke!

    ich habe die galerie eben zweimal als diashow angesehen – wunderbare bilder (einige sind mir zuuu blau…) – und ich denke du bist deinem anspruch – typische dinge an der küste abseits aller augetretenen pfade zu zeigen – vollauf gerecht geworden! (wasn satz! :-))

    und ich hoffe, daß ihr lange von diesen tagen zehren könnt!!!

    und vielleicht wird es ja auch noch mal was mit botany bay und mir – so wie mit dir und fuji :-)

  3. Hattet Ihr mit Bedacht die Ferienwohnung bei einem Künstlerehepaar gemietet?

    Die Bilder sehen so sehr nach (bewusster) Entspannung, Genuss und Seelenbaumelei aus. Der Urlaub wird Euch noch lange begleiten.

    Was Du da sagst mit Veränderung: Hast Du eventuell vor halbtags zu arbeiten? Obwohl das in Deinem Job schwer zu bekommen ist. Das ist alles so etwas von stockkonservativ; der Mann, der nur für die Arbeit da ist, sich gegebenenfalls dafür auch aufreibt, während die Frau daheim alles managt.
    Das ist alles andere als Dein Leben. Und von vielen anderen auch nicht. (Ich selbst kann das schon gesundheitshalber nicht mehr bringen.)

    1. Hi, Violine!

      Nee, Du hast schon recht, es war ein Ehepaar ;-)

      Und nein, das war keine bewusste Entscheidung, das hat sich tatsächlich rein zufällig so ergeben.

      Was die Veränderung betrifft, ich möchte da jetzt noch nicht allzu viel über ungelegte Eier fabulieren… das braucht alles Zeit und genaue Abwägung. Und es gibt mehrere Sachen, die sich ändern könnten.

      Ein großer Faktor ist tatsächlich auch Botany Bay (deshalb hab ich’s im Artikel auch nochmal erwähnt)… so allmählich komme ich leider zu der Erkenntnis, wenn die Welt keine Produktionen von uns haben möchte, dann brauche ich auch meine Zeit nicht mehr weiter damit zu verschwenden. Das Leben ist nicht unendlich.

      Nun ja, wie sich das alles genau auswirken wird, das wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

      Liebe Grüße
      Stephan

  4. Hör bloss nicht auf, Musik zu machen! Das fängt schon damit an, dass es Dir selbst gut tut.
    Ein Freund von mir, Profimusiker (im Blues ziemlich bekannt), hatte eine Zeit lang aufgehört, weil er so ein scheisse Leben mit Drogen und allem geführt hat (aus der Musikszene kommend). Das war nicht nur der Entzug, weswegen es ihm nicht gut ging. Als er wieder angefangen hat zu spielen (und im Prinz Friedrich aufzutreten) ging es ihm immer besser.
    Man kann die eigene Sprache nicht unterdrücken, das geht nicht. Und bei Euch beiden ist Musik Eure Sprache, Euer Ausdrucksmittel.

    1. Keine Sorge, ich höre garantiert nicht auf, Musik zu machen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Botany Bay nochmal ein neues Album rausbringt, ist gering bis nicht vorhanden. Warum sollte ich mir wieder so ne irrsinnige Mühe machen, wenn’s danach wieder niemand hören will und ich als Dank allenfalls sowas zu lesen kriege?

  5. Das ist vielleicht eine wiederliche Rezension! Da hat einer Lust daran, Leute niederzumachen! Wenn Euch eine Rezension wirklich in so gar keiner Weise wiedergibt, dann diese. Also nee, keine Ahnung, wie man sich zu so etwas versteigen kann.
    Der Depp hätte ja sagen können, das sei nicht sein Geschmack. Zumindest Euer Handwerk hätte er loben können.
    Meine Güte!

    Kann ich mir denken, dass so etwas sitzt. Ich glaube echt, der Typ hat keinen Zugang zu Eurer Musik – was ja okay ist, man kann nicht zu jeder Musik Zugang haben, das ist ganz individuell – und kann es nicht zugeben. Würgs.

    Lass Dich von sowas nicht aufhalten.
    Die Mühe eines Albums ist allerdings zu bedenken. Wenn kein vernünftiges Echo kommt, muss das tatsächlich nicht unbedingt sein. Oder unter einer anderen Prämisse.

    1. Ich möchte auf keinen Fall, dass das jetzt zu sehr nach Rumheulen klingt, aber ich muss feststellen: Ich bin 39. Ich habe der Welt “Grounded” und alles was hinterher kam geschenkt. Habe dafür Freundschaften und Beziehungen draufgehen lassen.
      Wenn Ray Dunkles Sprechdurchfall heute die einzige Art und Weise der Welt bleibt, sich dafür zu bedanken, dann muss ich leider sagen: Leck mich, Welt. Ich brauche keine Alben zu veröffentlichen, ich kann auch anders Spaß mit Musik haben.

  6. Lass Dir den Typen am Arsch vorbeigehen.
    Ein ordentlicher Rezensent hätte, wenn es wirklich so schlimm wäre, einfach die Klappe gehalten und nicht rezensiert. So geht man nicht mit Menschen um.
    Möchte nicht wissen, wie der Typ sich im real life verhält. Scheint ein sehr unangenehmer Mensch zu sein.

  7. … ich bin irritiert: seit wann dürfen Fotographen keine Urlaubsbilder machen / zeigen? Was ist an Urlaubsbildern so verwerflich?

    … bezüglich Botany Bay fände ich es sehr schade, wenn mit der neuen Stimme Steffi nicht die Chance bekäme, ein ganzes Album zu füllen. Aber es ist verständlich … irgendwann muss man Prioritäten setzten.

    1. naja, “verwerflich” nicht… eher anders, als meine anderen Bilder. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Menschen, die mit meinen anderen Bildern sehr viel anfangen können, mit den “Urlaubsbildern” nicht so viel anfangen können… und andersherum. Die Urlaubsbilder zeigen eine Schönheit, die sich auf den ersten Blick erschliesst; das ist angenehm einfach; meistens mache ich’s meinen Zuschauern ein bisschen schwieriger ;-)

      Re Botany Bay… Steffi wird auf jeden Fall die Chance bekommen, mit Botany Bay auf ner Bühne zu stehen, und klar gibt’s uns weiterhin… und es wird auch weiterhin Produktionen von uns geben. Wir machen verdammt gerne Musik zusammen, und ich kann ohne Musik nicht leben. Aber ich kann sehr gut ohne den Schmerz leben, der sich jedes mal aufs Neue einstellt, wenn’s mal wieder kaum jemanden interessiert und jedes amateurhafte Elektronik-Geblubber auf Jamendo interessanter und relevanter ist als wir. Und deshalb ist ein ganzes Album (und das müsste mindestens so ein Meilenstein wie “Grounded” werden), erstmal in ganz weite Ferne gerückt, ebenso wie Videos… dazu hab ich die Schnauze von unserer Rezeption einfach zu gestrichen voll…

      (Und ich weiss, das ist euch Fans gegenüber sehr ungerecht, deshalb will ich’s hier auch noch mal in aller Deutlichkeit sagen, dass ich euch mit diesen Gefühlen nie meinte oder treffen möchte…. ich bedanke mich bei euch für all den Zuspruch, den wir bekommen haben!!!)

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